Resident Evil: Extinction

Alice im Zombieland: Zum dritten Mal tritt Milla Jovovich gegen eine immer weiter zunehmende Zahl von Untoten an. Das Ende bleibt natürlich offen genug für eine Fortsetzung.

Resident Evil: Extinction

Das T-Virus hat mittlerweile nahezu die gesamte Menschheit infiziert und zu Menschenfleisch fressenden Untoten gemacht. Während die wenigen Überlebenden verzweifelt ebenso nach Ihresgleichen wie nach Essensvorräten und Benzin suchen, macht sich in einem unterirdischen Labor der „Umbrella Corporation“ Dr. Isaacs (Iain Glen), der ursprüngliche Entwickler des Virus, daran, die Zombies zu domestizieren und zugleich ein Heilmittel zu finden.

Dass dieses Szenario klingt, als sei es direkt aus George Romeros Klassiker Day of the Dead (1985) entsprungen, ist natürlich kein Zufall. Von den ersten Szenen an, die wie ein nahezu perfekter Klon des Beginns von Resident Evil (2002) erscheinen, bis hin zum Ende, das eine Szene aus Matrix (The Matrix, 1999) stibitzt, gehören Kopie, Zitat und Wiederholung zum filmischen Prinzip von Resident Evil: Extinction.

Die ewige Wiederkehr des Gleichen ist natürlich ein Grundprinzip des Mainstreams, der Popkultur und vor allem des Sequels – Extinction, nach dem teuren, aber trashigen Resident Evil: Apocalypse (2004) schon die dritte filmische Verwurstung der Resident Evil-Videospielreihe, spiegelt das immerhin sehr offensichtlich und ebenso das Genre des Horrorfilms insgesamt.

Resident Evil: Extinction

So wird nicht nur die Geschichte des Zombiefilms bis hin zu Land of the Dead (2005) zitiert und, pardon, durchgekaut, zwischendurch machen sich auch zombiefizierte Vögel à la Hitchcock über die Menschen her, und die klassische Familie von wahnsinnigen Hinterwäldlern, die in unzähligen amerikanischen Filmen seit Blutgericht in Texas (The Texas Chainsaw Massacre, 1974) ihr Unwesen treibt, taucht auch hier auf, wird aber schon in der ersten Stunde von Heldin Alice (Milla Jovovich) ihrem gerechten Ende zugeführt.

All die Bezüge vereinen sich nie zu einem großen Ganzen, das an die Qualität und Vielschichtigkeit der Vorbilder heranreichen könnte – aber das Spiel mit den Verweisen, ganz post- und popmodern, hat dennoch Methode. Es ist sicher kein Zufall, dass ein zentraler Teil des Films in den kläglichen Überresten von Las Vegas spielt, jener Stadt, in der die größten Touristenattraktionen der Welt aus Kultur und Architektur, vom Eiffelturm bis zur Sphinx, als Oberfläche recycelt werden, mit nur einem Ziel: den Besuchern ihr Geld zu entlocken.

Resident Evil: Extinction

An Oberfläche bekommen wir in Extinction bläulich schimmernde Laborinterieurs unter der Erde und oberirdisch ein Endzeitszenario à la Mad Max (1979-1985) zu sehen, bei dem Nordamerika zu einer einzigen Wüste geworden zu sein scheint, die in immergleichen Brauntönen flirrt. Dort ist Claire Redfield (Ali Larter) mit ihrem Konvoi unterwegs, dem sich auch Alice anschließt. Dem warmen Wetter gemäß sind auch die Untoten, anders als genre-üblich, keine schleimigen Blutklumpen in unterschiedlichen Stadien der Verwesung, sondern wirken eher wie gut erhaltenes Dörrfleisch.

Zwischen all den Klischees blühen also im Wüstensand immerhin ein paar brauchbare Ideen – etwa die, ein Mädchen (Spencer Locke) nach dem Supermarkt zu benennen, in dem es aufgefunden wurde. Das ist einerseits eine halbwegs subtile Anspielung auf die Dawn of the Dead-Filme (1978, 2004), in denen sich die vor den Zombies flüchtenden Menschen in einem Einkaufszentrum verbarrikadieren, und andererseits: So viel Product Placement gab es in einem postapokalyptischen Szenario wohl noch nie. (Besuchen Sie Las Vegas, so lange es noch steht!)

Resident Evil: Extinction

Genrefans werden sich immerhin freuen, dass in Extinction konsequenter dem Splatter gefrönt wird als in den beiden Vorgängerfilmen. Allerdings werden hier fast nur Zombiekörper vor laufender Kamera zerteilt – die „Guten“ sterben würdevoll im Off oder verdeckt von den fressenden Untoten. Das ist es vor allem, was das Resident Evil-Franchise von klügeren Zombiefilmen unterscheidet: Die Helden bleiben bei aller Verletz- und Sterblichkeit am Ende nahezu körperlos und damit unbeteiligt, über dem Geschehen. Dabei macht es ja das Verstörende dieses Subgenres aus, dass jeder im Handumdrehen vom Helden zum blutigen Fleischklumpen werden kann.

Resident Evil: Extinction ist da, wie seine Vorgänger, näher am durchschnittlichen Kriegs- und Actionfilm mit seinen unsterblichen Helden, und dort, mitten im Mainstream, wollen Regisseur Russell Mulcahy und Drehbuchautor Paul W.S. Anderson den Film ja auch platzieren. Dank der flotten Inszenierung, die logische Inkonsistenzen einfach ertränkt, und der zahlreichen Actionsequenzen bis hin zum für eine Fortsetzung stets offenen Ende funktioniert das auch ganz gut – als Unterhaltung fürs abgeschaltete Gehirn.

Warum allerdings für Nahaufnahmen das Gesicht der Hauptdarstellerin – und ausschließlich ihres – in einen Topf mit Weichzeichner getunkt wurde, bleibt Mulcahys Geheimnis. An Jovovichs Modelphysiognomie wird es kaum gelegen haben.

Trailer zu „Resident Evil: Extinction“


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Kommentare


Medved

Meiner Meinung nach ist diese dritte Teil besser rausgekommen, als die anderen beiden. Aber irgendwie unlogisch, dass ausgerechnet diese Hauptperson solche Superkräfte besitzt


grexl

Im Gegensatz zu den ersten beiden Teilen, welche auch schon grenzgängig waren, hat dieser keinerlei logische Grundlage mehr. Der T-Virus wird hierbei bis ins unglaubwürdige ausgebeutet. Die Tatsache, dass der T-Virus aus Menschen Zombies macht und bei einer direkten Verabreichung etwas Schlimmeres (Licker), reicht den Autoren nicht mehr aus. Egal was die Autoren in diesem Film machen wollten, die Begründung würde immer die selbe sein „Der T-Virus macht es möglich, irgendwie“.






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