Robots

Der neue Animationsfilm aus den Blue Sky Studios wartet mit einer Welt voller Roboter auf, in der ein junger Mann vom Lande sich in der großen Stadt bewähren muss. Das Spektakel komischer Ideen ist gemischt mit Gesangs- und Tanzeinlagen.

Robots

Junger Mann in der großen Stadt: Rodney Copperbottom zieht es aus seinem beschaulichen kleinen Heimatort hinaus in die Welt, hinein in die Großstadt, wo er sich seinen Traum, Erfinder zu werden, erfüllen möchte. Dort aber werden seine Fähigkeiten nicht mehr so recht gebraucht, denn die große Roboterfabrik hat sich unter ihrem neuen Chef Phineas T. Ratchet ganz auf Gewinnmaximierung ausgerichtet.

Soweit ist der computeranimierte Film Robots eine weitere Version der Geschichte vom Landei, das in der Großstadt ankommt, erst einmal auf die Nase fällt und sich gegen alle Widerstände behaupten muss. Variiert wird die Erzählung hier dadurch, dass alle Protagonisten Roboter sind – Rodney heißt nicht umsonst Copperbottom, sein Hintern ist tatsächlich aus Metall.

Dem etwas tollpatschigen Fender, mit dem er sich anfreundet, fällt der seine dagegen gelegentlich ab, und auch Rodneys andere neuen Freunde haben ein Problem: früher oder später brauchen sie Ersatzteile, und die sind Mangelware geworden. Nach dem Willen des bösen Ratchet soll es sie bald gar nicht mehr geben, stattdessen nur noch teurer zu bezahlende „Upgrades“. Wer sich die nicht leisten kann, so Ratchets Plan, wird früher oder später billiges Altmetall abgeben, das man einschmelzen und gewinnbringend verwerten kann.

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Soziale Ungerechtigkeit als ganz körperlich erfahrener Verfall: die „Anzugträger“ erscheinen in Robots in silbrig schimmernder Gestalt. Sie können sich ihre Körper mittels Upgrade ganz im Sinne der Schönheitschirurgie zurechtformen, während die einfachen Roboter um Fender schon recht angerostet und äußerlich eher retro wirken: so stellte man sich in den fünfziger, sechziger Jahren vielleicht einmal Roboter vor, als Computer noch nicht in die Hosentasche passten.

Auch das Aussehen der Schauplätze, insbesondere der Stadt Robot City, ist keineswegs direkt futuristisch, sondern vielmehr irgendwo zwischen Art-Deco- und 50er-Jahre-Design angesiedelt. Damit bezieht sich Robots nicht nur in der abgebildeten Sozialstruktur, sondern auch ästhetisch sehr deutlich auf Metropolis (1927).

Ansonsten bietet Robots animationstechnisch wenig Aufregendes – nach den Tieren und Menschen aus Ice Age (2002), der ebenfalls von Regisseur Chris Wedge und aus den Blue Sky Studios stammt, sind diese allerdings elaboriert niedlichen Roboter natürlich verhältnismäßig weniger komplex zu animieren. Die ebenso wenig aufregende, vielmehr etwas dünne Handlung versucht Robots durch Geschwindigkeit und Witz zu kompensieren, und das gelingt auch einigermaßen.

Ständig passiert etwas, der Film kennt kaum Pausen oder nachdenkliche Momente. Die Figuren werden mit einem eigenartigen Transportsystem quer durch die Stadt geschossen oder auf einem Förderband einem Schmelzofen entgegengetragen. Und wenn die Figuren – Rodney, Fender und dessen freche kleine Schwester Piper sowie Cappy, die aus der Vorstandsetage auf Rodneys Seite wechselt – sonst gerade nichts zu tun haben, machen sie für einige Sekunden eine Gesangs- und Tanzeinlage, von Britney Spears bis hin zu, Gene Kelly lässt grüßen, „Singing in the oil“.

Robots

Das Blue Sky-Team hatte zum Teil recht hübsche Ideen, die das menschliche Alltagsleben in die von Robotern besiedelte Welt transferieren: In den wenigen Momenten der Ruhe poliert jemand die grüne Metallfläche seines Vorgartens, gibt es am Frühstückstisch für jeden eine Tasse Schmieröl, schwarz, ohne Zucker, während draußen vermutlich die Straßenlaterne nach getaner Arbeit den Heimweg antritt: fast jeder Alltagsgegenstand ist in Robots ein Arbeitnehmer.

Dass der Film den Konflikt zwischen den gewinnorientierten Kapitalisten oben und den abhängigen Arbeitern unten – eine Gesellschaftsstruktur wie aus der industriellen Revolution, man wartet förmlich darauf, dass Rodney eine marxistische Kritik von Robot City zum Besten gibt – nicht en detail ausbuchstabiert, mag für eine eher seicht gedachte Komödie durchaus nachvollziehbar sein. Stattdessen wird als Lösung jene mythische Form des Kapitalismus präsentiert, in dem der Konzernchef als freundlicher Patriarch für seine Arbeiter und den Rest der Gesellschaft stets nur das Beste will.

Das soll vielleicht vor allem eine der angepeilten Zielgruppen, die Kinder, beruhigen, ist aber ein bisschen verlogen – das geht im Trubel des Geschehens fast unter. Robots ist fetzig, etwas fadenscheinig, aber unterhaltsam.

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