Plan B für die Liebe

In seiner ersten Kinoarbeit versucht sich Fernsehroutinier Alan Poul an einer romantischen Komödie ums Kinderkriegen und um die Macht der Liebe.

Plan B für die Liebe

Zoe (Jennifer Lopez) ist in den Dreißigern, steht mitten im Leben und weiß, was ihr fehlt: Der richtige Mann fürs Leben und Kinderkriegen. Da bisherige Versuche erfolglos waren, verwirft die selbstbewusste Frau ihre Partnerschaftsidee, um sich entschossen auf die Fortpflanzung zu fokussieren – denn ohne Mann geht es ja auch, dank Samenspendern und Reproduktionsmedizin.

Soweit Zoes Backup-Plan – so der Originaltitel des Films. Der deutsche Titel führt eigentlich in die Irre, denn das ist kein Plan B für die Liebe, sondern eher für die konsequente Selbstverwirklichung. Entsprechend wenig romantisch ist die Exposition: Zoe sinniert auf dem Gynäkologiestuhl über ihr Dilemma und rechtfertigt ihren Entschluss.

Plan B für die Liebe

Natürlich – denn es soll sich ja um eine romantische Komödie handeln – kommt alles ganz anders, denn kaum hat Zoe die Klinik von Dr. Harris (Robert Klein) verlassen, trifft sie den Mann ihres Lebens. Stan (Alex O'’Loughlin) heißt der genretypische Frauentraum, den Zoe im Taxi kennenlernt. Das Finale ist bekannt, und der verbleibende Rest von circa 95 Minuten Laufzeit folgt einer Aneinanderreihung von verbrauchten Klischees, bemüht komischen Standardsituationen, den üblichen retardierenden Verwerfungen, die das unvermeidliche Happy- End nicht aufhalten können.

Dabei ist der zugrunde liegende Konfliktstoff eigentlich interessant: Was geschieht, wenn Selbstverwirklichungsdrang und große Gefühle aufeinandertreffen? Wie reagiert ein Mann, wenn ihm offenbar wird, dass seine große Liebe sich anonym schwängern ließ, also wie weit geht Bindungsfähigkeit und Toleranz über männliches Selbstverständnis und Ego-Verteidigung hinaus?

Plan B für die Liebe

Doch die impliziten Fragen verpuffen, zu schnell ist ihre Lösung bewerkstelligt, zu reibungslos, zu glatt und zu leicht werden echte Klippen umschifft und geraten so allenfalls zur weichgespülten Fußnote. Zielgruppenecht werden dann schon die genretypischen Pflicht-Probleme wie Zoes Eifersucht auf handlungsbeeinträchtigende Fallhöhe geschraubt, um dann in weisen Ratschlägen von Zoes frisch verheirateter Großmutter (Linda Lavin) wie: „Du musst lernen, ihm zu vertrauen...“ zu gipfeln.

Kate Angelos Drehbuch folgt der Methode der narrativen Verkürzung durch Klischees und lediglich angezeichnete Probleme. Das dies auf dem TV-Schirm funktioniert, konnte man in – auch hierzulande – erfolgreichen Sitcoms, wie Will & Grace (1998-2006) oder Becker (1998-2004) sehen, die von Kate Angelo teils geschrieben, teils auch produziert wurden. So gibt es die unvermeidliche Selbsthilfegruppe für alleinstehende Mütter – als klischeevollendete Emanzen-Hexengruppe –, den Vater (Anthony Anderson) auf dem Kinderspielplatz, der – obwohl sein Leben durch Vaterpflichten ruiniert erscheint – sich dennoch nichts Schöneres als Erziehungsfreuden vorstellen kann, die jung gebliebene Großmutter, die seit mehreren Jahrzehnten verlobt ist, sich aber nicht zum letzten Schritt der Hochzeit entschließen kann und dergleichen mehr. Einzig der behinderte Boston-Terrier im Hunderollstuhl, der offenbar in Zuwendungsverlustangst schon mal einen Schwangerschaftstest frisst, fällt hier aus dem gewohnten Rahmen.

Plan B für die Liebe

Allein im Film funktioniert das nicht, denn Alan Poul, der bei einzelnen Folgen von Six Feet Under (2001–2005), Rome (2005-2007) und Swingtown (2008) Regie führte, vermag den um die eigentlichen Probleme entschlackten irgendwo zwischen Rom-Com und Schwangerschaftskomödie driftenden Stoff mit keinerlei Inszenierungsideen anzureichern.  Die eindimensionale Handlung und die schablonenhaften Charaktere schlingern einfallslos und dynamikarm von einem vorhersehbaren Gag zum nächsten und die betonten Konflikte stammen sämtlich aus dem angestaubten Genre-Fundus.

Jennifer Lopez – über deren Darstellerqualitäten es entschlossen geteilte Auffassungen gibt – bedient ihre tiefgangfreie Hauptfigur routiniert sympathisch und optisch gefällig omnipräsent, vermag es aber nicht, den bräsigen Film zu tragen. Gleiches gilt für O’Loughlins Käsefarmer Stan, der einzig als stereotype Attraktion fürs weibliche Publikum funktioniert. So ist es symptomatisch, dass Zoe ihren Wagen an einen Baum setzt, während sie verzückt Farmer Stan mit freiem Oberkörper auf einem Traktor bewundert. An nachvollziehbaren Entwicklungen Stans – wie auch der übrigen Figuren – ist der Film jedoch nicht interessiert.

Plan B für die Liebe

So hat Plan B für die Liebe am Ende nur eine Wirkung, nämlich als mediokres und uninspiriertes Jennifer-Lopez-Vehikel das Niveau im Mainstreamkino weiter zu senken.

Trailer zu „Plan B für die Liebe“


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Kommentare


Bob

Vielen Dank für diesen wirklich berechtigten Verriss! Ich hatte am gestrigen Abend das zweifelhafte Vergnügen,den Film in meinem Stammkino in einer Sneak-Preview zu sehen.
Bzw. die ersten 20 Minuten, denn dieses Machwerk trieb mich zum ersten Mal seit "Beowulf" wieder vorzeitig aus meinem Kinosessel.


Edith

Edith:
Auch wenn der Film keinen Tiefgang hat, ich fand in absolut unterhaltsam und hatte danach den ganzen Abend gute Laune und deswegen bekommt er von mir 5 Sterne.
Wer bei dem Trailer und der Schauspielerin einen Film mit Tiefgang erwartet ist selber schuld:-)


Dina

Ich muss der Kritik leider zustimmen. Ich fand den Film auch alles andere als überzeugend und war etwas enttäuscht. Ich hatte zwar keinen Tiefgang erwartet, aber auch keinen überzogenen, albernen Streifen. Ich hatte auf eine spritzige Komödie gehofft. Die "stereotype Attraktion fürs weibliche Publikum" hat bei mir allerdings funktioniert. Alex o Loughlin war das einzige, was mir hier gefallen hat :-))))






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