Prometheus - Dunkle Zeichen

Von der Zukunft zu den Anfängen der Menschheit. Ridley Scott schreibt die Evolution um. 

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Schöpfungsgeschichten, die sich der Herkunft des Menschen widmen, gibt es viele. Ob mit dem biblischen Paar Adam und Eva oder Platons Kugelmenschen, wir wollen uns einfach nicht damit abfinden, aus dem Nichts, ohne Zweck und Intention entstanden zu sein. Der amerikanische Regisseur Ridley Scott ergänzt die Vielzahl an Schöpfungsmythen in seinem neuen Film Prometheus – Dunkle Zeichen (Prometheus) um eine weitere Theorie – eine Science-Fiction-Spinnerei, erzählt aus der nahen Zukunft. Hier finden Archäologen heraus, dass unsere Existenz auf sogenannte Engineers, also Bauleiter zurückgeht, die den Menschen in einer fernen Galaxie entworfen haben.

Im Jahr 2093 ist das Raumschiff Prometheus – nach noch so einem Schöpfer der Menschheit benannt – mit einem Forscherteam unterwegs zu einem entfernten Planeten, um diesem Rätsel nachzugehen. Nachdem sich die Wissenschaftler durch die giftige Atmosphäre gekämpft haben, finden sie sich in einer retrofuturistischen Höhlenwelt wieder, die scheinbar all ihre Fragen beantwortet. Allein das Set-Design an diesem Schauplatz ist schwer beeindruckend: Archaisch wirkende Monumente, Oktopus-ähnliche Wesen und eine schwarze, blubbernde Flüssigkeit sind hier die großen Mysterien. Dass der Film in 3D gedreht wurde, bemerkt man dabei kaum. Dafür zeichnet sich schnell ab, dass den Forschern ihr Wissensdrang zum Verhängnis werden wird.

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Die Erschaffung von Leben ist nicht nur der Aufhänger für eine Expedition ins Unbekannte, sie zieht sich auch als Motiv durch den gesamten Film. Überall wimmelt es vor Erzeugern und ihren sehr unterschiedlichen Schöpfungen. Da wäre etwa die Forscherin Elisabeth (Noomi Rapace), die den Verlust ihres Vaters mit einem eigenen Kind kompensieren möchte, aber unfruchtbar ist. Zumindest so lange, bis sie der verseuchte Lebensgefährte Charlie (Logan Marshall-Green) mit dem Samen des Bösen infiziert. Kurz zuvor führt Charlie noch ein bezeichnendes Gespräch mit dem Androiden David (Michael Fassbender), einem geschickten Intriganten, der sein äußeres Erscheinungsbild an Peter O’Toole in Lawrence von Arabien (Lawrence of Arabia, 1962) abstimmt. Auf die Frage seines Gegenübers, ob es nicht frustrierend sei, nur als Experiment seiner Erzeuger zu existieren, kontert der Android mit derselben Frage. In Prometheus gibt es abgesehen von Aliens eigentlich kein natürliches Leben, und der Schöpfungsprozess wird zur Machtdemonstration. Somit bleibt auch das Warum am Ende des Films unbeantwortet.

Eigentlich sollte Prometheus ein Prequel zu der von Scott zum Leben erweckten Alien-Reihe (1979-97) werden. Hier und da finden sich noch einige Überbleibsel. Etwa das berühmte, vom Schweizer Maler H.R. Giger entworfene Weltraummonster, das am Ende wie ein Schachtelteufel aus einem Kadaver springt. Die deutlichste Parallele ist jedoch, dass der Film von einer Frau getragen wird. Erst mit fortschreitender Handlung kristallisiert sich heraus, dass Elisabeth die eigentliche Heldin des Films ist und dem Geist der durch Sigourney Weaver verkörperten Ellen Ripley als Kämpferin und Mutter neues Leben einhaucht. Obwohl sie ihre Verletzlichkeit deutlich nach außen trägt – nicht zuletzt durch das Kreuz um ihren Hals –, ist sie dabei stets bigger than life.

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Daran bleibt spätestens dann kein Zweifel mehr, wenn die mit einem Alien-Embryo schwangere Elisabeth in einer großartig wilden Szene eine Abtreibung an sich selbst durchführt, sich den aufgeschnittenen Bauch von einer Maschine mit Büroklammern zutackern lässt und sich gleich darauf ins nächste Gefecht stürzt. Eine Szene, die demonstriert, was an Genrekino so toll sein kann: dass die Entfaltungsmöglichkeiten der Figuren nicht von den Grenzen der Wahrscheinlichkeit gebremst werden.

Scott lässt die Alien-Mythologie letztlich hinter sich und schafft einen Film, der eigenständig und sehr viel heterogener erzählt ist. Die thematischen Ausflüge bis zum menschlichen Wunsch nach ewigem Leben und der Einsatz technischer Gimmicks wie schwebende Suchmelder und flackernde Vintage-Hologramme, mit denen die Vergangenheit rekonstruiert wird, bieten dem Zuschauer viel an, ohne dass alles davon nötig gewesen wäre. Zum Beispiel die übermächtige Vaterfigur des Unternehmensgründers Peter Weyland. Der passt zwar mit seinem Cyber-Sohn David thematisch durchaus in den Film, scheint aber nur als etwas billige Attraktion zu dienen, die beweisen soll, wie überzeugend man den Schauspieler Guy Pearce in einen Greisen verwandeln kann.

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Die vielen kleinen Unebenheiten dieser Art verleihen Prometheus etwas Rohes, was nicht nur von Nachteil ist. Die streckenweise etwas wirre Handlung lässt für einen Film dieser Größenordnung beispielsweise erstaunlich viele Fragen offen. So begrüßenswert diese in Hollywood eher selten gesehene Verweigerung gegenüber konkreten Antworten ist, mag sich dahinter aber auch ein gewisses Marketingkalkül verbergen. Dass der Film letztlich nicht ganz aufgeht, dürfte somit auch weniger ein Statement für ein offenes Ende sein als ein Hintertürchen, das sich Scott, falls Prometheus ein kommerzieller Erfolg werden sollte, für eine Fortsetzung offenhält.

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Kommentare


Nurben

Nicht ganz uninteressant, dass du gerade die "Entbindungs"-Szene als positiv UND als Beispiel für grenzenlose Charakterentwicklung hervorhebst.
Ohne Frage war die Sequenz sehr intensiv, wirkte auf mich aber auch so, als wäre sie primär drin, um kontrovers zu sein und damit für Gesprächsstoff zu sorgen. Das sah für mich weniger nach Ridley Scott und mehr nach französischen Genrekino á la Martyrs aus.
Besonders die Charaktere sind mir aber eher negativ aufgefallen (siehe meine Kritik) - für mich war's im Großen und Ganzen durchaus kein schlechter Film, aber doch eine relative Enttäuschung. Schade, dass man sich in Sachen Story nicht ein paar Schritte weiter ins Unbekannte getraut hat.


Florus

Fand den Film am Anfang eigentlich ziemlich geil und war der Meinung, dass der richtig gut werden könnte im Verlauf. Aber irgendwie gab es dann ab der Mitte des Films nen Punkt, wo die Handlung ziemlich abfällt und der Film dann auf einmal abrupt endet. Hätte es eigentlich auch spannend gefunden, wenn die "Konstrukteure" noch ein wenig mit den Menschen kommuniziert hätten. Aber der eine ging ja dann gleich aggressiv auf alle los. Wieso auch immer.. Aber najo man kann ihn sich schonmal ansehen, aber war jetzt kein Wahnsinnsfilm.






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