Radio Rock Revolution
Wir haben den Piratensender Powerplay, die Briten Radio Rock.
Carl (Tom Sturridge) wird von seiner Mutter (Emma Thompson) auf ein Boot in der Nordsee geschickt, um ihm spätpubertäre Flausen auszutreiben. So weit, so nachvollziehbar. Nur, dass der Kapitän, sein Patenonkel Quentin (Bill Nighy), hier den berühmtesten Piratensender des Königreichs betreibt. Ein Dutzend Crewmitglieder um eine handvoll DJs gibt sich leidenschaftlich dem Vinyl und der Provokation hin. Nicht nur die von ihnen aufgelegten Songs handeln von freier Liebe, auch die Radiostars selbst fiebern vor allem den Fanbesuchen entgegen. Dabei geht es alles andere als kollegial zu. Was wieder mit den Songs korrespondiert – wissen sie doch meistens von Herzschmerz zu berichten.
Nach den ersten Szenen fragt man sich, wie dieser Film mit bescheidener Überlänge fast ausschließlich vom Bord eines Piratensenders unterhalten möchte. Eine knappe halbe Stunde später scheint zweierlei Erkenntnis gesichert. Zum einen: Er will gar nicht unterhalten. Zumindest nicht im Sinne bekannter Genremuster des Komödienfaches. Und man glaubt, er könne es auch nicht.
Radio Rock Revolution (The Boat That Rocked) funktioniert nicht als stringentes Gagfeuerwerk und wird auch Freunde des zotigen amerikanischen Humors der vergangenen Jahre enttäuschen. Vielmehr ist der Film als Klangteppich zu verstehen, mit einem Soundtrack, der in seiner Voluminösität auch von Cameron Crowe stammen könnte. Die Szenen sind Illustrationen der jeweiligen Songs, und selten wurde dabei „Eleonore“ so wunderbar interpretiert. Auch Leonard Cohen trägt zum zwischenzeitig schmerzhaften aber nie schwermütigen Ton bei.
Richard Curtis' zweite Regiearbeit hält so manch herausragendes Kinomoment parat, vorgetragen von einem perfekt zusammengestellten Cast, in dem sich Stars mühelos eingliedern und „No-Names“ zu Stars avancieren.
Tom Sturridge vereint Qualitäten britischer und südländischer Idole, wirkt, als spiele er schon seit Jahrzehnten den Leading Man und überzeugt mit charismatischer Leinwandpräsenz. Ähnlich verhält es sich bei Tom Wisdom, der schweigend einen wunderbaren Jim-Morrison-Ableger gibt, Tom Brooke und Will Adamsdale. Ein eindrückliches Duell liefern sich Philip Seymour Hoffman, der hier Erinnerungen an seine Rolle in Cameron Crowes Almost Famous (2000) weckt, und Rhys Ifans. Heimlicher Star ist Simon Peggs kongenialer Kumpel Nick Frost und als gute Seele des harmonischen Casts begeistert der wandlungsfähige Bill Nighy.
Wer abgesehen von hervorragend aufspielenden Akteuren für zwei ungewöhnliche Feel-Good-Movie-Kinostunden zu gewinnen ist, dem sei Radio Rock Revolution empfohlen.
Filmkritik von Sascha Keilholz
Veröffentlicht am 19.04.2009
Kommentare zu Radio Rock Revolution
claus 23.04.2009 03:11
Basiert der Film auf realen Personen, wenn ja auf WELCHEN?
Eine Reihe von ehem. Piraten DJs (u.a. Kenny Everett) sind später höchst erfolgreich zur alterwürdigen Tante BBC (Radio & TV!) gewechselt .....
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Film-Angaben
Titel: Radio Rock Revolution
Originaltitel: The Boat That Rocked
Großbritannien 2009
Laufzeit: 135 Minuten
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Regie: Richard Curtis
Drehbuch: Richard Curtis
Produktion: Hilary Bevan Jones, Richard Curtis, Eric Fellner
Bildgestaltung: Danny Cohen
Montage: Emma E. Hickox
Darsteller: Tom Sturridge, Philip Seymour Hoffman, Bill Nighy, Rhys Ifans, Nick Frost, Talulah Riley, Kenneth Branagh, Jack Davenport, Ralph Brown, Chris O’Dowd, Tom Wisdom, Tom Brooke, January Jones, Gemma Arterton, Emma Thompson, Will Adamsdale
Kinostart: 16.04.2009
DVD-Angaben
Titel: Radio Rock Revolution
Vertrieb: Universal Pictures
Bild: 2,35:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1), Russisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Ungarisch, Rumänisch, Bulgarisch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 129 Minuten
Extras: Unveröffentlichte Szenen & Intros mit dem Regisseur Richard Curtis; Filmkommentare von Regisseur Richard Curtis, Produzent Hilary Bevan Jones, Schauspieler Nick Frost und Chris O’Dowd
Verleih ab: 27.08.2009
Verkauf ab: 27.08.2009
Copyright Radio Rock Revolution
Fotos: © Universal
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