Repo Men

Das ewige Leben durch Organe auf Raten? Stilistisch überfrachteter und gedanklich überforderter Sci-Fi-Genremix ohne funktionelle Spannungsdramaturgie, dafür vollgestopft mit deplatziertem Humor.

Repo Men

Schon einmal, in den für viele action-affine Filmfans so seligen 80ern, gab es einen obskuren Genremix, der sich mit beinahe dem gleichen Titel jenem Berufsschlag widmete, der sich säumigen Schuldnern auf denkbar dreisteste Weise nähern muss. Die „Repos“ mussten in jenem Streifen (Repoman, 1984) einen moralisch ambivalenten Job erledigen und auf halblegale Weise Menschen um die Dinge erleichtern, deren Raten sie nicht mehr abzahlen können oder wollen. Das gleiche System verfolgen die Repos auch in vorliegendem dystopischen Science-Fiction-Film – mit einem entscheidenden Unterschied: Ging es in den 80ern noch um unbezahlte Autos, wird hier einmal mehr der Mensch selbst zur Ware, leben die Schuldner doch mit hochmodernen künstlichen Organen auf Pump. Die schroffe Punkrock-Attitüde weicht hier einer kalten Hochglanzästhetik, die den Mittelklasse-Streifen teurer aussehen lässt, als er tatsächlich war. Dass dies nicht zwangsläufig eine gesteigerte Qualität garantiert, versteht sich von selbst und tatsächlich hat sich die verbrauchte Floskel „Style over Substance“ selten mehr aufgedrängt. Vor allem, weil Repo Men nicht viel einfällt, um seinen grobschlächtigen Stil zu rechtfertigen.

Repo Men

Remy (Jude Law) und Jake (Forest Whitaker) sind ein eingespieltes Team. Privat gut befreundet und miteinander vertraut, erledigen sie ihren Job mit sardonischem Vergnügen. Selbst schuld, wer seine Niere nicht abzahlen kann. Im Auftrag der ominösen aber extrem mächtigen weil finanzstarken Firma mit dem aalglatten Namen „The Union“ lassen sie ihren niederen Trieben freien Lauf und werden obendrein dafür bezahlt. Zwar hat es Remy bereits die Ehe gekostet, einen Grund umzudenken sieht er aber erst, als er wegen unglücklicher Umstände unverhofft selbst mit künstlichem Herzen aufwacht. Zwar erkennt Remy nun die ethisch nicht zu rechtfertigende Grausamkeit seines Berufes, ist aber jetzt wegen der Wucherzinsen mehr denn je auf ein sattes Gehalt angewiesen. Eine klischeehafte Konfliktsituation, wie sie das Mainstreamkino schon etliche Male auf das harmoniebedürftige Publikum losgelassen hat, das eine Läuterung des Protagonisten voraussetzt. Schon bald wird es unangenehm für den bisher so vorbildlich auftretenden Killer – denn nichts anderes sind die Repos, lassen sie ihre „Kunden“ doch achtlos vor Ort sterben.

Repo Men

Genau dieser gezwungen und aufgesetzt wirkende Wendepunkt bricht der ohnehin schon belanglos dahin plätschernden Handlung endgültig das Genick, beraubt sie ihres letzten Fetzens Glaubwürdigkeit. Dass es damit bereits vorher nicht weit her war, ist wohl dem zerfahrenen Drehbuch zu verdanken, welches sich ohne ersichtlichen Grund dazu genötigt sieht, seine Hauptfiguren als gewissenlose Metzger zu zeichnen. Gleiches gilt für den damit einhergehenden ätzenden Zynismus, mit dem unappetitliche Splatter-Sauereien genüsslich zelebriert werden. Statt aber dem gewaltgeilen Zuschauer den Spiegel vorzuhalten, spielt ihm Repo Men direkt in die Hände.

Hart an der Grenze zur Selbstvertrashung sind die eingestreuten Oneliner und der krude, latent menschenverachtende Humor. Regisseur Miguel Sapochnik ist  heillos überfordert, eine kohärente inszenatorische Linie durch sein stilistisch unentschlossenes Werk zu ziehen und seine verquaste Spannungsdramaturgie untergräbt jeden Nervenkitzel. Sapochnik wählt einen einfallslos-tristen metallischen Look, an dem unbedingt jede Behaglichkeit abperlen muss und der bestens zum zynischen Weltbild des Films passt.

Repo Men

Zur Zeichnung einer inhumanen Zukunft (die Story ist im Jahr 2025, also in  greifbarer Nähe, angesiedelt) reicht neben der Ästhetik die Grundidee der käuflichen Organe voll und ganz, die extrem unsympathische Charakterisierung der Figuren wirkt sich in diesem Zusammenhang eher kontraproduktiv aus. In der finalen Sequenz, die ganz trendy als Twist funktioniert, bekommt Repo Men zudem noch einen deplatzierten existentialistischen Anstrich, für den unzweifelhaft Kultautor Philip K. Dick Pate stand.

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