Offset – Kritik

Seltsame Rumänen und schüchterne Deutsche in deprimierend grauer Umgebung. Regisseur Didi Danquart malt in Offset ein dunkles Bild der Liebe und versucht gleichzeitig, die unüberbrückbaren Unterschiede zwischen den Kulturen aufzuzeigen.

Offset

Korruption, ein schwerfälliger Justizapparat und schlechte Infrastruktur. Nein, Rumänien ist noch nicht bereit für den Beitritt in die EU. Und damit es alle begreifen, hat Didi Danquart gleich einen ganzen Film darüber gemacht. Offset zeigt, dass eigentlich alle Vorurteile über Rumänien stimmen und dass in diesem Land noch einiges im Argen liegt. Der Zuschauer sieht heruntergekommene Mietskasernen, ramponierte Straßen und klapprige Kleinwagen. Matsch und ein dauerhaft fahler Himmel erwecken den Eindruck, das Leben in diesem Land sei eine einzige harte Prüfung.

Wenn dann der Bösewicht Iorga (Razvan Vasilescu) auftritt, weiß jeder Zuschauer, dieses Land ist verloren, weil es dort so viele Männer wie ihn gibt. Er ist hässlich, selbst seine Finger sind behaart mit Wuscheln, die an Theo Waigels Augenbrauen erinnern. Er ist egoistisch, ein knallharter, verbrecherischer Geschäftsmann. Er ist ungehobelt, hat zwar ein hochmodernes Haus, läuft darin aber im Jogginganzug herum. Und seine Frau behandelt er wie ein Stück Dreck, denn er liebt seine junge hübsche Sekretärin Brindusa (Alexandra Maria Lara).

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Brindusa ist der Mittelpunkt aller Konflikte. Um sie herum spinnt Danquart ein Netz aus Szenen, die darstellen sollen, die Unterschiede zwischen dem alten Europa (Deutschland und Frankreich) und dem wilden Osten (Rumänien) sind zu groß. Die Menschen verstehen sich einfach nicht. Die Sprache, die Kultur, die Erwartungen ans Leben – alles viel zu weit auseinander. Aber in dem größten Konflikt, nämlich dem um Brindusa, geht es nicht um Ost oder West, sondern um Liebe. Brindusa möchte den jungen Deutschen Stefan (Felix Klare) heiraten, einen Angestellten von Iorga. Der tut wiederum alles, um dies zu verhindern. Und Brindusa scheint doch noch etwas für ihren ehemaligen Geliebten Iorga zu empfinden. Der Rumäne und der Deutsche bekämpfen sich also nicht, weil sie mit der Demokratieauffassung des anderen ein Problem haben, sondern weil beide die gleiche Frau lieben. In Herzensangelegenheiten würden sich alle gleichermaßen streiten: Bayern und Ostfriesen, Franzosen und Amerikaner, auch Israelis und Palästinenser. Vorurteile oder selbst uralte Konflikte dienen dann nur als ein Vorwand. Brindusas Hin und Her taugt also nicht als ein Beispiel für die unvereinbaren Differenzen zwischen den Kulturen. Wohl aber für die Unberechenbarkeit der Liebe.

Offset löst beim Zuschauer eine große Beklemmung aus. Eigentlich sind die Fronten klar: hier der Dreckskerl, da das junge Glück. Alle wissen, dieser Iorga ist böse. Alle sehen aber auch, Brindusa kommt von ihm nicht los. Aber warum? Warum steht sie nicht einhundertprozentig zu ihrem Verlobten Stefan? Was findet sie an Iorga? Der Zuschauer versteht sie nicht und er verzeiht ihr nicht. Man sieht eine verzweifelt mit sich ringende Frau, leidet aber nicht mit ihr. Man leidet mit sich selbst. Mit seinen eigenen Hoffnungen auf ein glückliches Ende.

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Danquart zerstört das Bild von der perfekten Liebe. Immer und immer wieder schmeißt er dem Zuschauer Brocken hin, die ihn ahnen lassen, das wird nicht gut ausgehen. Die Vernunft spielt für die Charaktere absolut keine Rolle. Sie handeln so, weil sie in ihrem Innersten wissen, ob sie wirklich lieben oder nicht. So gelingt es Danquart, dass der Zuschauer sich am Ende mit niemandem identifiziert, aber auch niemanden vollkommen verteufelt. Der Regisseur zeigt, dass viele Geschichten keinen klaren Verlierer, aber auch keinen eindeutigen Gewinner haben.

So sind die stärksten Szenen auch jene, in denen die Protagonisten leidenschaftlich oder genervt miteinander streiten. Ihre wahren Gefühle kommen nicht in schönen Momenten, sondern in Konfliktsituationen zum Vorschein. Der Regisseur stellt nicht in Frage, ob es Liebe gibt, sondern wie man dem anderen seine Liebe zeigt. Wer in seiner Verzweiflung selbst die schlimmsten Dinge tut, kann den anderen damit für sich gewinnen. Der andere muss nur erkennen, dass man es auch wirklich ernst meint. Verliebte können nicht wissen, was sie falsch oder richtig machen. Sie tun es einfach. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Danquart hat einen entwaffnenden und beklemmenden Film über die Liebe gedreht. Doch so sehr er die Grundfeste der schönen und befreienden Hingebung erschüttert, für eine Aufklärung über die kulturellen Unterschiede reicht es auf keinen Fall. Die Liebesgeschichte von Offset ist einfach zu universell, als dass sie als Beleg für einen europäischen Graben taugen könnte.

 

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