Olympus Has Fallen

Ein Terrorismus-Porno von Antoine Fuqua.

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Welche Ironie, dass die Weltpolitik einem solch altmodisch anmutenden Film noch ein wenig Aktualität schenkt: Just als Kim Jong-Un eine für Außenstehende nur schwer zu durchblickende Reihe von diplomatischen Provokationen beginnt, kommt ein Blockbuster in die Kinos, in dem die USA ausgerechnet einem Terroranschlag aus Nordkorea zum Opfer fallen. Zwar handelt es sich in Olympus Has Fallen nicht um einen staatlichen Angriff, sondern um ein klandestines Kommando, das sich bloß als offizielle Delegation der Regierung ausgibt, um ins Weiße Haus (das im Geheimdienst-Slang Olympus genannt wird) zu gelangen und den Präsidenten (Aaron Eckhart) sowie einen Großteil seines Kabinetts als Geiseln zu nehmen. Doch die Assoziationen mit den neuesten Nachrichtenbildern sind geweckt, und ein Film im Geist der 1980er nagt auf einmal am Zeitgeschehen.

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Freilich ist die Tradition des patriotischen Actionthrillers selbst keinesfalls bloßer Anachronismus, seit 9/11 vielmehr unter veränderten Vorzeichen so wirkmächtig wie eh und je – eine moralisch abgefederte Variation wie Argo (2012) konnte noch vor wenigen Monaten gar den wichtigsten Preis der US-amerikanischen Filmindustrie gewinnen. Aber eine derart gnadenlos polemisch-plakative und doch mit bitterer Ernsthaftigkeit vorgetragene Terror-Vision, wie Olympus Has Fallen sie bietet, ist man doch kaum noch gewohnt: Die von Feindeshand malträtierte US-Flagge auf dem Dach des Weißen Hauses sinkt in Zeitlupe zu Boden, drinnen stammeln stoisch-patriotische Regierungsmitglieder noch mit ausgeschlagenen Zähnen ihren Peinigern den Pledge of Allegiance ins Gesicht.

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Regisseur Antoine Fuqua hat in vielen seiner Filme die Ambivalenzen zumindest noch zitiert. Großstadtkrimis wie Training Day (2001) oder Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest (2009) versteckten ihren Pathos der Loyalität und Rechtschaffenheit hinter angedeuteten Milieustudien und ansatzweise komplexen Figuren. Hier nun darf sich Fuqua ohne diesen nervigen Krempel austoben, munter mit Helden- und Feindes-Klischees spielen – und seine Zerstörungswut unter deutlich erhöhtem Einsatz ausleben. Denn dem nordkoreanischen Kommando gelingt die Invasion des US-amerikanischen Regierungssitzes und die Geiselnahme des Präsidenten nur in Kombination mit einem weitaus aufwändigeren Terrorangriff: Ein feindlicher Flieger dringt in den Luftraum von Washington ein, feuert auf Passanten und aufs Weiße Haus, und bricht – unterstützt von nur mäßig beeindruckenden CGI-Effekten – sogar dem Washington Monument die Spitze ab.

So wird Olympus Has Fallen mit einer kuriosen Verknüpfung unterschiedlichster Patriot-Blockbuster-Motive zum ultimativen National-Security-Porno. Neben der Infiltration durch einen getarnten Staatsbesuch, welche die vor allem im frühen Kalten Krieg allgegenwärtige Gefahr hinter der harmlosen Fassade beschwört, inszeniert Fuqua einen albtraumhaften Angriff von oben, wie er zuvor nur in Kriegs- oder Alien-Invasion-Filmen zu sehen war, und schließlich bekommen wir es noch mit einem klassischen Oberbösewicht zu tun, einem der „meistgesuchten Terroristen der Welt“, der nichts weniger vorhat, als einen nuklearen Erstschlag vorzubereiten.

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Doch natürlich gibt es Hoffnung: Aus dem Innern des Weißen Hauses meldet sich Mike Banning (Gerard Butler), in den Bürodienst versetzter Ex-Bodyguard des Präsidenten, für den die unübersichtliche Lage im Regierungssitz die ersehnte Möglichkeit bietet, die Schreibtisch-Kastration rückgängig zu machen und wieder zum Mann zu werden. „I’m here. Use me“, erklärt er dem Krisenstab im Pentagon über Funk. Und dann kämpft, mordet und foltert sich Banning in bester Stirb Langsam-Manier seinen Weg in Richtung Präsidenten-Bunker, wo die halbe US-Regierung gerade zum Ausplaudern von Staatsgeheimnissen gezwungen wird. In Bannings brutaler One-Man-Show scheint zumindest mal Fuquas inszenatorisches Können durch, die undurchsichtigen Katakomben des Weißen Hauses stellen ein schön paranoides Setting für die kurzen, doch intensiven Nahkampf-Sequenzen und Adrenalinschübe dar. Aber diese Intensität steht eben immer im Dienst einer Handlung, die von der ersten Minute an vorgegeben scheint, und im Dienst einer Sache, die auf billigste Weise Ängste schürt und nationale Wachsamkeit propagiert.

So beharren Fuqua und die Produzenten in Interviews rund um den Film mit Nachdruck auf der Plausibilität und der realen Möglichkeit eines solchen feindlichen Angriffs. Das mutet angesichts der haarsträubend aufwändigen Terroraktion zwar absurd an. Aber Olympus Has Fallen ist eben nicht die vermeintlich harmlose patriotische Fabel, die bloß eine Überlegenheit der USA behauptet, sondern vermittelt als wichtigste Botschaft deren Verwundbarkeit. Es ist kein Zufall, welch wichtige Rolle die im Hintergrund immer wieder sichtbaren Fernsehbildschirme spielen, auf denen noch in einer solch apokalyptischen Situation besonnen agierende Nachrichtensprecher über Breaking-News-Bannern wie „White House Under Attack“ oder „Terrorists Capture President“ ihre Sendungen moderieren.

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Diese News-Ästhetik, auf die Fuqua auch bei den spektakulären Rettungsaktionen des letzten Drittels immer wieder zurückgreift, macht deutlich, welches Erbe 9/11 dem Blockbuster-Kino hinterlassen hat. Es geht nicht mehr darum, das Unvorstellbare als Leinwand-Fantasie zu liefern, sondern das längst Vorstellbare mit so viel Realismus wie möglich zu versehen – Nachrichten-Bilder im Voraus zu liefern. Von derartigen Terror-Exploitation-Filmen werden wir wohl weiterhin nicht verschont bleiben. Schon im Sommer kommt Roland Emmerichs neues Werk ins Kino, dessen Titel White House Down Schlimmstes befürchten lässt.

Trailer zu „Olympus Has Fallen“


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