Penelope

Schönheit mit Schweineschnauze sucht jugendlichen Liebhaber. Ein Fluch bietet dieser romantischen Komödie ihre auch anatomischen Eigenheiten.

Penelope

Auf die Idee mit dem Panzerglas hätten die Wilhems wahrhaftig früher kommen können. Erst nachdem schon unzählige junge Männer ihr Haus durchs Fenster verlassen haben, ersetzen sie die gewöhnliche Scheibe. Dass der nächste Fliehende sich am Panzerglas dann seine Nase einrennt, ist da erwartbar – und markiert in etwa das humoristische und filmische Niveau, auf dem Penelope sich einpendelt.

Durch einen als Familienerbe weitergereichten Fluch wurde die Titelheldin Penelope (Christina Ricci) mit einem Schweinsrüssel anstelle ihrer Nase geboren. Nun lebt sie, von der Außenwelt abgeschirmt, in der Villa ihrer Eltern und wartet darauf, von ihrem Fluch erlöst zu werden: Dazu muss jemand sie so lieben lernen, wie sie ist.

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Um also eine Heirat auf den Weg zu bringen, organisiert Penelopes überbehütende Mutter (Catherine O’Hara) ein Defilee würdiger Heiratskandidaten, die vorher vertraglich ihr Schweigen zusichern müssen, allesamt jedoch beim ersten Anblick das Weite suchen – gerne auch durchs nächste erreichbare Fenster. Einer (James McAvoy) bleibt jedoch, und erst nach einer Weile wird klar, dass seine Motive nicht unbedingt edel sind.

Eine (vielleicht nicht gar so) böse Hexe wie im Märchen, vermischt mit ein paar Ingredienzien aus Shakespeares Komödie Der Widerspenstigen Zähmung (The Taming of the Shrew, ca. 1590), das Ganze schließlich garniert mit wenig subtilen Anspielungen auf die zahlreichen Verehrer der Penelope aus Homers Odyssee – das Drehbuch von Leslie Caveny kommt nicht unambitioniert und ohne Witz daher, und auch Mark Palanskys Inszenierung hat durchaus ihre Stärken.

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Alles ist hier märchenhaft bunt und zugleich ein wenig unheimlich – die Stadt, die weite Welt, in die die Protagonistin schließlich flieht, ist ein Traumland, in dem die Bäume ihre Äste in pittoreske Formen krümmen und Springbrunnen so sprudeln, dass Seifenblasen von ihnen aufzusteigen scheinen. Penelopes Zimmer, vollgestellt mit Pflanzen und fein ziselierten, viel sagenden Vogelkäfigen, leuchtet in einem etwas zu grellen Grün, charmant und morbid zugleich wie in einem Tim-Burton-Film. Natürlich mag das auch ein wenig daran liegen, dass Ricci, diese blasse, verletzlich wirkende Frau, immer in leicht unheimlichen Settings zu Hause zu sein schien – ob als Wednesday Addams aus Die Addams Family (The Addams Family, 1991) oder als Katrina Van Tassel in Sleepy Hollow (1999).

Penelope gibt damit ästhetisch ein Versprechen auf Zweideutigkeiten und Komplexität, das die Filmhandlung nicht einhält. All das Altertümelnde, Nostalgische – Wählscheibentelefone stehen dutzendweise herum – dient letztlich nur dazu, dem Film eine ganz und gar irreale Atmosphäre zu geben, in der Peter Dinklage als zwergwüchsiger Fotograf nur als weiterer Beweis dafür dient, wie märchenhaft Penelopes Welt ist.

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Dabei bietet Dinklage die wohl noch interessanteste schauspielerische Leistung des Ensembles, das allzu sehr entlang der stereotypen Erwartungen an die jeweiligen Rollen spielt. Der Hang zur slapstickhaften Überzeichnung geht dabei rasch auf die Nerven. Trotzdem dürfte es an den Schauspielern liegen, dass der Film nach zwei Jahren Wartezeit jetzt überhaupt noch in die Kinos kommt. Vermutlich zielt der Verleih nicht zuletzt auf die Verehrerinnen und Verehrer von James McAvoy, die ihn nach Abbitte (Atonement, 2007) noch einmal als jugendlichen Liebhaber sehen möchten.

Immerhin, das muss man dem Drehbuch zugestehen, folgt die Auflösung der ansonsten wirklich recht belanglosen Geschichte nicht völlig strikt den Regeln der romantischen Komödie. Gleichwohl bekommt der Film zu keinem Zeitpunkt in den Griff, dass seine grundlegende Prämisse von Anfang an nicht funktioniert: So ungewohnt der Anblick nämlich zunächst auch sein mag, zum Fürchten sieht Christina Ricci selbst mit Schweineschnäuzchen nicht aus.

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