On the Job

Die philippinische Hoffnung des zeitgenössischen Actionkinos.

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Aktuelle Genrefilme aus Japan, China und Südkorea laufen in Deutschland meist nicht besonders gut. Man kann im Grunde genommen schon froh sein, wenn es ab und zu ein Film auf DVD schafft. Von den Philippinen bekommt man dagegen erst gar nichts mit. Dabei gibt es dort eine lebendige populäre Filmkultur, die jenseits des Kunstkinos, das man auch hierzulande immer wieder auf Festivals sehen kann, gedeiht.

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Der Regisseur Erik Matti ist fest in diesem Kino verankert, ohne sich dabei auf ein bestimmtes Genre festzulegen. Seine Filmografie umfasst unter anderem Sexfilme (Scorpio Nights 2, 1999), durchgeknallte Superheldenparodien (Gagamboy, 2004) und Fantasyfilme (Exodus: Tales from the Enchanted Kingdom, 2005). Zuletzt drehte er mit Tiktik: The Aswang Chronicles (2012) einen spaßigen Grindhouse-Film, der amerikanisches Horrorkino mit philippinischer Mythologie kreuzt und hinter seinen Gewaltexzessen sozialkritische Töne anschlägt. An Matti, der in den letzten Jahren seinen Output deutlich erhöht hat, kommt man im philippinischen Mainstreamkino zur Zeit also nur schwer vorbei. Mit On the Job, der gerade in der Quinzaine des Réalisateurs in Cannes seine Weltpremiere feierte, hat er nun bewiesen, dass er auch im Actionfach einiges zu bieten hat. Es ist ein Film, der ohne weiteres auch international funktionieren könnte und sein verhältnismäßig geringes Budget mit souveränem Handwerk ausgleicht.

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Mit seiner ausschweifenden Erzählweise, den einfach gezeichneten Figuren und melodramatischen Untertönen ist On the Job dem Actionkino aus Hongkong nicht unähnlich. Doch während die Beiträge aus der ehemaligen britischen Kronkolonie meist auf ein Duell zweier Männer zugespitzt werden, verteilt Matti seine Handlung auf eine größere Anzahl an Figuren. Rund um einen korrupten Politiker, der unliebsame Gegner aus dem Weg räumen lässt, ordnet der Film Erzählstränge an, die von zwiegespaltenen Polizisten und skrupellosen Auftragskillern erzählen. Da wäre etwa ein in die Jahre gekommener Polizist, der einem überheblichen jungen Kollegen Platz machen muss. Der wiederum gerät in einen Gewissenskonflikt, weil sein Schwiegervater in illegale Geschäfte verstrickt ist. Und dann gibt es noch ein mordendes Duo, das zur Tarnung im Gefängnis lebt und für seine Aufträge Freigang bekommt. On the Job vollbringt das Kunststück, zwischen diesen großen, aber auch einigen kleinen Geschichten hin und her zu springen, ohne dabei die Übersicht zu verlieren.

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Auffällig ist, wie Matti den Nachwuchs in verschiedene Konflikte mit ebenso beschützenden wie bedrohlichen Vaterfiguren bringt, die in ständiger Angst leben müssen, plötzlich nicht mehr gebraucht zu werden. Am Schluss überrascht Matti im Kontext des Genres damit, auf welche Seite er sich bei diesem Kampf der Generationen schlägt. On the Job zeigt eine degenerierte Gesellschaft, in der nicht nur die Kriminalität regiert, sondern auch kein Verlass mehr auf die Menschen ist, die einem am nächsten stehen. Ehefrauen betrügen, Freundinnen intrigieren und Partner fallen einem in den Rücken. Der Film ist dabei von keinem spezifisch philippinischen Stil geprägt, bezieht sich inhaltlich aber immer wieder auf sein Herkunftsland. Der Vorspann verrät denn auch, dass die Handlung angeblich auf wahren Ereignissen basiert.

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Obwohl On the Job pessimistischer kaum sein könnte, lässt die schwungvolle Inszenierung keine Zeit zum Trübsalblasen – es ist kein Film, der an einem vorüberzieht, sondern einer, der mitreißt. Das erreicht er vor allem, indem er konsequent auf ein hohes Tempo setzt, das nur im letzten Viertel, wenn sich die Handlung auf die Gewissenskonflikte seiner Figuren konzentriert, etwas nachlässt. Rasante Schusswechsel im Neon-Dschungel Manilas wechseln sich mit Verfolgungsjagden durch dunkle Gassen ab und bestechen durch ihre atmosphärischen düsteren Bilder. Der besondere Coup des Films ist aber, dass sich seine Dynamik häufig nicht aus rasanten Schnitten, sondern aus längeren Plansequenzen speist, die von einem peitschenden Rock-Soundtrack angetrieben werden. Den Höhepunkt bilden die Szenen im Gefängnis, die nicht weniger als ein Meisterstück der Mise-en-scène sind. Mit der Bewegung eines Protagonisten wird fast eine ganze Haftanstalt erschlossen. Die Handkamera folgt ihm zur Essensausgabe, in die Wäscherei, die Duschen und den Innenhof, während es überall um ihn herum lärmt und wuselt. Allein wegen solcher atemberaubend organischen Momente kann man Erik Matti getrost zu den Hoffnungen des zeitgenössischen Genrekinos zählen.

Trailer zu „On the Job“


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