Parkour
Nach Yamakasi (2001) und Ghettogangz (2004), versucht sich Marc Rensing mit Parkour an der ersten deutschen Langfilm-Rezeption des gleichnamigen Trendsports aus Frankreich.
Le Parkour ist eine neue Art der Fortbewegung, bei der es darum geht, den möglichst direkten Weg zum festgelegten Ziel zu finden und dabei sämtliche Hindernisse mitunter spektakulär zu überwinden. Als der Parkour-Begründer David Belle Elemente des französischen Militärsports Méthode Naturelle an die urbanen Verhältnisse seiner Pariser Banlieue anpasste, schuf er eine Philosophie, in der sich Respekt, Kreativität und das Ausloten der eigenen Grenzen vereinen.
Um gegenseitigen Respekt geht es auch Richie (Christoph Letkowski), der mit seinen Kumpels Paule (Constantin von Jascheroff) und Nonne (Marlon Kittel) Parkour betreibt. Dabei kennt er keine Grenzen und behält stets die Kontrolle über sich und seinen Körper. Ganz anders verhält es sich im „richtigen“ Leben. Beruflicher Stress und vor allem krankhafte Eifersucht und Misstrauen gegenüber seiner Freundin Hannah (Nora von Waldstätten) drohen zunehmend, ihn aus dem Gleichgewicht zu werfen.
Anders als der Titel vermuten lässt, legt der Regisseur Marc Rensing sein Debüt Parkour nicht als Sportfilm an, sondern bettet im Umfeld der Trendsportart ein Psychodrama ein. Und so wirken auch die Parkourszenen nicht ganz so dynamisch und ausgefeilt wie etwa in der bekannten Verfolgungsszene aus Ghettogangz – Die Hölle vor Paris (Banlieue 13, 2004), der Le Parkour aus dem Untergrund in den Mainstream von Musikvideos und James Bond hievte. Dieser Entwicklung verschließt sich Parkour einerseits durch den im Vergleich zurückhaltenden Soundtrack und versucht doch andererseits das trendige Element von Le Parkour als Vehikel zu nutzen.
Die etwas oberflächlich ausgestellten Werte des Sports werden wohl auch dazu führen, dass echte Traceure, so die Selbstbezeichnung der Sportler, sich mit dem Film kaum identifizieren können. Akrobatische Salti oder testosterongesteuertes Wettkampfverhalten, geschweige denn Mutproben, wie sie im Film gezeigt werden, haben mit Parkour absolut nichts zu tun.
Rensings Idee Le Parkour als Metapher für das Auseinanderdriften ebenjener beschworenen Einheit von Körper und Geist seines Protagonisten einzusetzen, birgt gleichzeitig auch das Grundproblem des Films. Psychodrama, Parkour- oder Actionfilm – Marc Rensing mag sich nicht so recht entscheiden, und es gelingt ihm nicht alle Elemente schlüssig zu verbinden. Der Kunstgriff mittels des Parkour-Sports ein Psychogramm Richies zu entwerfen, ist hier nur annähernd gelungen.
Den „Flow“ des Parkour, also möglichst geschmeidige und fließende Bewegungsabläufe, zu erreichen, ist in anderer Form auch eine Herausforderung mit der sich jeder Film konfrontiert sieht. Mehr als andere Produktionen macht sich Parkour diese Aufgabe zum Leitkonzept und nimmt sich damit ein Hindernis vor, das er am Ende doch nicht überwinden kann.
Filmkritik von Tim Geyer
Veröffentlicht am 01.03.2010
Kommentare zu Parkour
Maria 16.03.2010 15:27
Ein verdammt gut gelungenes Debut! Der Film packt einen gleich mit der Einstiegssequenz und spielt nicht das faule Spiel, nur durch aufregendes Parkour laufen punkten zu wollen. Nein, hier hat sich der Regisseur was ausgedacht, um einen bei der Stange zu halten. Insbesondere der hervorragende Hauptdarsteller Christoph Letkowski trägt seinen Teil dazu bei. Ganz große Klasse!
jonas 14.09.2010 00:39
Also ich bin vollends enttäuscht. !00 minuten Langweile, in denen, wie oben beschrieben nichts so wirlich schlüssig ist. Haufenweise seltsame total übertriebene, künstlich wirkende Zufälle an Pannen, die dem Protagonisten zustoßen oder verursaacht werden. Eine völlig banale Mischung, in der versucht wird alles mit Parcour zu verknüpfen und die letzendlich noch in einem Psychoansatzhappyend in der der östreichische Arbeitskollege des Protagonisten sein schozophrenes Böses sein könnte und dennoch eine art Happy end. Im abspann fällt einem dann noch auf dass die Schauspieler nicht so schlecht sind weil sie Parkour können, nee nee. Eine nicht nachvollziehbare dumm abgesessene Zeit von gefühlten 4 Stunden hab ich da heute mir gegeben... hat das Potenzial als schlechtester von mir gesehener Film in meiner Erinnerung gespeichert zu werden
Raoul Heimrich 14.09.2010 07:58
Leider eine absolute Enttäuschung!
Angelockt durch den Titel, wird man hier auf eine völlig falsche Fährte gelockt. Mit Parkour hat der Film nur am Rande zu tun. Gedreht in einer "Altherren DDR Ästhetik" bekommt man so gut wie nie Kino Bilder zu Gesicht. Talking Heads wechseln mit langweiligen Einstellungen vom Stativ.
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Blog: Berlinale im Dialog

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Film-Angaben
Titel: Parkour
Deutschland 2009
Laufzeit: 100 Minuten
Regie: Marc Rensing
Drehbuch: Marc Rensing, Rüdiger Heinze
Produktion: Rüdiger Heinze, Stefan Sporbert
Bildgestaltung: Ulle Hadding
Montage: Sebastian Marka
Musik: Thomas Mehlhorn
Darsteller: Christoph Letkowski, Nora von Waldstätten, Marlon Kittel, Arved Birnbaum, Constantin von Jascheroff, Georg Friedrich
Kinostart: 11.03.2010
DVD-Angaben
Titel: Parkour
Vertrieb: Lighthouse Home Entertainment
Bild: 1,78:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1)
Untertitel: keine
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 100 Minuten
Extras: Making Of; Stuntaufnahmen; Deleted Scenes; Trailerentwürfe; Diashow
Verleih ab: 22.10.2010
Verkauf ab: 29.10.2010
Copyright Parkour
Fotos: © Zum Goldenen Lamm
BERLINALE 2012

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