Ratatouille

In der neuesten Pixar-Produktion hat eine Ratte wahrlich Großes vor. Der dank modernster CGI-Technik animierte Nager träumt von einer Karriere als Sternekoch in einem Pariser Gourmettempel. Als Zuschauer begleitet man ihn nur zu gerne bei diesem Unterfangen.

Ratatouille

In den Filmen der Trickfilmschmiede Pixar ging es immer schon um das mitunter schwierige Zusammenleben mit der Spezies Homo sapiens. Ganz egal, ob es sich dabei im Einzelfall um Spielzeuge mit großen Ambitionen (Toy Story, 1995), sympathisches Krabbelgetier (Das große Krabbeln, A Bug’s Life, 1998) oder freiheitsliebende Fische (Findet Nemo, Finding Nemo, 2003) handelte, der Mensch und seine Umwelt standen zumeist in keiner allzu harmonischen Beziehung zueinander – wenn sie denn überhaupt miteinander in Kontakt kamen. Für ihre neueste Produktion Ratatouille scheinen die Kreativen bei Pixar diesen Konflikt auf die Spitze treiben zu wollen. Darin bringen sie etwas zusammen, das unseren Vorstellungen nach einfach nicht zusammen passen will: Ratten und gutes Essen.

Und es gibt nur einen Ort auf dieser Welt, wo eine solche Geschichte überhaupt spielen kann: In der Hauptstadt der Feinschmecker und Gourmets, in Paris. Dorthin verschlägt es auch den kleinen Remy. Der Umstand, dass er eine Ratte ist, hält ihn nicht davon ab, fest daran zu glauben, dass er seinen großen Traum erreichen kann. Im Unterschied zu seinen Artgenossen begnügt sich Remy nicht damit, im Abfall nach Essensresten zu suchen. Er will als Meisterkoch die Welt der Haute Cuisine erobern und dabei zugleich seine Leidenschaft für die Zubereitung köstlicher Speisen ausleben. Für die Karriereplanung ist es da eher hinderlich, dass Ratten gemeinhin als der Albtraum jedes Küchenchefs gelten. Doch auch davon lässt sich Remy nicht entmutigen. Und wie der Zufall es will, soll er schon bald die Gelegenheit erhalten, sein Talent auch unter Beweis zu stellen.

Ratatouille

Tierische Hauptdarsteller sind für das Genre des modernen Animationsfilms keineswegs unüblich – im Gegenteil. Weil Menschen mit ihrem nuancierten Mienenspiel und ihrer nicht immer eindeutigen Körpersprache gerade die frühen CGI (Computer-Generated Imagery)-Programme noch vor unlösbare Schwierigkeiten stellten, griffen Entwickler wie Pixar für ihre ersten Produktionen nur zu gerne auf Tiere oder Fantasiegestalten zurück. Aber obwohl Nager wie Mickey Mouse untrennbar mit der Historie des Animationsfilms verbunden sind, fristete die gemeine Ratte bislang auf der Leinwand eher ein Schattendasein. Schuld war ihr schlechtes Image: Ratten gelten nunmal als eklig, unhygienisch und gefräßig.

Mit Ratatouille dürfte es Regisseur und Drehbuchautor Brad Bird (Die Unglaublichen (The Incredibles, 2004; Der Gigant aus dem All, The Iron Giant, 1999) und seinem Animationsteam gelungen sein, dieses Bild zu korrigieren. Denn Remy ist einfach derart liebevoll animiert, dass man nicht anders kann, als den kleinen Nager umgehend in sein Herz zu schließen. Remys ausdrucksstarke Mimik, der manchmal verzweifelte, mitleidige Blick, der ganz plötzlich von einem schelmischen Enthusiasmus und wahrer Begeisterung abgelöst wird, all das lässt vergessen, dass wir es hier nur mit einem Trickfilm zu tun haben. Remy nimmt es, was Präsenz, Ausstrahlung und Charisma angeht, mühelos mit den meisten Schauspielern aus Fleisch und Blut auf.

Ratatouille

Die technischen Möglichkeiten der aktuellen CGI-Technologie zeigen sich nicht nur eindrucksvoll in Details wie Remys aus Tausenden von einzelnen Haaren aufgebauten Fell, auch der stark aktionsorientierte Plot profitiert von der Weiterentwicklung der Pixar-eigenen Software. Die straffe Choreographie der Action-Sequenzen, welche der Zuschauer zumeist aus Remys Sicht erlebt, hält das Tempo des Films konstant hoch und verleiht ihm dadurch eine besondere Dynamik.

Das Drehbuch setzt neben satirischen Spitzen, die sich beispielsweise in der Person des hochnäsigen Restaurantkritikers gegen ein allzu elitäres Kulturverständnis richten, nämlich vorrangig auf physische Comedy in der Tradition eines Buster Keaton, Mack Sennett und Louis de Funès. Der Vergleich mit letzterem liegt allein schon aufgrund des in einem ähnlichen Milieu situierten Films Brust oder Keule (L´aile ou la cuisse, 1976) nahe.

Ratatouille

Die Grundidee von Ratatouille ist simpel. Man nehme zwei Dinge, die nicht zueinander passen und entwickle hieraus eine abenteuerliche Geschichte. Vor der Kulisse eines märchenhaften, in ein geheimnisvoll nebliges Licht getauchten Paris kommt es zur Kollision zwischen Mensch und Ratte. Diese bringt neben Remys akrobatischen Stunteinlagen das vielleicht ungewöhnlichste Buddy-Gespann dieses Kinojahres hervor. Die zunächst reichlich chaotische Interaktion zwischen dem putzigen Fellträger und dem von ihm angeleiteten Küchenjungen Linguini, der dank Remys Kochkünste zum neuen Star der Pariser Restaurantszene avanciert, gehört zu den komödiantischen Highlights einer wahrlich an Pointen nicht armen Geschichte. Dabei gelingt es Pixars Animateuren, den anarchischen Slapstick-Charakter der Stummfilm-Ära erstmals wirklich überzeugend in einen modernen Trickfilm einzubauen.

Pixar ist jedoch mehr als nur ein terabyte-schwerer, Daten verarbeitender Koloss. Das Herzstück jeder Produktion dieser Firma – so auch dieser – sind die Charaktere. So muss sich Remy mit Problemen herumschlagen, die typisch für die Phase des Erwachsenwerdens sind und die deshalb vielen bekannt vorkommen dürften. Es ist der Stoff einer klassischen Coming-of-Age-Geschichte, den Ratatouille hinter seiner schicken CGI-Fassade zu erzählen hat. Mit schelmischem Witz und satirischen Untertönen erschufen Brad Bird und sein Team ein für alle Altersklassen unterhaltsames Plädoyer für die mit einem französischen Touch vorgetragene Version des American Dream.

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Kommentare


Kratos

Der Film wahr... ich möchte beinahe sagen eine Offenbahrung. Es war für mich ein Genuss mt anzusehen wie Remy die Zutataen in den Kochtopf warf. Derselbe Genuss mit dem die Hauptfigur kochte könnte man sagen. Ich glaube dieser Film gibt dem Image der Ratte nun endlich das Aussehen welches sie meiner Meinung nach schon immer verdient haben. Nämlich das von liebenswerten und unheimlich tollen Nagern. Leider hat mich der Schluss des Filmes ein wenig enttäucht, da ich der Meinung bin dass die Schlüsselaussage nicht wirklich zu einem Happy End finden konnte. Denn auch wenn Remy sich doch eindeutig bewähren konnte so blieb dem Rest der Pariser Gastronomie doch der Grundwert verborgen. Welcher da wäre: "Jeder kann kochen. Nicht jeder is zum Meisterkoch geboren, doch Meisterköche werden überall geboren." Trotzdem weis der Film zu überzeugen. Vor allem das Minenspiel der einzelnen Protagonisten fand ich recht stimmig. Die Gags waren meißt sehr unterhaltsam, und in traurigen Momenten fühlte ich mit Remy. Fatzit: Ein Film der in keiner DVD Sammlung fehlen sollte. (Sobald er denn als DVD zu haben ist.)


Medved

Der Animation ist einfach zum runterschlucken. Wieder eine gelungene Vorstellung von Pixar






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