Powder Girl

Im Pulverschnee von St. Anton steigt ein einfaches Mädchen zur Snowboardqueen auf und befreit seinen Märchenprinzen aus dem goldenen Käfig. Wirklich märchenhaft ist das leider nicht.

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Einerseits ist da das triste Leben in einem Londoner Vorort und andererseits das Leben der Superreichen im noblen St. Anton. Zwei Welten, die wenig miteinander gemeinsam haben, eine sympathische, nicht auf den Mund gefallene Heldin, die von der einen Welt in die andere gerät und darin auf einen gutaussehenden Typen trifft, dazu noch eine pittoreske Naturkulisse. Das sind eigentlich vielversprechende Voraussetzungen für eine romantische Komödie, aber so richtig will der Funke nicht überspringen.

Nach dem Unfalltod ihrer Mutter hat Kim ihren Traum von einer Skateboardkarriere aufgegeben und versucht, sich und ihren Vater mit einem Job in einem Fastfood-Restaurant über die Runden zu bringen. Um mehr Geld zu verdienen und ihrem Leben in London für ein paar Monate zu entfliehen, nimmt Kim in St. Anton einen Job als „Chalet Girl“ an. Als eine Art Luxus-Dienstmädchen soll sie sich um das Wohl der stinkreichen Familie Madsen kümmern. Dabei verliebt sie sich auf den ersten Blick in den Sohn Jonnyder die etwas burschikose Kim allerdings erst auf den zweiten Blick wahrnimmt.

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Dass die Geschichte nicht neu ist und irgendwie an Aschenputtel erinnert, weiß auch der auf Komödien spezialisierte Regisseur Phil Traill. Daher spielt er in den Dialogen selbstironisch auf Märchen oder die Romane von Jane Austen an, und märchenhaft sind auch die Bilder der verschneiten Winterlandschaft in den Alpen. Die Menschen in der Parallelwelt von St. Anton, allen voran Jonnys Freundin sowie seine Mutter, sind so wenig sympathisch wie Aschenputtels Stiefschwestern und machen Kim das Leben schwer. Sie sind Snobs, die ununterbrochen Champagner trinken, Partys feiern und sich auch schon mal im Hubschrauber auf die Berggipfel fliegen lassen.

Weil es weder einen glaubhaften Konflikt noch eine Entwicklung der Figuren gibt, fehlt der Liebesgeschichte zwischen Kim und Jonny zwar die Nachvollziehbarkeit, durch das in märchenhaftes Licht getauchte St. Anton und Schneeballschlachten mit entsprechender musikalischer Untermalung gelingt dem Film aber immerhin streckenweise ein dem Genre entsprechendes stimmungsvolles Ambiente. Wenn Kim in der Dämmerung den Berg hinaufklettert, bei den ersten Sonnenstrahlen auf dem Gipfel den geheimnisvollen Yeti trifft, und man die beiden dann in einer Supertotalen als kleine Punkte im unberührten Neuschnee auf Snowboards ins Tal gleiten sieht, wirkt das fast ein wenig mystisch.

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Das Durcheinander, das Komödien erst turbulent macht, bleibt aber auf eine außer Kontrolle geratene Geburtstagsparty sowie eine geplatzte Verlobung begrenzt, und die Situationskomik erschöpft sich meist darin, dass Kim im falschen Moment auf die Skipiste stolpert oder nackt aus dem Whirlpool steigt. Die ironischen Sprüche, mit denen sie die Sticheleien der High Society zu kontern versucht, sind eher harmlos und vom berühmten englischen Humor weit entfernt. Mit viel Musik, temporeichen Schnitten und frechen Sprüchen ist der Film auf ein jugendliches Publikum getrimmt, und vor allem Snowboardfans werden auf ihre Kosten kommen. Die Parallelfahrten der Kamera, die Kim die Skihänge hinunter begleiten, und die in Zeitlupen verlangsamten Sprünge vermitteln eindrucksvoll die Faszination der Sportart und dienen zudem offenkundig als Freiheits-Metapher. Kims Angst vor einem Sturz wird durch Flashbacks vom Autounfall, bei dem ihre Mutter ums Leben kam, ins Bild gesetzt.

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Das alles erinnert sehr an eine in die Berge verlegte Version des Films Blue Crush (2002), in dem die weibliche Hauptfigur, eine talentierte Surferin, ihr Geld als Zimmermädchen eines luxuriösen Hotels verdient und sich in einen Gast verliebt. In beiden Filmen können die Heldinnen als Gewinnerin eines Snowboard- bzw. Surfcontests ihrem „Prinz“ am Ende auf Augenhöhe begegnen und damit in einer modernen Version von Aschenputtel mehr als bloßes Anhängsel an der Seite eines reichen Mannes sein. Powder Girl lebt von seiner sympathischen Hauptfigur und der großartigen Kulisse – die Probleme des reichen Jungen, der aus dem goldenen Käfig seiner Familie ausbrechen muss, um das Zimmermädchen lieben zu dürfen, wirken im 21. Jahrhundert hingegen eher antiquiert als märchenhaft.

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Kommentare


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Meine Tochter hält "Kick it like Beckham" für den besten Jugendfilm. Für mich ist "Powder Girl" ein ernsthafter Konkurrent auf die Krone. Das ist alles einfach so nett und lustig erzählt, mit einer Prise Sozialkritik, etwas Mutmachen und einer Menge "Lass dich von Rückschlägen nicht ausbremsen"... da sieht man über ein paar Unklarheiten und Inkonsistenzen gerne hinweg.






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