Priest

Menschen und Vampire gehen sich wieder einmal an die Kehle. Mittendrin: Paul Bettany in einem weiteren B-Movie-Ausflug.

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Nichts an Priest beruht auf originären Ideen. Das beginnt mit der Geschichte, die auf einem 16-teiligen koreanischen Manga beruht: In einer Parallelwelt – oder auch in der fernen Zukunft unserer Welt, so genau nimmt Priest es nicht – haben jahrhundertelange Kämpfe zwischen Menschen und Vampiren die Erde in ein atomar verseuchtes Trümmerfeld verwandelt. Die Menschheit lebt in umzäunten Mega-Cities. Hier hat die Kirche eine Art vatikanischer Diktatur errichtet, denn aus unerfindlichen Gründen war sie es, die den Kreaturen der Nacht mittels eigens ausgebildeter Kampf-Priester den Garaus machte. Nach einem blutigen Überfall wird aber klar: die Vampire sind nicht vernichtet. Eine noch stärkere Kreuzung aus Mensch und Vampir treibt nun sein Unwesen. Einer der Priester (Paul Bettany), die jetzt zu den geächteten der Gesellschaft gehören, stellt sich den Horden entgegen.

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Dramaturgisch ungeschickt holpert das Drehbuch einem Finale in einem fahrenden Zug voller Vampire entgegen. Überraschend soll dabei wohl die Mischung aus futuristischen und Western-Elementen wirken. Das führt aber eher zu unfreiwillig komischen Szenen, in denen der Priester zunächst mit einem solarbetriebenen Motorrad durch die Gegend düst, während im nächsten Moment Menschen andächtig einem knarzenden Grammophon lauschen. Erhöht wird durch die Genre-Vermengung nicht die Originalität, sondern allein die Schnittmenge der möglichen zu plagiierenden Filme. In formelhafter Zitierwut verwurstet Priest eine endlose Parade direkter und indirekter Vorbilder, die mit Der große Eisenbahnraub (The Great Train Robbery, 1903) und Metropolis (1926) beginnt und mit Mad Max (1979), Blade Runner (1982), Matrix (1999), Django (1966), Spiel mir das Lied vom Tod (1968), der Blade-Trilogie (1998–2004), Alien (1979) und Underworld (2003) noch lange nicht aufhört.

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Am stärkten schlägt sich dieses Endlos-Recycling in der unglaublich künstlich wirkenden visuellen Sprache des Films nieder. Die billigen Kulissen, das computergenerierte Set-Design und die dunklen Bilder sind allerdings nicht einem limitierten Budget geschuldet. Aus ihnen spricht vielmehr eine erschütternde Ideen- und Identitätslosigkeit, die sich mit ihren Schauwerten verzweifelt den angenommenen Vorlieben eines jungen Action- und Horror-affinen Publikums anbiedert. 

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Kommentare


Rene Schopf

Wenn sie jemand fragt was der Unterschied zwischen einem Biomüll Eimer und einem schmackhaften Eintopf ist, so würden sie wahrscheinlich antworten, dass im Mülleimer nur die Reste landen. So, oder so ähnlich würde ich in der Bewertung von Priest 3 D argumentieren.

Die Zutaten für diese filmische Komposition sind wohl die selben aber selbst ein Medienstudent im ersten Semester wüsste wie man aus diesem Mischmasch aus Western, Vampirfilm, Sience Fiktion, Mittelalter Spektakel und Krimi, nicht zu vergessen Martial Art und Liebesroman a la Dornenvögel ein halbwegs annehmbare Film machen könnte.

Man nehme von allem zu viel und mische es in wirren durcheinander auf seichter Flamme. Was dabei herauskommt muss der erwartungsvolle Kinobesucher mit 10 Euro an der Kasse bezahlen.

Die 3 D Effekte sind so effektheischend eingesetzt, um die Technik zu rechtfertigen, dass man sich fragt wozu eigentlich soviel Geld für so einen Schwachsinn verbraten werden muss. Schon nach wenigen Plotpoints lässt sich erahnen, dass diese Projekt nur zur Abzocke von Computerspiel begeisterten Teenagern dient, die es gilt mit Teil 2 bis 3, 4 oder Gott bewahre sogar bis zu einem Teil fünf in die unter schwindenden Besucherzahlen leidenden Kinosäle zu locken.

Wer Zeit und Geld sparen möchte, schließen kurz seine Augen und stelle sich einen erwachsenen Eneken Skywalker ohne Haare vor wie er auf seinem Motorrad durch die Wüste prescht (Star Wars Episode I). Dazu mixt er die Geschichte von Michael Landon im Kampf gegen den Vatikan, mit einer attraktiven Assistentin an seiner Seite. (Da Vinci Code). Noch eine Mischung aus Blade und Van Helsing als Vampirjäger dazu und die Szenerie im Zug aus Wild Wild West. Lassen sie die Protagonisten durch die vereinzelten Stätten aus Resident Evil oder The Postman ziehen und stellen sie sich vor wie sie dabei abwechselnd gegen eines der Monster aus Alien IV oder gegen die Höllenhunde aus Ghostbusters kämpfen. Der Showdown findet dann zwischen einem unbewaffneten Menschen und dem Übervampir himself der aussieht wie Henry Fonda in Spiel mir das Lied vom Tod statt. Als Vorwand für das Gemetzel nehmen wir dann einfach ein entführtes Familienmitglied, das sich am Ende als die uneheliche Tochter eines Priesters herausstellt, sprengen noch schnell irgendwas in die Luft damits ne Mords Explosion mit viel Feuer und Qualm gibt und am Ende sind alle tot, naja fast alle, denn es muss ja noch eine Fortsetzung geben. Das ganze schmücken sie mit einer schief sitzenden 3 D Brille und freuen sich das der Weltuntergang wiedermal um ein Jahr verschoben wurde.

Fazit: Im Westen nichts Neues, wiedermal.






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