Prince of Persia: Der Sand der Zeit

Oberflächenglanz auf morschem Untergrund; in der neuen Bruckheimer-Produktion wird viel gehüpft und viel gesprungen.

Prince of Persia

Jump 'n' Run heißt das Videospiel-Genre, dem Prince of Persia zugerechnet wird. In Jump 'n' Run-Spielen macht man genau das: Springen und Rennen, viel mehr meistens nicht. Die letzte große Zeit des Jump 'n' Run waren die frühen Neunziger, mit dem klassischen Gameboy und dem neuen Spielkonsolen-Boom. Inzwischen ist das Genre ein wenig aus der Mode gekommen. Trotzdem wurde es jetzt dazu auserkoren, die immer noch meist übel beleumundete Gattung der Videospielverfilmungen blockbustertauglich zu machen, vielleicht, weil es eine natürliche Affinität des Genres zum Actionfilm gibt. Und der Filmversion Prince of Persia: The Sands of Time kann man zumindest nicht den Vorwurf mangelnder Vorlagentreue machen: Auch hier wird gesprungen und gerannt, was das Zeug hält. Und auch hier passiert darüber hinaus nicht allzu viel.

Prince of Persia

Dastan (Jake Gyllenhaal) ist ein Findelkind mit Ambitionen auf den persischen Thron. Sein Vater, King Sharaman, adoptierte ihn als kleinen Jungen. Jetzt ist er mindestens so tapfer und klopft mindestens so dumme Sprüche wie seine beiden Brüder. Eifersüchteleien sind vorprogrammiert, erst recht, weil auch noch eine Prinzessin namens Tamina (Gemma Arterton) im Spiel ist. Und so springen und rennen jede Menge blauäugige Hollywood-Orientale in der Tradition Errol Flynns und Douglas Fairbanks knappe zwei Stunden in einem langweilig designten Fantasiepersien herum, auf der Suche nach einem Zauberdolch.

Prince of Persia

Produziert hat Hollywood- und Fernsehmogul Jerry Bruckheimer in Kooperation mit Disney. Regie führt der Routinier Mike Newell, der einst braves, aber solides Arthauskino drehte (Vier Hochzeiten und ein Todesfall / Four Weddings and a Funeral, 1994) und der sich vor einigen Jahren mit einer Harry-Potter-Fortsetzung für weiteren hochbüdgetierten Fantasy-Unsinn beworben hatte. Wie bei dieser personellen und institutionellen Kombination nicht anders zu erwarten, sieht die Oberfläche von Prince of Persia: The Sands of Time so glatt aus, dass man sich in ihr zu spiegeln können glaubt. Aber schon knapp unter der Oberfläche ist einiges Morsch, durchaus auch in handwerklicher Hinsicht.

Die chaotischen Actionszenen sind so austauschbar wie die Schauplätze, die Liebesgeschichte bleibt inkonsequent, erst recht natürlich die geopolitische Allegorie, die wieder einmal auf die nicht vorhandenen Massenvernichtungswaffen im Irak hinaus läuft - die konservative Tea-Party-Fraktion bekommt dafür später einen sympathischen Steuerflüchtling als Identifikationsfigur. Selbst der zunächst radikal anmutende finale Plottwist, der auf einen Schlag 90% des Films virtuell (oder: noch virtueller) werden lässt, wäre nur dann clever, wenn der Film ihn vernünftig zu Ende denken würde. Aber Prince of Persia: The Sands of Time weiß nicht einmal, wie er mit seinem zentralen Effektshot, der es dem Prinzen erlaubt, die Zeit zurück zu drehen, verfahren soll. Reichlich unkoordiniert, oder zumindest mit zu heißer Nadel gestrickt, sieht so manches aus, was Newell anstellt.

Prince of Persia

Man muss sich, zumindest wenn man nicht zur vermutlichen Zielgruppe der Acht- bis Zwölfjährigen gehört, an Kleinigkeiten erfreuen. Es gibt da zum Beispiel eine schöne kurze Szene mit einem Straussenvogel, der belämmert in die Kamera blickt. Und manchmal findet der Film vereinzelte Großaufnahmen, die die sterile, ewig golden glänzende Farbskala aufbrechen. Wirklich atemberaubende Effekte sucht man lange vergebens, aber ganz am Ende kommen sie doch, wenigstens für ein paar Minuten. Effekte, die diese jedem Wirklichkeitseffekt beraubte artifizielle Oberflächenwelt wieder in die Pixel zerfallen lässt, aus denen sie so eindeutig zusammengesetzt ist - obwohl Prince of Persia - The Sands of Time überraschenderweise noch auf 35mm-Material gedreht und erst in der post production gründlich digital nachpoliert wurde. Jedes Sandkorn ein Pixel und plötzlich bricht die virtuelle Substanz den Figuren buchstäblich unter den Füßen weg. Direkt auf die entfesselten Kräfte des Digitalen folgt der erste Kuss des zentralen Paares. Für einmal zeigt der Film, wie es gehen könnte: wildromantische Pixelstürme, libidinöse digitale Dekonstruktion. Dieser eine große Moment zeigt nur noch deutlicher, wie müde und im schlechten Sinne routiniert der Rest des Films geraten ist. Exotistischer Hollywood-Eskapismus hat sich schon deutlich inspirierter angefühlt.

Trailer zu „Prince of Persia: Der Sand der Zeit“


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