Rize

In seinem Leinwanddebüt widmet sich Hochglanz-Fotograf David LaChapelle mit einer Mischung aus Dokumentation und stark ästhetisiertem Videoclip einem neuen Tanz aus den Ghettos von L.A.

Rize

Rize von David LaChapelle dokumentiert eine afroamerikanische Tanzform, die sich in den letzten zehn Jahren vom Underground kalifornischer Ghettos bis zum MTV-kompatiblen Trend entwickelt hat. Damit steht er in einer Tradition von Filmen wie Style Wars (1983) und Wild Style (1983), die das ehemals subkulturelle Hip Hop-Umfeld mit seinen Begleiterscheinungen wie Grafitti und Breakdance dokumentierten, als es bereits Einzug in den Mainstream fand. Eine weitere Gemeinsamkeit: Bei allen drei Filmen handelt es sich um Dokumentationen einer hauptsächlich schwarzen Subkultur durch die Perspektive eines weißen Regisseurs.

David LaChapelle ist bisher insbesondere als Fotograf poppiger und verkitschter Szenarios in Erscheinung getreten und gestaltete schon zahlreiche Werbekampagnen und Titelblätter so namhafter Style-Magazine wie Face oder Interview. Seine Verbindung mit der Musikwelt fand in der Gestaltung diverser Plattencover Ausdruck sowie als Regisseur diverser Musikvideos wie Christina Aguileras Dirty-Video oder Britney Spears durch Milchglas aufgenommene Wiedergeburt in Everytime. Rize basiert auf LaChapelles preisgekröntem Kurzfilm Krumped (2004) und ist sein erster Kinofilm.

Erzählt wird nicht nur die Geschichte eines Tanzes, sondern auch der Menschen, die seine Entwicklung maßgeblich geprägt haben. Als Urvater der Bewegung gilt Thomas Johnson, der 1992 als Reaktion auf die Unruhen anlässlich der Ermordung Rodney Kings durch die Polizei als Tommy the Clown für Aufsehen sorgte. Geschminkt und verkleidet wie ein Clown entwickelte er einen energetischen Tanzstil, der den jungen Leuten ein Ventil für ihren angestauten Frust bot und sie damit von Drogen und Gewalt fernhalten sollte.

Rize

Um dessen Vorgehensweise anschaulich zu demonstrieren, begleitet LaChapelle Tommy bei seinen Shows auf der Straße und stellt nebenbei einige der zahlreichen Nachahmer-Gruppierungen vor. So hat sich von einer Vielzahl an Variationen des ursprünglichen Tanzstils am dominantesten das „krumping“ behaupten können, das ganz auf die Maskerade verzichtet, sehr viel sexueller besetzt ist und durch seinen ständigen, oft auch aggressiv wirkenden Wettkampf mit Breakdance zu vergleichen ist.

Die ganz auf Künstlichkeit aufgebaute Bilderwelt LaChapelles verträgt sich verständlicherweise nicht besonders mit authentischem Ghetto-Alltag, weshalb er seinen Film auf zwei Ebenen ansiedelt: Einerseits bietet Rize einen dokumentarischen Blick auf die Lebensumstände, Freuden und Leiden seiner Protagonisten und zeigt im Gegensatz dazu immer wieder durchinszenierte Tanzszenen, die mit ihrer glatten Ästhetik und ihren pumpenden Hip Hop-Beats zwar eine gewisse Faszination ausstrahlen, sich aber in ihrer Hohlheit nicht wesentlich von LaChapelles Musikvideos unterscheiden. Da wird natürlich auch mit Kitsch nicht gegeizt, wenn vor einem Sonnenuntergang in Zeitlupe eingeölte Körper in die fürs „krumping“ typischen exstatischen Zuckungen verfallen.

Was Rize von Wild Style und Style Wars am Deutlichsten unterscheidet, ist das Fehlen jeglichen kritischen Ansatzes der Bewegung selbst gegenüber. Die beiden älteren Filme zeichnen sich gerade dadurch aus, dass sie nicht nur die Protagonisten der Bewegung porträtieren, sondern auch deren Gegner zu Wort kommen lassen und die kommerzielle Vermarktung der einstigen Subkultur differenziert beleuchten. LaChapelle lässt all dies außen vor und verfällt stattdessen in ein unreflektiertes und distanzloses Abfeiern seiner jungen Helden. Dabei übernimmt er die kommerzielle Vermarktung in seinen Videos gleich selbst.

Rize

Als Finale gibt es dann noch ein vor Pathos triefendes Battle, in dem die „Clowns“ gegen die „Krumps“ antreten. Hier trägt LaChapelle eindeutig zu dick auf, wenn er Bilder des hysterisch jubelnden Publikums mit Einstellungen, die das Heldenhafte der Tänzer betonen, kombiniert. Immerhin zeigt er gleich nach der Veranstaltung wie die Tänzer von ihrem Alltag, bestehend aus Einbrüchen und Schießereien, eingeholt werden und relativiert das zuvor Gesehene damit wieder zum Teil. Überhaupt scheint LaChapelle den Zuschauern in den letzten zwanzig Minuten noch mal die Leviten lesen zu wollen. All die Schattenseiten, die das Leben seiner Protagonisten bestimmen und zuvor nur angeschnitten wurden, treten am Schluss noch in den Mittelpunkt.

Diese nachgereichte Sozialkritik wirkt ebenso wie die verschiedenen Ansätze zwischen realistisch und überhöht etwas uneinheitlich. Wer sich für LaChapelles Ästhetik begeistern kann, wird bei Rize trotzdem auf seine Kosten kommen und über dessen Schwächen hinwegsehen können. Vielleicht sollte man den Film ohnehin am Besten als einen auf Spielfilmlänge gestreckten Videoclip verstehen.

Kommentare


Julia

also der film ist für den AR****!!!
Es lohnt sich echt nicht den film zu gucken =)
Hab ihn in der überraschungspremirie gesehn in einem UCI kino =)
Die hälfte der besucher sind sofort raus gegangen -.-


Biggi

Ich fand den Film geil!!! Die Bilder, die Tänze, die ganze Atmosphäre... *schwärm*
Einfach stylisch!
Schaut ihn euch an und bildet euch ne eigene Meinung!


olga

ich liiiiebe diesen Film...einfach geil was die alles drauf haben!






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