Oh, wie schön ist Panama

Um Janoschs Kinderbücher zu verfilmen, gründete Irina Probost eigens die Papa Löwe Filmproduktionsfirma. Nun hat sie sich nach zahlreichen Trickfilmserien fürs Fernsehen an den ersten Langfilm gewagt.

Oh, wie schön ist Panama

Ich gehörte zu der ersten Generation, der es vorgelesen wurde, damals, 1978, als es erstmalig erschien. Meine acht Jahre jüngere Schwester liebte die Janosch-Serien im Kinderfernsehen. Til Schweiger las es seinen vier Sprösslingen vor. Inzwischen beglückt es Eltern und Kinder gleichermaßen. Die Rede ist von Oh, wie schön ist Panama, Janoschs Kinderbucherfolg, der in über vierzig Sprachen übersetzt wurde und nun in der Kinoverfilmung anläuft.

Das erste, was auffällt: Er ist so glatt, der kleine Bär. Wo ist der unergründliche blauäugige Samtblick geblieben, wo die schnittig-wirre Prenzlauerbergfrisur mit den Fransen in der Stirn, die ihm so etwas sympathisch Verwegen-Verpeiltes verlieh? Und der kleine Tiger? Das Honigkuchenpferdegrinsen kennen wir ja – aber warum bloß diese grüne Nase? Und warum kann man sich als Erwachsener während des ganzen Films nicht von dem Gedanken frei machen, dass das Til Schweiger ist, der uns da den kleinen Tiger vormacht. Stark wie ein Tiger. Gut das Vorlesen geübt, Papa Schweiger. Und Anke Engelke als hinzugedichteter gescheiterter Komödiantenfisch. Da haben wir gelacht. Obwohl man sich ja fragen muss, ob seit Findet Nemo (Finding Nemo, 2003) nun wirklich kein Animationsfilm mehr ohne Fisch auskommen kann. Diese gleitenden Bewegungen als Herausforderung, die Kunst der Animation, jaja.

Oh, wie schön ist Panama

Aber glücklicherweise ist da ja noch die Tigerente. Die rettet mal wieder alles. Wer auch sonst. Sperrig und steif wie immer, holpert sie, rattert, rollt und schwimmt überallhin mit. Und der rote Topf und die Angel natürlich, nicht zu vergessen. Und dann ist da noch der Hintergrund: das gute, alte Haus mit dem Schornstein, die Felder und Bäume. Die ritualhaft wiederholten Sentenzen von Janosch über Freundschaft, Miteinander und gemeinsame Stärke sind auch geblieben. Ebenso wie der Tiger, der durch den Wald kriecht und Pilze findet, nicht sucht, nein: „findet“. Wie es überhaupt im Buch letztlich mehr um das Finden als um die Suche geht.

Oh, wie schön ist Panama ist ein Animationsroadmovie geworden. Die Reise auf der Suche nach dem Land ihrer Träume, wo alles größer, schöner und besser ist, führt den kleinen Tiger und den kleinen Bär um einiges weiter als das Buch: durch Fährnisse und Stürme, Zugfahrt und Schiffbruch eingeschlossen, auf eine einsame Insel, die sie für das gelobte Panama halten. Als die beiden Helden jedoch das Bananenragout über haben, sich nach Pilzen und Fischen sehnen und entdecken, dass eine einsame Insel nicht Panama sein kann, machen sie sich erneut auf den Weg. Und landen – ja, wo wohl. Das also bleibt gleich. Auch wenn der eigentliche Witz der Geschichte weg ist, wenn Tiger und Bär doch weiter kommen als einmal um den nächsten Hügel herum.

Oh, wie schön ist Panama

Das Schöne an dem Film aber ist, dass er auch den Zuschauer auf eine Reise mitnimmt, eine Alice-im-Wunderland-Reise in ein altes Kinderbuch. Da sind erst einmal diese Bilder, die alle irgendwo aus der Erinnerung bekannt sind, zweidimensional wie Kulissen voreinander geschoben. Ein Schmetterling fliegt mitten hindurch und führt uns ein in diese Welt von Tiger-Bär-Wiesen und -Bäumen. Erst langsam erlangt der Film eine Art animierte Dreidimensionalität. Er zeigt uns Klein- und Kleinstlebewesen, die im Buch unseren Augen vorenthalten waren, so zum Beispiel eine Spinne in Erwartung der Beute beim Zeitungslesen. Hinzu gekommen sind solche liebenswerten Details, die sich wunderbar in Janoschs Welt einfügen.

Hier zeigt sich die Erfahrung, die die Produktionsfirma Papa Löwe schon mit früheren Janosch-Serien für den SWR und NDR sammeln konnte. Irina Probost hatte die Firma eigens zu diesem Zweck gegründet und schaut auf eine mehrjährige Zusammenarbeit mit dem Buchautor zurück. Das Storyboard schuf der tschechische Animationsregisseur Martin Otevrel. Von ihm stammen viele der künstlerischen Ergänzungen zu der Janosch-Vorlage. Die Animation übernahm das Studio Orange in Bielsko Biala. Anschließend wurden bei Papa Löwe in München die verschiedenen Arbeitsschritte zusammengeführt und 3-D-Spezialeffekte eingefügt. Einer dieser 3-D-Effekte ist unsere gute alte Tigerente.

Vorwerfen kann man dem Film vielleicht, dass er sich nicht wirklich entscheidet, ob er die nostalgisch-schlichte zweidimensionale Animation einer der Langsamkeit verpflichteten Buchvorlage sein will oder ein 3-D-Kinderroadmovie voller Action. So wechseln Szenen sehr getreuer Bildwiedergabe der Vorlage ab mit stark filmischen Bildfindungen, zum Beispiel wenn sich der Mond am Nachthimmel nur als seine Spiegelung im Wasser entpuppt, die eine erschreckt auffliegende Ente mit dem Fuß in auseinander treibende Ringe auflöst. Nebenbei bemerkt ist das alles sehr dramatisch für zarte Kinderseelen, besonders die lebensbedrohlichen Sequenzen, in denen Sturm und Schiffbruch die beiden Freunde gefährden. Aber auch durchaus reizvoll für Liebhaber bewegter Zeichentrickbilder.

 

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