ParaNorman

Nach Coraline (2009) kommt ein weiteres unheimliches Animationsabenteuer der Produktionsfirma Laika ins Kino.

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Dass der Held in einem Trickfilm ein gesellschaftlicher Außenseiter ist, mag kein sehr origineller Topos sein. Dass er im Fernsehen gerne Zombiefilme sieht, schon. Norman kann außerdem mit den Toten reden (darunter seine Großmutter, die stets strickend und durchsichtig auf dem Sofa sitzt), was seinem Vater, seiner Schwester und dem ortsüblichen Schulrüpel viel Gelegenheit gibt, ihn zu schikanieren. Wegen seiner außergewöhnlichen Gabe ist Norman dazu bestimmt, sein Städtchen vor einem schrecklichen Fluch zu retten, der sich nach 300 Jahren erfüllt. Die Toten steigen aus den Gräbern, wanken mit einigermaßen vollständigen Gliedern durch die Gegend und sind filmhistorisch ganz klar als Zombies zu identifizieren.

Das ist dann wirklich ziemlich überraschend für einen Trickfilm, der deshalb mit einer – ziemlich übertriebenen – Altersfreigabe ab 12 Jahren zurechtkommen muss – obwohl die Zombies dann doch viel harmloser sind, als der erwachsene und George-Romero-gestählte Zuschauer zunächst glaubt. ParaNorman ist aber auch aus anderen Gründen ein erfrischend origineller Film, gerade im Vergleich zum allzu glatt geratenen neuen Pixar-Film Merida.

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Die Vorbilder liegen hier nicht im Disney-Universum, sondern bei Tim Burton (Autor und Co-Regisseur Chris Butler war bei dessen Corpse Bride, 2005, als Zeichner dabei) und einem der großartigsten Animationsfilme der letzten Jahre überhaupt, Henry Selicks Coraline. ParaNorman ist nach Coraline der zweite abendfüllende Spielfilm der Produktionsfirma Laika, die sich auf Stop-Motion-Technik spezialisiert hat. Den Filmen haftet also stets etwas Handgemachtes an, eine Qualität, die auch die größte Computerkraft nicht ersetzen kann (ein weiteres schönes Beispiel dafür ist Wes Andersons Fantastic Mr. Fox, 2009).

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Die Laika-Filme sind seltsamer, unheimlicher als andere Werke ihrer Art, ihre Figuren fehlerhafter, unperfekter. In ParaNorman haben die Puppengesichter sogar unreine Haut. Gespickt mit zahlreichen geschickt eingebauten Zitaten aus der Geschichte des Horrorfilms dreht sich die Handlung um den gerichtlich verordneten Mord an einer vermeintlichen Hexe, einem kleinen Mädchen, durch verängstigte Puritaner im 17. Jahrhundert. Den Mob von damals gibt es auch heute noch: Als der Fluch sich erfüllt und die lebenden Toten wie Aussätzige auf der Straße erscheinen, greifen die Stadtbewohner zu den Waffen.

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Auch das ist ein Genre-Motiv, die aufgewiegelten Bürger, deren Gewaltbereitschaft nur zu leicht zu wecken ist und die sich schließlich gegen die eigenen gesellschaftlichen Werte richten. Schön sind hier die Details, wenn ein brennender Teddybär als „Molotowcocktail“ durch die Fensterscheibe fliegt. Schön ist aber vor allem, dass ParaNorman diesen gesellschaftskritischen Hintergrund des Genres, das er parodiert, nicht aus Angst vor Komplexität fallenlässt, sondern mühelos in einen kindgerechten Film transportieren kann.

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