Prom Night
Teenie-Horror aus der Retorte: Nelson McCormicks Prom Night basiert lose auf einem Slasherfilm mit Jamie Lee Curtis aus dem Jahr 1980.
Paarweise und fein säuberlich getrennt nach Hautfarbe und Subkultur machen sich die Schüler der örtlichen High School in Stretch-Limousinen und teuren Sportwagen auf, ihren Abschlussball, die „Prom Night“, zu feiern. Gesprächsthemen sind College-Zukunft und Prom-Queen-Wahl. Der DJ legt tanzbaren Hip-Hop auf. Die Lehrerin beschlagnahmt eine Whiskyflasche. Alkohol muss draußen bleiben. In Prom Night geht es gesittet zu.
Mit von der Partie ist dafür ein psychotischer Killer, der es aufgrund nicht genauer ausgeführter Ereignisse in der Vergangenheit insbesondere auf Donna Keppel (Brittany Snow) abgesehen hat. Die Motivation des Bösewichts bleibt weitgehend im Dunkeln wie überhaupt alles, was die Figuren mit wenigstens einem kleinen Abglanz echten Lebens erfüllen könnte. Prom Night reduziert den Teenie-Slasher auf ein stromlinienförmiges Nichts und entzieht ihm sogar die beiden Elemente, die ihm von konservativer Kulturkritik als einziger Inhalt unterstellt werden: Sex und Gewalt. Um dem Film in Amerika eine Freigabe ab 13 Jahren zu sichern, sind die Teenies keusch und das Blut fließt ausschließlich offscreen. Selbst nachdem der Killer seine Arbeit vollbracht hat, ist auf den Kleidchen der Opfer nicht mehr zu sehen als winzige rote Farbflecken.
Was bleibt, ist das vielfach erprobte Reiz-Reaktions-Schema des Horrorfilms: Schnelle Bewegungen aus der Dunkelheit, plötzlich auftauchende Gesichter im Spiegel, das Klirren der Kleiderbügel im Schrank, das Knarren des Fußbodens. Dass selbst das anvisierte Zielpublikum so etwas schon hundertmal gesehen hat, ist nicht schlimm, schließlich zielen diese Techniken zuerst auf physiologische Prozesse, die sich schwer außer Kraft setzen lassen.
Der fernseherfahrene Regisseur Nelson McCormick weiß, welche Knöpfe zu drücken sind, und sein Film spielte in den USA bei einem Budget von 18 Millionen Dollar bereits über 40 Millionen ein. An seinen eigenen Ansprüchen gemessen, ist Prom Night ein voller Erfolg und wird dafür sorgen, dass auch weiterhin zahllose ähnliche Projekte grünes Licht von den Studios erhalten. Der Slasherfilm, einst der dreckige, ungeliebte Stiefbruder respektablerer Genres, hat sein subversives Potenzial im Lauf der Jahre vollständig eingebüßt, die postmodern-ironische Wendung der Scream-Filme und ihrer Nachfolger gesund überstanden und ist im neuen Jahrtausend eine der sichersten Geldanlagen für potenzielle Investoren.
Wehmütig stimmt der Blick in die Vergangenheit. Prom Night orientiert sich am gleichnamigen Horrorfilm, der 1980 im Fahrwasser von Halloween (1978) und Carrie (1976) entstanden ist. In Paul Lynchs reichlich trashigem Streifen, der selbst beileibe kein Glanzstück des Genres darstellt, jagte der Killer Jamie Lee Curtis, deren Freundinnen rauchten Gras in Disco-Vans, hatten Geschlechtsverkehr, und zum Finale flog ein abgehackter Kopf über die Tanzfläche.
Doch die Unterschiede zwischen beiden Filmen beschränken sich beileibe nicht nur auf Sex und Blut. Während der Prom 1980 in einer besseren Turnhalle zwischen lustig glitzerndem Pappschmuck stattfand, wird 2008 in der barocken Eingangshalle des Pacific Grand Hotel gefeiert. Und das sozial ausdifferenzierte Kleinstadtpanorama der frühen achtziger Jahre – inklusive goldbekettetem Roadie, gutherzigem Hippie-Mädchen und Leslie Nielsen als trotteligem Direktor – hat sich in eine Ansammlung aalglatter, unpersönlicher Upper-Class-Jeanswerbung-Gesichter aus der O.C., California (The O.C., 2003-2007)-Liga verwandelt. Individualität beschränkt sich auf Dekoration: Frisur und Kleidung, der Rest der Persönlichkeit passt sich in die Hochglanzregie ein.
Das alles verweist darauf, dass sich in den letzten 28 Jahren nicht nur die amerikanischen High Schools verändert haben, sondern auch die Filme. Nicht länger scheint es einem Streifen wie Prom Night möglich, auch nur irgendeinen direkten Zugriff auf die soziale Realität zu leisten, der mehr wäre als nur die Kopie einer MTV-Reality-Show mit passender Musikuntermalung und gefälligen Kamerafahrten. Dass Prom Night außerdem kein guter Horrorfilm ist, sollte keiner weiteren Erwähnung bedürfen.
Filmkritik von Lukas Foerster
Veröffentlicht am 12.05.2008
Kommentare zu Prom Night
Bruce Lee 29.09.2009 21:46
Die schlechte Kritik hier vom Kritiker kann ich nicht verstehen. Der Film gleicht gar nicht O C california. Was für ein vergleich. Der Film hat eine gute story und ein gutes Ende. Spannend ist er auch. Er gleicht eher Scream oder ich weiss was du letzten Sommer getan hast. Und nicht OC Calofornia so ein Blödsinn. Wer einfach auf teenie Splatter Filme im Scream Style steht ist hier richtig. ich kann den Film empfehlens ich mal anzusschauen.
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Film-Angaben
Titel: Prom Night
USA, Kanada 2008
Laufzeit: 87 Minuten
Regie: Nelson McCormick
Drehbuch: J.S. Cardone
Produktion: Neal H. Moritz, Toby Jaffe
Bildgestaltung: Checco Varese
Montage: Jason Ballantine
Musik: Paul Haslinger
Darsteller: Brittany Snow, Scott Porter, Jessica Stroup, Dana Davis, Collins Pennie, Johnathon Schaech, Idris Elba
Kinostart: 05.06.2008
Copyright Prom Night
Fotos: © Sony Pictures
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