Playoff

Sport als Kulisse eines Holocaust-Schicksals.

Playoff 06

Eine Sporthalle in Frankfurt am Main Anfang der 1980er Jahre: „One on one!“, schreit Basketball-Trainer Max Stoller (Danny Huston) den Spielern der westdeutschen Nationalmannschaft in der Trainingshalle immer wieder zu. Er ist strikter Verfechter der Eins-gegen-Eins-Verteidigung; Basketball sei zwar eine Teamsportart, doch zuallererst zähle die individuelle Klasse des Einzelnen. Die von Physis und Athletik geprägte Mann-gegen-Mann-Spielweise ist das Paradigma der seit jeher stärksten Liga der Welt, der nordamerikanischen NBA. Ihr (europäischer) Gegenentwurf, die sogenannte Zonenverteidigung, bei der sich die ganze Mannschaft als Formation mehr an Ballposition und Raum, nicht aber an einem direkten Gegenspieler orientiert, ist verpönt (und war bis 2001 sogar gänzlich verboten). Doch für taktische Komplexität scheint sich Eran Riklis historisches Biopic Playoff, ähnlich wie die zahlreichen Journalisten im Film, sowieso nicht zu interessieren. Vielmehr dient der Sport im Film einmal mehr nur der Konstruktion einer recht simplen Metaphorik im Dienste eines bigger picture, hier von der Holocaust-Vergangenheit und Familientragödie des in Deutschland geborenen und dann geflüchteten Juden Stoller: Einzelkämpfer versus Gleichschaltung. Die Figur Stollers ist angelehnt an den israelischen Basketballspieler und -trainer Ralph Klein, der 1983 als äußerst erfolgreicher Coach des europäischen Topclubs Maccabi Tel Aviv und der israelischen Nationalmannschaft überraschend, und trotz der daraus resultierenden Anfeindungen in seiner Heimat, nach Deutschland zurückkehrte. Dort übernahm er die Aufgabe, die auf Hobbyniveau agierende Truppe des Basketball-Entwicklungslandes zu den Olympischen Spielen nach Los Angeles führen.

Playoff 07

Figurenzeichnung und Handlungslogik sind in Playoff von Beginn an irritierend inkonsistent. Mantraartig muss Stoller der versammelten skandalheischenden Presseschar immer wieder vorhalten, dass es doch bitte vor allem um Basketball gehen soll, dann kommt er selbst in den wenigen Szenen, in denen tatsächlich gespielt wird, aber seinerseits nur auf die allgemeinsten und vor Pathos triefenden Sportfloskeln zurück. „I’m not here to lose but to win, you have to reach the stars!” Das war es dann auch schon, im weiteren Verlauf tritt das Basketballspiel beinahe vollends in den Hintergrund. Die Versuche, den folgenden Selbstfindungstrip der Hauptfigur – Stoller gibt sich die Schuld am Tod seines von der Gestapo ermordeten Vaters – durch Szenen in der Trainingshalle dramatisch zu schärfen, fallen arg bemüht aus. Zumal auch diese vermeintlich zentrale Plotlinie nie eine Stringenz entwickelt, wird sie doch mit weiteren Einzelschicksalen regelrecht zugeschüttet. Der als misstrauischer Antagonist etablierte Mannschaftskapitän Thomas (Max Riemelt) hat mit dem Suizid-Schicksal seines Vaters, eines ehemaligen NS-Soldaten, zu kämpfen. Der Mannschaftsarzt entpuppt sich als Alt-Nazi.

Playoff 04

Dann werden diese Schlaglichter auf Problemfelder deutscher Nachkriegsgenerationen plötzlich mit der Handlungsgegenwart gespiegelt: Stoller trifft beim erinnernden Mäandern durch das Viertel seiner Kindheit auf die Migrantin Deniz (Amira Casar) und ihre Tochter Sema, die auf der Suche nach ihrem verschwundenen Ehemann bzw. Vater nach Deutschland gekommen sind. Stoller will helfen – aus einem inneren Zwang der Kompensation wird nach und nach Neugierde und Sympathie, zwischen den drei Protagonisten entwickelt sich eine unkonventionelle Intimität, die mehr erkundet als die übrigen doch sehr schematischen Zeichnungen des Films. Und so entfaltet sich nach und nach doch noch so etwas wie eine Charakterstudie, die den weichen Kern seines nach außen hin hartgesottenen und unberührbaren Hauptcharakters entblättert. Danny Huston, zuletzt als Mafiaboss Ben „The Butcher“ Diamond in der Dramaserie Magic City brillierend, ist dabei ein Glücksfall für den Film, bringt er doch durch sein unergründliches Spiel die Stimmung zumindest hin und wieder zum Flimmern. Insgesamt überhebt sich Playoff allerdings, wie so viele deutsche (Co-)Produktionen bei der Bearbeitung von Stoffen aus der NS-Zeit, am Anspruch, ein „stimmiges Gesamtbild“ mit „möglichst vielen Facetten“, so der konsensuelle Produzentensprech, zu präsentieren. Ergebnis ist der Zwang, mit trivialen Stereotypen arbeiten zu müssen. Während der Sportfan ebensolche geistlosen Phrasierungen vielleicht noch fetischisiert und sich damit zufrieden gibt, ist das für den Filmzuschauer zu wenig (weil hölzernes Zuviel!).

Trailer zu „Playoff“


Trailer ansehen (2)

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.