Reine Fellsache

Aufstand der Tiere. Waschbär, Stinktier und Co. erheben sich gegen die Urbanisierung ihrer heimischen Wälder und rächen sich an den Vorstadtmenschen. Zu leiden hat unter diesem niveaulosen Klamauk aber vor allem der Zuschauer.

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Dank Klimawandel und fortdauernder Ausbeutung der natürlichen Ressourcen unseres Planeten und deren Folgen haben Filme zum Thema Umweltzerstörung Hochkonjunktur. Auf den Zug aufspringen wollte wohl auch Regisseur Roger Kumble, der durch das Drama Eiskalte Engel (Cruel Intentions, 1999) zu größerer Bekanntheit gelangt ist. In Reine Fellsache lässt er den Bauunternehmer Dan Sanders (Brendan Fraser) eine idyllische kleine Siedlung in den Wäldern Oregons errichten. Beauftragt hat ihn der Chef des Großkonzerns Lyman Enterprises, der vorgibt, ökologisch vorbildlich zu arbeiten, tatsächlich aber das gesamte Gebiet mit Hilfe eines skrupellosen indischen Investors möglichst schnell dem Erdboden gleich machen will. Kein Wunder, dass sich die Tiere des Waldes nicht so einfach geschlagen geben und zum Angriff gegen den ahnungslosen Bauherrn blasen.

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Der grobe Handlungsrahmen liefert nicht mehr als den Anstoß für reichlich Klamauk, der in seiner Einfallslosigkeit kaum zu überbieten ist. In den aneinandergereihten Sequenzen tritt Sanders in ein Fettnäpfchen nach dem anderen und wird von den Tieren nach dem klassischen Katz-und-Maus-Prinzip terrorisiert. Der Slapstick-Humor bewegt sich dabei so grundlegend unter der Gürtellinie, dass man sich schnell zu fragen beginnt, ob die Tiere einen so einfalls- wie geschmacklosen Rachefeldzug verdient haben. Tritte in die Weichteile, Einsatz von Vogelkacke und Geruchsattacken der Stinktiere – die Waldbewohner scheinen sich auf möglichst widerliche Weise wehren zu wollen. Die Grenzen des guten Geschmacks überschreiten die Macher hier im Vorübergehen. Lustig ist das zu keinem Zeitpunkt, auch weil sich die Gags gleich mehrmals wiederholen, mitunter laufen die Szenen beinahe komplett identisch ab. Spätestens nach dem dritten „Stinktier im geschlossenen Auto“-Witz ist auch das letzte Lachen verstummt. Um keine noch so platte Pointe ist sich der Film beim Kampf zwischen Mensch und Tier zu schade, und er ist dabei derart niveaulos auf Fäkalwitzchen getrimmt, dass er bei weitem nicht als die familiengerechte Komödie durchgehen kann, als die er verkauft werden soll.

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So richtig vor den Kopf stößt Kumble den Betrachter aber durch seinen Umgang mit dem Thema Umweltschutz. Eine regelrechte Beleidigung ist die halbherzige Auseinandersetzung mit der bevorstehenden Rodung der bedrohten Wälder und der Vertreibung seiner tierischen Bewohner für jeden, dem an Tier- und Umweltschutz auch nur ein bisschen gelegen ist. Der Film versucht erst gar nicht, sich der Thematik und dem damit verbundenen Konflikt anzunähern. Stattdessen gibt es zum Schluss die fadenscheinige Botschaft, dass es nie zu spät ist, sich für die Umwelt und deren tierische Bewohner einzusetzen. Das nimmt man dem Film auch wegen der als lächerlich überzogene Karikaturen daherkommenden Figuren nicht ab. Der verzweifelte Naivling Sanders kämpft mit panischem Gesichtsausdruck gegen die Widerlichkeiten der Waldbewohner, die er mitunter sogar im rosa Trainingsanzug seiner Frau über sich ergehen lassen muss, und wirkt dabei geradezu würdelos, sodass man sich als Zuschauer nur peinlich berührt fühlen kann.

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Schließlich ertränkt Kumble auch den finalen Rachefeldzug der Tiere in belanglosem Unsinn und reichlich Tierfäkalien. Müsste man nach dem Betrachten dieses Films über die Existenzberechtigung der Lebewesen auf dem Planeten Erde entscheiden, verdient hätten ihn weder die Menschen noch die genauso unsympathischen Tiere. Dass bei Reine Fellsache laut Presseheft nicht nur thematisch auf den Umweltschutz, sondern zudem auf ein ökologisch korrektes Filmset geachtet worden sein soll (inklusive eigenem Recyclingbeauftragten), bleibt dann auch das einzig positiv Erwähnenswerte. Daneben hätten aber auch die Konzentration auf eine tatsächlich familiengerechte Komik und ein Grundlevel an Niveau und Respekt vor dem gewählten Thema nicht geschadet.

Trailer zu „Reine Fellsache“


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