Oldboy

Die Manga-Adaption Oldboy ist der zweite Teil einer Rachetrilogie des koreanischen Regisseurs Park Chan-Wook, der den Blutreigen vor zwei Jahren mit Boksuneun nani geot (Sympathy for Mr. Vengeance) eröffnet hatte. In diesem Jahr erhielt Oldboy den renommierten Spezialpreis der Jury, die Silberne Palme von Cannes – zurecht, wie gleichzeitig schockierte, irritierte und gefesselte Kinobesucher attestieren werden.

Oldboy

Ein Mann bahnt sich mit dem Maurerhammer einen Weg durch seine Peiniger und nichts vermag ihn aufzuhalten. Wer sich ihm entgegenstellt, muss um seine Gesundheit fürchten. Einen Widersacher entzahnt der wütende Oh (Choi Min-Sik) sogar mit eben jenem Werkzeug. Besagte Sequenz ermöglicht zwei Ableitungen, erstens: das asiatische und speziell koreanische Kino lebt von seinem Ideenreichtum, das sich zumeist in dem Ausphantasieren ausgefallenster Gewalt- und Folterarien ergeht. Zweitens: Der Schein trügt gewaltig. Denn der Angreifer ist nicht so unverwundbar wie es zunächst aussieht. Auch die Rechtmäßigkeit seiner Handlungen, hier noch implizit, relativiert sich schon bald.

Oldboy versteht sich als zweiter Teil einer Reflexion über Rache und Selbstjustiz. Filme die sich diesem Diskurs widmen, beschäftigen sich zwangsläufig mit Fragen nach Schuld, Sühne, Recht und Verhältnismäßigkeit. Nur erfolgt dies in vielen gängigen Referenzfällen extrem linear erzählt und gekoppelt an eine Entwicklungsgeschichte des vermeintlichen Helden, wie etwa bei Michael Winners berühmt berüchtigten Death Wish (Ein Mann sieht rot, 1974). Am Ende jenes Films scheinen die blutrünstigen Taten des Mannes, der seine Frau und sein Kind durch ein Gewaltverbrechen verlor, moralisch gerechtfertigt. Ein besonders abscheuliches Beispiel dieser reaktionären Rechtfertigungs- gewaltexzesse ist Joel Schumachers 8 MM (1999). Dort malträtiert der Protagonist einen Kinderschänder, ehe er telefonisch durch die Mutter die Aufforderung zur Tötung erhält. Mütter, zumal verstorbener oder traktierter Kinder, sind in Hollywood die höchste moralische Instanz und damit einhergehend die Judikative Nummer Eins, meist gekoppelt an die obligatorische Ein-Mann-Exekutive. Gleichzeitig sind Gewalttaten an Frauen und Kindern die verpöntesten und fordern somit einen Gegenschlag heraus.

Oldboy

Bei Oldboy nun werden diese Elemente neu arrangiert. Zunächst verliert der Titelheld, mit bürgerlichem Namen Oh Dae-Su, nicht seine Familie, es verhält sich andersherum. Ausgerechnet am Geburtstag der Tochter wird er seinen Liebsten entzogen, und zwar, wie sich herausstellt, für ganze fünfzehn Jahre. Völlig isoliert hält der Gefangene nur über den Fernseher Kontakt zur Außenwelt. In den Nachrichten erfährt er vom Mord an seiner Frau, den er begangen haben soll. Wie der Graf von Monte Christo entfremdet er sich zunehmend der früheren Existenz von der man ihn komplett entwurzelt hat und staut parallel einen See voll Hass in seinem beschädigten Inneren auf. Eines Tages muss dieser Damm brechen.

Auf diesen Moment wartet ein erfahrener und gleichwohl manipulierter Zuschauer. In eingangs beschriebener Szene scheint sich diese Erwartung zu erfüllen, doch dies ist eine Täuschung in dem Intrigenspiel des Regisseurs Park Chan-Wook, das den Zuschauer als Fehlgeleiteten und Opfer mit einbezieht.

In seiner Zelle trainiert Oh für diesen Moment, seine Faust zertrümmert Beton, um später menschlichen Schädeln dasselbe zufügen zu können. Parallel arbeitet er an seinem Fluchtplan. Doch als es endlich soweit sein soll, kommt ihm sein noch unbekannter Erzfeind zuvor und entlässt ihn aus der Haft. Ohs Erwachen in Freiheit könnte der Beginn eines neuen Lebens sein, doch seine Gesichtszüge offenbaren eine zu tief liegende Verstörung, um wirklich auf Heilung zu hoffen. Von nun an muss er sich einer Ahnung stellen, die zur zerschmetternden Gewissheit gerinnt: auch außerhalb seiner Zelle befindet Oh sich noch in der Gewalt seines Gegners. Die Rache geriert zu einer Odyssee in die eigene Vergangenheit, er verfolgt das eigene Ich, oder was es mal war. Park hält dies bildlich fest, wenn er Oh seinem jüngeren Ich die Treppenstufen der alten Schule folgen lässt.

Der Blick hinauf oder herunter, so strukturiert der Regisseur sein streng formalistisches Werk, einen Film über die Horizontale und das Außen wie Innen. Dabei täuschen Perspektive und Relationen fast immer in diesem Verwirrspiel, sowohl den Protagonisten als auch den Zuschauer. Graphisch wird dies bei der ersten Kerkerszene: Von außen wird Essen gereicht, der Gang ruft im Zuschauer das Erinnerungsbild immergleicher Architektur unzähliger Haftanstalten hervor. Der gebückte, aus einer winzigen Speiseluke heraufblinzelnde und gleichzeitig von der Kamera aus einer Aufsicht gefilmte Oh scheint sich in einer der obligatorischen Zellen zu befinden. Ein Gegenschnitt belehrt den Zuschauer eines besseren, Ohs Aufenthaltsort gleicht einem möblierten Appartement, sogar mit Blick nach Außen. Doch bei näherer Betrachtung erscheint der Panoramablick als Ursprung eines Bildes.

Oldboy

So wie sich die Perspektiven ständig verändern ist auch eine Zuordnung von Recht, Unrecht, Täter und Opfer bald nicht mehr möglich. Jeder Erfolg Ohs entpuppt sich als Pyrrhus-Sieg. Jede seiner gewaltsamen Handlungen erzeugt nur Gegengewalt. Die gebrochene, nicht lineare Erzählweise führt dennoch geradlinig und konsequent auf ein Ende hin, das sich in Radikalität, Hoffnungslosigkeit und Zärtlichkeit von allen bekannten Genreformaten unterscheidet.

Deshalb ist Oldboy weder mit den Gewalt- und Rachephantasien eines Takeshi Miike, noch mit einem der biederen amerikanischen Vertreter zu vergleichen. Der Vergleich mit Tarantino, dem postmodernen Pulpästheten, hinkt erst recht. Zwar zeichnen auch dessen Werke sich durch eine nicht lineare, von Einschüben und Seitenpfaden geprägte, stilisierte und hochexplosive Erzählweise aus. Doch die Abgründigkeit, Amoralität und Hoffnungslosigkeit seiner Figuren wie auch seiner Geschichte unterscheiden Park von dem ständig augenzwinkernden Amerikaner. Beider Ästhetik öffnet Mund und Augen, doch den Schrecken beansprucht der Koreaner für sich alleine.

 

Kommentare


R3cK

Ein Film, den jeder gesehen haben muss. Wer sagt, der Film sei durch einigen Szenen zu brutal, der hat kein Verständis für einen tieferen Sinn eines Filmes, sondern kratzt an der Oberfläche, den Bildern. Wer keine asiatischen Filme ansieht wird sich das erste mal schwer tun, da asiatische Charaktere sich allein vom Namen stark von den gewohnten unterscheiden, und für zunehmende Verwirrung sorgen können. Doch man sollte sich nicht abschrecken lassen, und diese Saft aus Gefühlen und Emotionen durch seinen Körper fließen lassen. Ein Film bei dem so manches so ist, wie man befürchtet, und dann doch so anders ist.
injizieren euch diesen Film.


Xearo

Einen Film als grossartig darzustellen (so wie es leider nun mal oft gemacht wird) nur weil er in irgendeiner form anders oder verwirrend ist zieht immer leute nach sich die alleine wegen dieser verwirrenden eigenschaft sich selb sugerieren den film zu mögen. In meinen Augen ist ein Film gut wenn er mich Interessiert, ich die handlung verfolgen kann und die charaktäre einermassen realitätsnah handeln.

Wiederum ist Oldboy ein Film der durch sein alter natürlich nicht durch tolle szenen oder special effects glänzt. Trotz alle dem gehört er zu der kathegorie die als "genial" bezeichnet werden es aber irgendiwe nicht sind. Meiner Meinung nach kann man sich den Film ansehen wenn man sich gerne verwirren lassen will da der film keinen tieferen sinn hat obwohl genau das die "Möchtegern" kritiker behaupten. Meiner Meinung nach Handeln die Personen im Film absolut realitätsfern und alleine diese eigenschaft regt mich so sehr auf das ich diesen film absolut hirnrissig finde da kein normaler mensch in der entsprechenden situation so reagieren würde. Damit ist Oldboy leider nicht der einzige film da ca 95% der aller filme ausschnitte enthallten bei denen ich mir ehrlich nur vor die stirn klatschen kann. Und ich rede hier nicht von since fiction oder anderen filme sondern lediglich über dramen, Horror, thriller u.s.w.

Mein Fazit,
anschauen kann man den Film schon aber man sollte nicht allzuviel erwarten da die Handlung wenig spannen verläuft und man sich den ganzen film selber ragen stellt wie die person im film in ihre lage gekommen ist






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