Postal

Mit Postal versucht sich Schrott-Regisseur Uwe Boll wieder an einer Videospielverfilmung und diesmal auch an politischen Untertönen. Was bleibt ist reine Provokation.

Postal

Er habe, erzählt Uwe Boll freimütig, seine Filme alle mit „Nazigold“ finanziert, und bezahlt gleich darauf einen seiner „Stars“ statt mit Geld mit einer Handvoll heraus gebrochener Goldzähne. Ist das komisch? Wahrscheinlich für niemanden außer Boll selbst. Er macht sich damit über seine Kritiker lustig, die sich gerne einmal über die als seltsam geltenden Methoden echauffieren, mit denen er zumindest früher das Geld für seine Filme beschafft hatte – Boll nutzte seinerzeit ein inzwischen geschlossenes Steuerschlupfloch für Medienfonds aus.

Aber es ist natürlich eine Provokation, und Provokation ist das Strickmuster, nach dem Boll seinen neuen Film Postal konstruiert hat: am Ende hüpfen Osama bin Laden und George W. Bush (Larry Thomas und Brent Mendenhall) einträchtig und vergnügt Hand in Hand in Richtung eines von Atombombenexplosionen erleuchteten Horizonts. Bis es dazu kommt haben sich in der wenig idyllischen Stadt Paradise ein Kontingent Taliban und die einheimischen Amerikaner ein sehr blutiges Feuergefecht mit einem nur „Postal Dude“ genannten jungen Mann (Zack Ward) geliefert. Grund der Auseinandersetzung ist eine Lastwagenladung „Krotchy Dolls“ – hässliche Stoffpuppen in Penisform, die gerade der letzte Schrei in Amerika sind. Postal Dude wollte mit den Puppen viel Geld machen, und die Taliban wollen Ampullen mit Vogelgrippe-Viren in die „Krotchy Dolls“ einsetzen, um damit Amerika in die Knie zu zwingen.

Postal

Das alles ist hübsch politisch unkorrekt, soll es natürlich auch sein und wird von Boll bis auf die Spitze getrieben – beim ersten großen Feuergefecht werden dann auch vor allem kleine Kinder reihenweise erschossen. Postal leidet aber, trotz einiger wirklich bösartiger und treffender Ideen, nicht nur unter allzu vielen platten, pubertär-sexuellen bis -sexistischen Witzchen und unter dem schlechten Timing vieler Szenen, in den allermeisten Momenten ist die nächste Provokation, der nächste geschmacklose Gag schon vorhersehbar, und damit auch nicht mehr witzig.

Hinzu kommt, dass Boll mit Postal weder in politischer noch in ästhetischer Hinsicht etwas zu sagen hat – außer vielleicht, daß er Provokation schon nur der Provokation halber schätzt. Wenn er wieder und wieder bestehende Geschmacksgrenzen sprengt, bleibt er zwar damit in dieser Hinsicht dem Videospiel treu, dessen Verfilmung er hier abliefert und mit dessen Material er sonst sehr frei verfährt, der Tabubruch allein wird jedoch schnell langweilig, und ist dafür dann wohl auch nicht radikal genug.

Postal

Dabei gibt es, wie gesagt, Momente in diesem Film, die Potential haben könnten. Eine der großen Schießereien des Films ereignet sich im örtlichen Vergnügungspark „Little Germany“, wo auch Boll seinen eingangs erwähnten Auftritt hat. „Little Germany“ ist eine groteske Versammlung von Vorurteilen und Stereotypen über die Deutschen, es gibt natürlich Bier und Sepplhüte, aber eben auch eine nach Josef Mengele benannte Krankenabteilung: Bösartiger sah man kaum je kommentiert, wie auch die Erinnerung an den Holocaust vermarktet wird.

Nur weiß man eben nicht genau, wie Boll, der im Film als Besitzer von „Little Germany“ vorgestellt wird, zu all dem steht. Ist das wirklich Kritik, oder geht es ihm nur um die provokante Verwendung von Mengeles Namen? Später, als „Postal Dude“ Taliban und Amerikaner in einer kitschigen Ansprache aufgefordert hat, doch nach Gemeinsamkeiten zu suchen, finden die Angesprochenen sie schnell: „Wir hassen alle die Juden.“ Macht er sich da über die selbstgerechten Amerikaner nur lustig, oder ist das ein politischer Kommentar?

Wie der mit beträchtlichem Selbstbewusstsein ausgestattete Boll das sähe, ist wohl nicht fraglich, der Film selbst hat jedoch viel zu wenig Substanz, um als Diskussionsbeitrag zum „War on Terror“ auch nur ein kleines Bisschen ernst genommen zu werden. Dennoch ist Postal trotz aller Mängel – auch die Actionszenen sind eher fad, die Spezialeffekte mau –wahrscheinlich Uwe Bolls bisher bester Film. Was das bei einem Regisseur bedeutet, der gerne als „schlechtester Regisseur aller Zeiten“ bezeichnet wird, sei allerdings dahingestellt.

Trailer zu „Postal“


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Kommentare


heiner

in deiner Haut möchte ich nicht stecken. Wenn man über den Film nicht wenigstens schmunzeln kann hat man vermutlich auch sonst keinen Spaß im Leben.


Medvedisos

Alda, was ist das für ein Scheiss von Regisseur Uwe Boll. Seine andere Filme waren eher sehenswerter als diese blöde Postal-Game Verfilmung. Da ich schon postal 2 Share the Pain kenne, hab ich fast das Gleiche erwartet wie im Film, aber nein, es ist nur eine Alternative für Schlaftablette


Lukas Schmoigl

Also ich habe den Film gesehen und hatte vorher Schlimmstes befürchtet, da man ja ständig über Uwe Boll spottet.
Aber siehe da! der film ist zwar kein Meisterwerk aber durchaus unterhaltsam und sicher kein B-movie!
Manche Szenen sind zwar sehr provokant aber das spiel postal ist eigentlich noch viel brutaler und wer zu verweichlicht ist sollte sich den film einfach nicht ansehen.
Also für mich ist die negative Kritik, die Uwe Boll ständig bekommt zumindest für diesen Film etwas ungerechtfertigt.


Dude

SCHWACHSINN! erstens soll dieser film in keinster weise ernstgenommen werden und zweitens is es ein actionklamauk film der wie ich finde witzig aber nicht anspruchsvoll ist einige witze versteht man ohnehin nur wenn man das videospiel hat oder angespielt hat


Peter

Ich habe den Film gesehen und fand ihn wirklich miserabel. Auch wenn Far Cry zum Beispiel viel schlechtere Kritiken eingefahren hat, konnte ich mir diesen Boll Film besser ansehen. Postal ist meiner Meinung nach ein langweiliger und völlig stumpfsinniger Film.


Stammtischphilosoph

Ich fand den Film witzig. Man muß den Humor halt mögen. Als Titanic-Abonennt fühlt man sich gleich wie zu Hause :)


Gina

Hey, good to find smoonee who agrees with me. GMTA.






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