Pixels

Nerdtum hat mit Liebe zum Gegenstand zu tun, und ein Pixel ist kein Lego-Baustein. Chris Columbus’ Retro-Buster lässt sich kaum auf seinen Gegenstand ein.

Ein fades Tapas-Menü

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Pixels wirkt wie die Ausgeburt (das Opfer) verzweifelter (scheiternder) Zielgruppen-Universalisierung in den Hinterzimmern US-amerikanischer Großproduktionen. Die daraus resultierende Form der Adressierung ist metaphorisch vielleicht am ehesten als ein uninspiriertes und fades Tapas-Menü zu fassen: Von allem ein bisschen, aber überall fehlt die Würze, die Liebe zum Detail. Und das gleich auf mehreren Ebenen. Da ist, als eigentlich attraktiver Ausgangspunkt, das Interesse für die frühe Videospiel-Kultur Anfang der 1980er Jahre, als man noch an klobigen Automaten in „Penny Arcades“ genannten Spielhallen vergleichsweise simpel gestrickte Games daddelte (in leicht abgewandelter Form nahmen diese „Hallen“ ja dann auch eine Zeitlang als Raum im Raum Orte des öffentlichen Lebens wie etwa Bowling-Center oder den Imbiss um die Ecke ein). An der Betrachtung der kulturellen Praxis Videospiel, etwa in Form des Offenlegens historischer Verläufe von Spielstruktur, Grafik und Rezeptionsweise, ist Pixels aber kaum etwas gelegen. Und wenn, dann nur in einem immer wieder schnell abgehandelten Modus kitschiger Nostalgie. Geht doch die meiste Energie für die Etablierung ärgerlich flacher Figuren-Stereotype und erzählerischer Helden-Rhetorik drauf. Dazu wird dann willkürlich aufgeschüttet: etwas Science-Fiction, ein bisschen unterschiedlichste Körperkomik (Sandler, James und Dinklage, ein Dreieck der Unkompatibilität), hier Kinderfilm-Moral, da Romantic-Comedy-Logik. Zahlreiche Referenzen poppen auf, und jede würde man nun lieber im Original sehen: Be Kind Rewind (2008), Ghostbusters (1984), Independence Day (1996) …

Platte Rhetorik

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Die Erde wird in Form alter Videospiele angegriffen – die zentrale Plot-Idee übernimmt Pixels eins zu eins von seiner Vorlage, dem gleichnamigen Kurzfilm-Hit des französischen Grafikdesigners Patrick Jean. Angefüttert wird sie an beiden Enden durch visuell sehr unterschiedlich umgesetzte Handlungsträger: dort eine abstrakt bleibende außerirdische Macht, die eine Weltraum-Sendung mit allerlei medialen Artefakten als Kriegserklärung missinterpretiert und die Menschheit nun durch Real-Life-Versionen ihrer eigenen Spiele auslöschen will, dort die Fraktion der (unfreiwilligen) Weltretter um das tragische Gamer-Talent Sam Brenner (Adam Sandler) und dessen dicklich-tollpatschigen Kumpel aus Kindheitstagen Will Cooper, gespielt von Kevin „King of Queens“ James (dass dieser nun im Jetzt der Erzählung den US-Präsidenten verkörpert, ist nur einer von vielen das amerikanische Selbstverständnis auf die Schippe nehmenden Kalauern). Der ohnehin überstrapazierte Begriff des Nerds fällt in diesem Zusammenhang penetrant oft, ohne dass Pixels seinen mit diesem Ausdruck belegten Figuren jemals wirklich nahekommen würde. Von liebevoller Faszination und erhöhtem spezifischen Interesse, den Grundbedingungen eines jeden Nerdtums also, keine Spur. Stattdessen nur „Loser ist endlich mal zu was Großem zu gebrauchen“-Rhetorik. Vom (selbst-)ironischen Witz etwa der Serien The IT Crowd (2006-13) oder The Big Bang Theory (2007-) ist das meilenweit entfernt (es ist anzunehmen, dass das zumindest zu einem kleinen Teil auch der deutschen Synchronisation geschuldet sein könnte).

Materialisierung zwischen damals und heute

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Bleibt die filmische Darbietung der Spiele selbst. Die ebenfalls von Jeans Kurzfilm übernommene inszenatorische Prämisse, dass die bildschirmtechnologische Flächeneinheit Pixel bildsprachlich einem Legobaustein-ähnlichen Block entspricht, ist zwar erst einmal nicht so leicht zu akzeptieren. Dennoch sind es die dem engen, grauen und betont zweidimensionalen Maschinen-Screen der 80er Jahre entflohenen und in die Welt des zeitgenössischen Blockbusters übertragenen Game-Situationen, die Pixels dann doch noch an der ein oder anderen Stelle ein wenig spaßiges Tempo verleihen – besonders imposant ist hier die Centipede-Sequenz im Hyde Park. Insgesamt bleibt der Film aber nicht mehr als ein visueller Stichwortgeber, der es nur sehr selten schafft, die mediale Beschaffenheit seines Gegenstandes, nämlich die Gaming-Epoche zu Beginn der digitalen Revolution, in eine angemessene Perspektive zu rücken. Dass ausgerechnet einmontiertes Original-Fernsehmaterial dieser Zeit – die Außerirdischen kommunizieren über Ausschnitte der Serie The Fantasy Island (1977-84), durch Musikvideos des New-Wave-Duos Hall & Oates und Clips des ersten „digitalen“ TV-Hosts Max Headroom – für die materiell spannendsten Momente sorgen, spricht an dieser Stelle auch nochmal Bände.

Trailer zu „Pixels“


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