Rhythm is it!

Schüler werden mal diszipliniert, mal motiviert. Sie sollen tanzen lernen und zu Strawinskys Le Sacre du Printemps eine Choreographie einstudieren. Rythm is it! ist ein Film über das erste Education-Großprojekt der Berliner Philharmoniker, in dem letztes Jahr 239 Jugendliche gemeinsam auftraten. Der Dokumentarfilm ist zwar häufig zu gewollt emotionalisierend, aber die Umsetzung des Themas und die Portraits sind lohnenswert.

Rhythm is it!

Rhythm is it! folgt mehreren Gruppen Jugendlicher, zum Teil bestehend aus Tanzlaien, vom Lernen erster Tanzschritte und Einstudieren einer Choreographie bis hin zu einer Großaufführung in der Tempelhofer Arena mit den Berliner Philharmonikern. Der Film konzentriert sich dabei auf drei Jugendliche unterschiedlicher Herkunft.

Marie ist 14 Jahre alt, geht zur Hauptschule und beschreibt sich selbst als faul. Sie hebt sich aber langsam vom Gros der Schüler ab, das ständig diszipliniert werden muss. Immer mehr investiert sie in das Projekt und merkt zuletzt, dass sie durch Engagement vieles erreichen kann - vielleicht macht sie doch ihren Realschulabschluss. Der 15-jährige Olayinka aus Nigeria, Asylant und Kriegswaise, ist in Berlin völlig auf sich gestellt und freut sich auf die Schule und das für ihn fremde europäische Tanzen. Die vielleicht bemerkenswertesten Passagen zeigen Martin, 19, der große Ängste zu überwinden hat. Er ist es nicht gewohnt Menschen körperlich an sich heran zu lassen, sogar aufs Händeschütteln verzichtet er am liebsten. Und doch bricht er das Projekt nicht ab, weil er sich selbst überwinden will. An diesen Stellen gewinnt Rythm is it! seine spezifisch filmische Kraft. Die Aussagen der Bilder sind eindringlicher, als die, die der Film nur anhand von Worten formuliert. Die reinen Tanzszenen sind eine gelungene Abwechslung, die dank dem Einsatz von mehreren Kameras nicht aus einer Frontalsicht von einer einzigen Position aus gezeigt werden, sondern geschickt aufgelöst, sowohl den ausgewählten Jugendlichen als auch den Gruppen gerecht werden.

Rhythm is it!

Parallel zu den Portraits der jungen Tänzer werden auch Choreograph Royston Maldoom und Dirigent Simon Rattle zu zentralen Figuren der Dokumentation. Maldoom, der schon an den verschiedensten sozialen Brennpunkten gearbeitet hat, hält das Projekt zusammen. Engagiert und motiviert ist Simon Rattle auch, aber die Untermalung seiner Interviews mit eher unpassender Musik verleiht dem Ganzen einen lehrerhaften Ausdruck. Auch Olayinkas Geschichte wird in ihrer Tragik unnötig von sehr pathetischer Musik unterstützt. Es scheint, als habe Karim Sebastian Elias, der die Musik zum Film arrangierte und teilweise selbst komponierte, eine bestimmte Stimmung künstlich aufbauen wollen, die aber bereits ausreichend durch die Geschichte gegeben ist. Selbst der Einsatz von Strawinskys Le Sacre du Printemps ist dabei nicht immer geglückt.

Rhythm is it!

Der Film berichtet von interessanten Personen, die an einem spannenden Projekt arbeiten. Dabei gelingt es den Regisseuren, auch noch den richtigen Rhythmus zu erzeugen: Sie stellen eine Balance zwischen den drei Jugendlichen, den zwei älteren Protagonisten und den Gruppen als Ganze her. Das ist ihnen hoch anzurechnen, denn bei 200 Stunden Rohmaterial fiel die Wahl sicherlich nicht leicht. Sie entgehen der Gefahr, in das eine oder andere Extrem zu fallen: der Film ist weder eine langweilige Aneinanderreihung unterschiedlicher Erfahrungsberichte noch ein klassischer personalisierter Film, der sich nur auf einen oder ganz wenige Charaktere konzentriert. Thomas Grube und Enrique Sánchez Lansch müssen dennoch auf vieles verzichten, um die Dokumentation auf Spielfilmlänge zu halten. Da bleibt es nicht aus, dass man gerne mehr über die Protagonisten erfahren würde. Doch die Geschichten von Martin, Marie und Olayinka können nur Beispiele für die vielen Erlebnisse aller Teilnehmer des Projektes sein. Auch wenn der Film nicht ganz überzeugt: Das Education-Projekt und die Aufführung der Jugendlichen zu Strawinskys Le Sacre du Printemps waren ein voller Erfolg.

 

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