Operation: Kingdom

Ein Bombenanschlag auf Amerikaner in Riad bringt ein FBI-Team in die saudi-arabische Hauptstadt. Peter Berg inszeniert einen nicht unproblematischen „clash of civilizations“ als Parabel auf Gewalt und den „war on terror“.

Operation: Kingdom Natürlich muss man am Anfang von Operation: Kingdom (The Kingdom) an George W. Bush denken, wie er am 11. September 2001 in einer Grundschule in Florida saß, als ihn die Nachricht von den Terroranschlägen erreichte. Auch FBI-Agent Ronald Fleury (Jamie Foxx) sitzt in einer Schule, er erzählt gerade den Schulkameraden seines Sohnes von dessen Geburt, als er einen Anruf bekommt: Bei einem Bombenanschlag auf eine amerikanische Siedlung in Riad gab es Tote und Verletzte. Fleury zögert nicht, als er das hört: dies ist ein Mann der Tat, ein guter Polizist.

Gegen alle Widerstände und Bedenken setzt er durch, dass er mit einem Team nach Saudi-Arabien reisen darf, um die Urheber des Anschlags zu finden. In Riad trifft Fleury auf sein Spiegelbild, den ebenso aufrechten Colonel Faris Al Ghazi (Ashraf Barhom), der die Amerikaner beschützen soll, aber auch daran hindern, dass sie die verzwickte politische Situation noch verschlimmern.

Operation: Kingdom Operation: Kingdom setzt seine Handlung mitten in eine komplexe Gemengelage und Diskussion rund um Terrorismus und das Engagement der USA im Mittleren Osten – Drehbuchautor Matthew Michael Carnahan hat da wohl so einige inhaltliche Ambitionen, hat er doch auch das Drehbuch für den in wenigen Wochen startenden Von Löwen und Lämmern (Lions for Lambs, 2007) verfasst, in dem ebenfalls der „War on Terror“ thematisiert wird. Es ist gleichwohl problematisch, dies im Gestus und mit den Mitteln des Actionkinos tun zu wollen, das sich fast automatisch eine dichotomische Weltordnung zu schaffen sucht: hier die Guten, dort die Bösen.

Regisseur Peter Berg tut immerhin einiges, um dies dem Zuschauer auszutreiben. Er setzt für Operation: Kingdom fast durchgehend Handkameras ein, was zum einen Authentizität suggeriert, als wohne man einer Reportage direkt aus einem Kriegsgebiet bei, zum anderen aber auch dafür sorgt, dass die gefilmte Situation sehr unübersichtlich bleibt. Oftmals konzentriert sich die Kamera auf das Gesicht eines Protagonisten und blendet dafür alles weitere ganz aus; zuweilen sind große Teile des Leinwandbildes einfach unscharf. Die Handschrift von Michael Mann, der auch für durchaus komplexe Filme wie etwa Heat (1995) und zuletzt Miami Vice (2006) als Produzent verantwortlich zeichnete, ist hier deutlich spürbar, und das ist sicherlich kein Makel.

Operation: Kingdom Gleichzeitig kann der Film das Versprechen, das er formal und ästhetisch zu geben scheint, inhaltlich nicht halten. Der unruhig wandernde Blick der Kamera mag für den Zuschauer irritierend sein – die Grundstruktur des kolonialen Blicks vermag er nicht aufzuheben. Saudi-Arabien bleibt hier ein fremdes, feindlich wirkendes Land. Außer Al Ghazi und einigen seiner Kollegen tritt keiner der Polizisten den amerikanischen FBI-Agenten wirklich freundlich entgegen. Aus der normalen Bevölkerung scheint jede und jeder verdächtig zu sein, bis hin zum kleinen Kind, und Operation: Kingdom unternimmt nichts, um diesen Eindruck zu zerstreuen.

Die Motive der kritisch gegenüber den Amerikanern eingestellten Menschen werden nie wirklich beleuchtet oder thematisiert, stattdessen sieht man immer wieder Menschen sich auf Gebetsteppichen niederwerfen, ohne dass die Differenzen zu dem betont unreligiösen FBI-Team, dem zu allem Überfluss auch noch eine Frau (Jennifer Garner) angehört, je ausgesprochen würden. Politisch komplexe Filme sehen anders aus, stattdessen erinnert der Film in seiner nur scheinbaren Differenziertheit an Ridley Scotts Kriegsfilm Black Hawk Down (2001).

Immerhin ein inhaltliches Wagnis geht der Film ein: Er versieht nicht nur seine beiden Heroen Fleury und Al Ghazi äußerst demonstrativ mit bis zur Grenze zum Kitsch glücklichen Familien, sondern stellt auch deren Antagonisten in den Kontext eines glücklichen Zuhauses. Anders als in den häuslichen Idyllen der guten Polizisten ist dies aber nicht allein ein Ort glücklichen Miteinanders: auch da kann der Film nicht aus seiner Haut.

Operation: Kingdom Und obwohl Operation: Kingdom uns seine Auflösung nicht vorenthält, ist das Ende nicht zufrieden stellend; auch ist es keineswegs hervorragende Polizeiarbeit, sondern der unbedingte Wille aller, sich gegenseitig umzubringen, die den Agenten schließlich ermöglicht, die Täter zur Strecke zu bringen – ein Triumph der Amerikaner ist das nicht.

Bemerkenswert ist immerhin, wie sehr sich der Film auf diese Logik der gegenseitigen Vernichtung einlässt und den Zuschauer mit hineinzieht: Die ersten Szenen von Operation: Kingdom zeigen klar die Struktur und den Ablauf des Bombenanschlags. Die Szenen erinnern zunächst noch an etwas härtere Action- und Polizeifilmkost, so dass der Zuschauer sich als Zeuge eines vergnüglichen Spektakels wähnen mag. Als dann die Bombe explodiert und Männer wie Frauen, Kinder wie Erwachsene trifft – immerhin bleibt uns der Anblick fliegender Körperteile erspart – wird der Zuschauer unversehens zum Komplizen rücksichtsloser Gewalt.

Gewalt aber, das macht der Film in seinen letzten Momenten deutlich, reproduziert sich immer selbst. Dass Operation: Kingdom genau von dieser Spirale selbst zehrt und sie zugleich aufzeigt, macht ihn zu so einer zwiespältigen Angelegenheit.

Kommentare


Martin Z.

Die ersten 90 Prozent unterscheiden sich kaum von den üblichen muslimischen Terroristenverfolgungen aus den USA. Am Anfang und am Ende unterhält uns eine heftige Explosion, die dann noch durch eine wilde Ballerei mit vielen Toten getoppt wird. Erste Probleme zwischen den Special Agents aus den USA und den Saudis vor Ort lassen aufhorchen. Aber dann kommt ein langsamer von lyrischen, sedativen Gitarrenriffs untermalter Epilog, der nachdenklich stimmt, die Akteure noch mal in Zeitlupe vorbeimarschieren lässt - und man merkt, dass ihnen das Geschehen nochmals durch den Kopf geht. Anhand von wenigen Sätzen wird der Sinn/Unsinn der asymmetrischen Kriegführung verdeutlicht und auf deren Endlosigkeit verwiesen. Und da dies im Gegensatz zum bisher Gesehenen steht, wirkt es nach. Hier heiligt mal der Zweck die Mittel.






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