Reine Formsache

Was sich liebt, das trennt sich: Ralf Huettners turbulente Scheidungskomödie um ein Paar, das miteinander ebenso schlecht auskommt wie ohneeinander, vermischt Romanze und Komödie zu einem stimmigen Unterhaltungsfilm.

Reine Formsache

Ralf Huettners neuer Film Reine Formsache scheint über weite Strecken einem Ausspruch aus Goethes „Faust“ zu folgen: „Greift nur hinein ins volle Menschenleben! Ein jeder lebt’s, nicht vielen ist’s bekannt. Und wo ihr’s packt, da ist’s interessant.“ Der Film wirkt, als würde er eine Liebesgeschichte, die so in einer beliebigen deutschen Großstadt wirklich geschehen könnte, direkt auf die Leinwand übertragen. Mit Berlin als Kulisse hat der Regisseur natürlich eine ebenso zeitgemäße wie dankbare Untermauerung des Geschehens gefunden. Hier ist die Koexistenz unterschiedlichster Figuren Alltag, Gegensätze omnipräsent und ein Abtauchen in die Anonymität der Metropole auf wunderbare Weise darstellbar. Vergleiche mit Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit (1998) werden beinahe schon zwingend. Die Momentaufnahmen des Großstadtdschungels sind auch hier die Stärke: Nachtleben, Ehekrisen und Einsamkeit arrangieren sich in Verbindung mit Berlin zu einer tragikomischen Handlung.

Der Film beginnt, wo viele Ehen enden: vor dem Scheidungsrichter. Felix (Marc Hosemann) kehrt ab- und ausgebrannt aus Las Vegas zurück, um seine Scheidung von Pola (Christiane Paul) über die Bühne zu bringen. Der Ex-Mann in spe, das wird schnell klar, ist vor allem ein großes Kind und wird im Drehbuch nicht ohne Grund auf die Rolle des Spielers festgelegt, das genaue Gegenteil der romantisch veranlagten Pola. Entgegen seines Wesens beschließt er jedoch, um seine Noch-Ehefrau zu kämpfen, angetrieben durch deren neuen Freund Hannibal (Robert Schupp). Nebenbei sind da noch die alten Freunde Effi (Floriane Daniel) und Gustav (Bastian Pastewka), sowie Ada (Petra Schmidt-Schaller) und Wito (Oliver Korittke). Beide Paare lieben sich, eigentlich, was sie sich den gesamten Film über mehr oder weniger erfolgreich auf jeweils eigene Art zu beweisen versuchen.

Reine Formsache

Reine Formsache glänzt durch das stimmige Zusammenspiel der einzelnen Figuren, deren Interaktionen immer auf die Erwartungen der Zuschauer zugeschnitten scheinen, gelegentlich auch vorhersehbar sind, niemals aber unglaubwürdig vermittelt werden. Huettner hat dabei einen Ensemblefilm geschaffen, der trotz der dramatisch anmutenden Handlung das Komödiantische nicht zu kurz kommen lässt, kleinere Pointen und intelligent platzierte Wendungen schaffen eine funktionierende Mischung namens Romantic Comedy. Auffällig ist vor allem die erfrischende Erzählweise, mit der Huettner seine Figuren die Geschichte vorantreiben lässt: Der Stil der Dialoge ist betont jugendlich gehalten, ohne dabei aber anbiedernd oder nachahmend zu wirken. Dies verdankt er auch den überzeugenden Darstellern, die teilweise bereits zuvor mit Huettner gearbeitet haben und ihre Figuren energisch, aber nicht überzogen wiedergeben. Ein ausgereiftes Drehbuch, das auf den dynamischen Wechsel zwischen Dramatik und Komödie angelegt ist, rundet Reine Formsache ab. Oftmals gibt man die Ehe der beiden verloren, um nur wenige Szenen später wieder an ein Happy End zu glauben. Diese Reaktionen erwecken Huettner und seine Darsteller gekonnt, wodurch Reine Formsache ein solider Unterhaltungsfilm geworden ist.

 

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