RocknRolla

Coole Action, rasante Schnitte, keine Bedeutung: In Guy Ritchies neuem Film zeigen sowohl der Regisseur als auch sein Hauptdarsteller Gerard Butler, dass sie sich vor allem auf eines verstehen: die Oberfläche.

RocknRolla

Die britische Hauptstadt und jeder gegen jeden: Lenny Cole (Tom Wilkinson) meint die Unterwelt von London fest in seinem Griff zu halten. Bei Geschäften mit dem russischen Milliardär Uri Omovich (Karel Roden) wähnt er sich auf der sicheren Seite, bekommt er doch von seinem Partner dessen berühmtes Glücksbild geliehen, um den neuen Deal zu besiegeln. Als Omovichs Buchhalterin Stella (Thandie Newton) die sieben Millionen Euro für das Geschäft mit Cole bereitstellen soll, beauftragt sie die zwei Kleinkriminellen One Two (Gerard Buttler) und Mumbles (Idris Elba), das Geld zu stehlen. Gerade rechtzeitig für die beiden, schulden sie Cole doch aus einem misslungenen Coup noch zwei Millionen Euro. Als Omovichs Glücksbild aus Coles Büro geklaut wird und Cole erfährt, dass sein drogenabhängiger Stiefsohn Johnny Quaid (Toby Kebbell) doch nicht so tot ist, wie die Zeitungen glauben lassen, scheint das Chaos perfekt. Misstrauen, Paranoia, Rachepläne und Gier nach größerem Profit treiben die Parteien an, möglichst als erste an das gestohlene Geld, das Bild und Johnny Quaid zu gelangen.

RocknRolla

Erzählt wird der Film aus der Perspektive von Coles rechter Hand Archy (Mark Strong), der als allwissender Erzähler nicht nur das Geschehene kommentiert, sondern zugleich auch über das Leben, das Gangstertum und die ihm entgegen gehaltenen Vorurteile philosophiert. Seine Kommentare und so auch seine Figur, wenn sie nicht aus dem Off zum Zuschauer spricht, geben dem Film einen gewissen Grad an Ruhe und Stagnation. Denn sonst will RocknRolla vor allen Dingen eines sein: laut, schnell und dreckig. 2008, Jahre nach dem stillen Ende der so genannten Postmoderne und ihres Zitatenreichtums, die Londoner Unterwelt zu demontieren, scheint zum Scheitern verurteilt. Vor allem bringt der Film nichts wirklich originell Neues mit sich und wirkt von Anfang bis Ende wie ein trauriges Déjà-vu.

RocknRolla

Daher lässt der Film den Zuschauer auch recht ratlos zurück. RocknRolla läuft auf einen Mexican Standoff im Style Tarantinos Reservoir Dogs (1992) zu und möchte mit seinen schnellen Bildern und Schnittfolgen unterhalten und mehr nicht. Der Film ist ganz Oberflächenphänomen und bestes Beispiel für die Popkultur. Durch den schnellen Wechsel zwischen den Protagonisten, dunklen Orten und Handlungssträngen entwickelt der Film eine scheinbare Dynamik, die er eigentlich gar nicht hat. Die Illusion, dass etwas passiert, wird aber dennoch permanent aufrechterhalten. Fast schon könnte man diese dramaturgische Inszenierung als Konsequenz der ironischen Haltung begreifen, mit der der Film seine Protagonisten zeichnet: Was ist ein RocknRolla? Jemand, der schnell lebt und jung stirbt? Drogen konsumiert und hemmungslosen Sex hat? Schnell wird klar, nicht nur die Gangster Londons sind nicht mehr das, was sie mal waren, sondern auch das Lebensgefühl des Rock’n’Rolls. Müde und abgehalftert scheinen sie nur noch ein sinnentleertes Zitat zu sein. Also wieder die Postmoderne.  

RocknRolla

Richies Werk bleibt dabei eine Seifenblase. Solange sie fliegt, ist sie schön anzusehen. Platzt sie aber unter einem leisen „Pop“, erinnert nichts mehr an sie. So wie der Zuschauer weiß, daß er in den vergangenen 114 Minuten bunte Bilder gesehen hat. Was sie aber aussagten, verflüchtigt sich schnell. Der Abspann verspricht ein Wiedersehen mit One Two und Mumbles in einer Fortsetzung des Films. Manche Versprechen klingen doch eher wie eine Drohung.

Trailer zu „RocknRolla“


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Kommentare


Kevin Fries

Hi,
also erstmal muß ich sagen,dass Guy Ritchie das absolute non plus ultra in den englischen Movieparts ist. Die Einfälle zu den Movies sind der Hammer. Zu Rock n Rolla bleibt nur zu sagen:
Der Film ist der absolute Hammer für Genrefans! Genrefans heißt,die Leute, die seine Filme lieben,wie z.b. Snatch oder Bube,Dame,König,Gras.Das sind eigentlich die Filme,die die Youngstars( 13-35 Jahre ) sehen wollen hier in Deutschland.Die englischen Fime sind sowieso im Moment der Renner.Und wenn er dann noch von Guy Ritchie ist---extra geil.Ich finde den Film Rock n Rolla superklasse,hat was und ist von vorne bis hinten lustig und originell.Bin gespannt auf den 2.Teil--The Real Rock n Rolla--.Und auch auf den 3.Teil,wie behauptet wird.Der 2.Teil soll ja schon geschrieben sein.Ich denke Guy Ritchie hat seinen Platz in Hollywood verdient,wenn ich mir so manche Filme von dort anschaue.Was denkt ihr ?


Sven

Der Film ist der hammer kann es garnicht erwarten das der 2.teil kommt !!!


Laura

Ich hatte keinesfalls den Eindruck das der Film 114 Minuten lang nur aus bunten Bildern ohne viel Aussage besteht, da ich ihn mir angesehen habe und gar nicht mehr aus dem Kopf
bekam. Mir gefallen die gut ausgearbeiteten Charaktere und auch die gesamte Entwicklung der Geschichte. Besonders Toby Kebbell und Mark Strong sind sehr überzeugend. Die Themen Geld, (seelischer) Absturz und Verrat sind oft humorvoll verpackt ohne dabei lächerlich zu wirken. Ich bin sehr neugierig auf die Fortsetzung und würde mich freuen, wenn die Reihe noch weiter fortgeführt wird.






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