Adrenaline Rush – Kritik

Verloren in der Hysterie.

Adrenaline Rush 01

Fristen sind im Genrekino unerlässlich, um Spannung aufzubauen. So muss der Held in der Regel nicht nur eine Aufgabe meistern, er muss es auch in einem zeitlich engen Rahmen schaffen. Ähnlich wie bei Jan de Bonts hitziger Bustour in Speed (1994) ist auch im südkoreanischen Actionreißer Adrenaline Rush (Kwik) ein ständiger Bewegungsdrang vom Plot vorgegeben. Eine Frist reicht dem Film dabei nicht. Immer wieder werden Motorradkurier Gi-soo (Lee Min-ki) und seine zum Popstar aufgestiegene Ex-Freundin Ah-rom (Kang Ye-won) von einem geheimnisvollen Fremden genötigt, innerhalb von dreißig Minuten Bomben in Seoul auszuliefern. Sollte ihnen das nicht gelingen, explodiert der Helm auf Ah-roms Kopf.

Adrenaline Rush 02

Eigentlich hat Adrenaline Rush alle Voraussetzungen für einen gelungenen Actionfilm. Die Geschwindigkeit bleibt oberstes Gebot, und wenn es mal kein Motorrad mehr gibt, geht es eben mit dem Zug weiter. Abgesehen davon weiß Regisseur Cho Beom-gu allerdings reichlich wenig mit der Grundidee anzufangen. Ohne kohärent erzählen zu wollen, verwurschtelt er einfach alles miteinander, was sich irgendwie gut vermarkten lässt. Koreanischer Bubblegum-Pop trifft auf bildhübsche Hauptdarsteller trifft auf finster dreinschauende Yakuzas trifft auf konfusen Nebenerzählstrang über Verschwörungen in der Finanzwelt. Selbst die Erfüllung der Fristen interessiert bei diesem Durcheinander nur unwesentlich. Wer Blockbuster gerne als seelenloses und hohles Spektakel schlechtmacht, hat hier ein schlagkräftiges Argument gefunden.

Wobei auch Adrenaline Rush nicht frei von stilistischen Eigenheiten ist. Das Erzählen in Superlativen zieht sich etwa durch den gesamten Film. So wie es sich bei den Figuren, allen voran den beiden einfältigen Protagonisten, um reine Karikaturen handelt, besteht auch ihre Gefühlswelt nur aus Extremen. Nachdem sie sich zunächst mit körperfixierter Komik durch den Plot klamauken, ergehen sie sich zum Abschluss noch in melodramatischen Gesichtsverzerrungen. Der Film kann alles, nur nicht leise.

Adrenaline Rush 05

Mit dem Drang, ständig an die Grenzen gehen zu wollen, bekommt das zumindest theoretisch einen gewissen größenwahnsinnigen Charme. Zwischen Zeitlupe und Zeitraffer eröffnet sich eine Welt voller Explosionen, Stunts und großer Gefühle. In der Praxis kann das allerdings schnell zur Geduldsprobe werden. Vollgepackt mit künstlichen Beschleunigern, peitscht sich der Film zu einem hysterischen Dauerzustand auf. Ob es nun der ständig pumpende Soundtrack mit seinen lateinamerikanischen Einflüssen ist oder die Taktik, zwischen verschiedenen Einstellungen möglichst schnell und gedankenlos hin- und herzuschneiden, um dem Ganzen Drive zu verleihen, Adrenaline Rush zehrt mit allen Mitteln an den Nerven seines Publikums.

Trailer zu „Adrenaline Rush“


Trailer ansehen (1)

Neue Trailer

alle neuen Trailer

Neue Kritiken

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.