Rare Exports

Klar, Weihnachten ist ein durch und durch kommerzialisiertes Fest. Aber vielleicht auf andere Art und Weise, als Sie denken, wie dieser erfrischende, ganz und gar nicht familienfreundliche Debütfilm aus Finnland zeigt.

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Rare Exports beantwortet eine der wichtigsten Fragen, die ein Mensch sich im Laufe des Lebens stellen kann: Wie kann der Weihnachtsmann an so vielen Orten gleichzeitig sein? Der Film räumt zudem mit dem Erwachsenenglauben auf, es gebe den weißbärtigen Kerl gar nicht. Und er klärt ein für allemal, wo Finnlands wirtschaftliche Zukunft liegt – jedenfalls nicht in dem ins Hintertreffen geratenen Handy-Konzern Nokia. Die Pointe des Films ist – wie zuvor schon die ganze Geschichte – alles andere als besinnlich, bringt aber endlich wieder etwas Originelles in das Weihnachtsfilmgenre.

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Erst einmal sieht in Rare Exports nichts nach dem Fest der Liebe aus. Abgesehen vom Schnee vielleicht. Die Männer, und auch die Kinder, laufen meist mit einem Gewehr über der Schulter herum (wegen der Rentierjagd), die allgemeine Stimmung ist eher grimmig, und der verwitwete Vater des kleinen Pietari (Onni Tommila) meint es zwar gut, ist aber so brüsk, wie Männer in dieser Gegend es halt sind. Dass er außerdem noch das Fleischerhandwerk ausübt und gemeine Tierfallen stellt (ein über einer Grube hängender Schweinekopf, darunter gespitzte Holzpfähle!), macht die Sache aus Zuschauerperspektive nicht besser. Nebenan, auf einem Berg, hat eine amerikanische Firma mit Sprengungen begonnen, um das dort vermutete Grab des Weihnachtsmanns freizulegen. Als seltsame Dinge geschehen, findet Pietari bei der Lektüre in alten Büchern heraus, dass der echte Weihnachtsmann – anders als von der Coca-Cola-Werbung stets behauptet – ein kindermordendes Monstrum ist.

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Rare Exports ist Regisseur Jalmari Helanders erster abendfüllender Spielfilm und gleichzeitig ein Spin-off seines Kurzfilms Rare Exports Inc. von 2003, mit dem der Finne erstmals international auf sich aufmerksam machte. Helander verbindet mit großem Geschick Elemente des Abenteuer- und des Gruselfilms. Mit dramatischer Musik, Actionsequenzen, bedeutungsvollen Blicken und Spannung erzeugenden Parallelmontagen beutet er kaltblütig das Arsenal amerikanischer Standardware aus. Eine Szene lässt sogar an das Splatter-Genre denken. Helander schreckt auch vor aufwändiger Tricktechnik nicht zurück, die allerdings optisch (absichtlich?) nicht sehr überzeugend ist. Außerdem gibt es noch 198 nackte, alte Männer. Und ja, das ist alles in der Tat genauso verrückt, wie es sich anhört.

Eine Folge davon ist die wohl strengste FSK-Freigabe, die es jemals für einen Weihnachtsfilm gab: ab 16. Jüngeren Kindern ist die Wahrheit aber wohl tatsächlich nicht zuzumuten: dass es den Weihnachtsmann zwar wirklich gibt, er aber ein domestiziertes, ausgebeutetes, in Holzkisten verpacktes Exportobjekt eines seltsamen nordeuropäischen Landes voller grimmiger Männer ist.

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Kommentare


Sebastian

Am Ende ist der Film unfreiwillig menschenverachtend und auch schon, wenn
der alte Mann von den anderen verprügelt wird.

Leider wird der Film zum Ende hin auch zu plakativ, zu amerikanisch. Die Figur des kleinen Jungen gleitet aus seiner Rolle und wandelt sich zu Gunsten der veränderten Erzählstrucktur.

...eher ein fragwürdiger Film, der anfangs mehr verspricht.






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