Rain the Color of Blue with a Little Red in It

Das Purple Rain-Remake aus dem Niger bleibt dem Kalkül des Originals treu: Christopher Kirkley dreht einen Vehikelfilm für den Tuaregstar Mdou Moctar mit mitreißendem Sound.

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Als Albert Magnolis Purple Rain im Juli 1984 in den US-Kinos anlief, entwickelte er sich schnell zu einem Riesenhit. Das Prince-Vehikel steigerte die internationale Bekanntheit des Musikers deutlich, und die Einnahmen beliefen sich auf etwa das Zehnfache des Produktionsbudgets. Prince spielt in Magnolis Film den egozentrischen Musiker Kid, Frontman der Band „The Revolution“. Die Selbstverliebtheit von Kid stellt die weiblichen Mitglieder der Band und vor allem seine Freundin Apollonia zunehmend auf die Probe. Als Kids Konkurrent Morris Day den Musikerinnen die Gründung einer eigenen Gruppe anbietet, scheint die Band vor dem Scheitern zu stehen. Die Rettung bringt eine gründliche Selbstkritik Kids und ein Auftritt mit dem Titelsong.

Kein Wort für Lila auf Tamascheq

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Die Kombination aus der Stilikone Prince, dessen Musik und dem pathetischen Nebelwabern des Films machten Purple Rain zu einem der Musikerfilme schlechthin. Dem US-Musikproduzenten Christopher Kirkley (Sahel Sounds) war das Grund genug, um den Tuaregstar Mdou Moctar herum eine freie Adaption des Klassikers zu bauen, die 2015 erschien. Moctars Musik verbreitete sich in Westafrika zunächst über weitergegebene Speicherkarten und Handys. International wurde er in interessierten Kreisen bekannt, als Kirkleys Label Lieder von ihm auf dem Sampler „Music from Saharan Cellphones: Volume 1“ aufnahm.

Mit einer Crowdfunding-Kampagne trieb Kirkley 18.000 US-Dollar für sein Filmprojekt auf. Das Ergebnis heißt Akounak Tedalat Taha Tazoughai (Rain the Color of Blue with a Little Red in It). Die umständliche Umschreibung für „Purple Rain“ erklärt sich daraus, dass Kirkleys Film der erste ist, der komplett auf Tamascheq gedreht ist – und die Sprache der Tuareg kennt kein Wort für Lila.

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Mdou Moctar spielt sich selbst, und der Film nimmt deutliche Anleihen bei seiner Biografie: Moctar ist auf einem lilafarbenen Motorrad, die Gitarre auf dem Rücken, frisch in der Stadt Agadez im Niger angekommen und auf der Suche nach einer Band. Zugleich muss er seine Musik gegen den Vater verteidigen. Kurz nach seinem ersten Auftritt auf einer Hochzeit lernt Mdou die von seiner Musik restlos begeisterte Rhaicha kennen, und die beiden werden ein Paar. Auch die Band ist bald gefunden, und nach einem Aufruf zu einem Bandcontest meldet sich prompt die Konkurrenz in Form des Sängers Kader. Der setzt auf fiese Tricks und besorgt sich eine Aufnahme des Lieds, mit dem Moctar beim Contest antreten will. Als Kader diesen Song bei einem Bandpicknick spielt und Rhaicha dazu klatscht, lässt Moctar seine Freundin sitzen und fährt auf seinem Motorrad davon. Beim eigentlichen Auftritt spielt Moctar dann einen anderen Song, und Rhaicha verzeiht ihm und kommt zum Konzert.

Farblich sorgfältig konstruierte Alltagsszenen

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Mit dem Konkurrenzkampf zwischen Musikern übernimmt Kirkley die Grundstruktur von Purple Rain, verzichtet aber auf jede Binnendramaturgie: Die Konflikte Mdou Moctars mit Freundin und Familie lösen sich sämtlich dadurch, dass diese nachgeben (man hofft, der reale Mdou Moctar möge über mehr soziale Kompetenz verfügen). Mit Blick auf die Vorlage ist diese Entscheidung eigentlich ein Verzicht aufs Ganze. Kids chauvinistische Selbstbezüglichkeit war in Purple Rain der Ausgangspunkt der Handlung, in Akounak hingegen werden die Konflikte an den Protagonisten herangetragen und lösen sich dann ohne dessen Zutun. Neben den dramaturgischen Schwächen fallen vor allem die Tonschwächen in den Dialogpassagen auf, die jedoch mit Blick auf das minimale Budget des Films ebenso erklärlich wie verzeihlich sind.

Jenseits des Vergleichs mit der Vorlage hat Kirkley jedoch einen durchaus interessanten Film mit der und über die Musikszene Agadez’ gedreht. In den farblich sorgfältig konstruierten Alltagsszenen aus den Straßen von Agadez und den Auftritten findet der Film erfreulich zu sich selbst, ein Vehikelfilm über einen Tuaregstar mit einem mitreißenden Sound, der eine Mischung aus rockigen Elementen, einem sehr eigenen Gitarrenstil und Tuaregmusik spielt. Am treuesten bleibt Kirkley dem Kalkül von Purple Rain: Albert Magnoli führte bei dem Film nicht nur Regie, sondern war zeitweilig auch der Manager von Prince. Kirkley ist zwar nicht Moctars Manager, aber dass ein Purple Rain-Remake deutlich mehr Aufmerksamkeit erzeugt als beispielsweise ein Dokumentarfilm über den Sänger, dürfte ihm kein fremder Gedanke gewesen sein. Akounak macht immerhin viel Lust, sich die Alben Moctars einmal näher anzusehen. Mit Purple Rain hat Akounak also eigentlich nur die Farbe gemein, in der Mdou Moctars Motorrad lackiert ist.

Hier kann man eine DVD des Films erwerben.

Am 20. Mai stellt Christopher Kirkley seinen Film um 20:30h im Rahmen der Pluriversale IV im Kölner Filmhauskino (Maybachstraße 111, 50670 Köln) vor. Anschließend legt Kirkley im King Georg auf.

Trailer zu „Rain the Color of Blue with a Little Red in It“


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