Ocean’s Twelve

Happy Together: Steven Soderberghs Fortsetzung seines Films Ocean’s Eleven (2001) zelebriert das Zusammentreffen alter Freunde. Neben den Stars aus dem ersten Teil (George Clooney, Brad Pitt, Julia Roberts) ergänzen diesmal Catherine Zeta-Jones und Vincent Cassel die hochkarätige Besetzung. Leider fehlt der Gaunerkomödie der rechte Biss und man fragt sich, wieso Soderbergh das Team von Danny Ocean (Clooney) ein weiteres Mal ins Rennen schickte.

Ocean’s Twelve

Irgendwann holt einen die Vergangenheit wieder ein. So geht es auch Danny Ocean (George Clooney), der sich gerade mit seiner Frau Tess (Julia Roberts) in einem gutbürgerlichen Heim niedergelassen hat. Vor drei Jahren raubte er mit einem ausgewählten Spezialistenteam in einem spektakulären Coup das Casino von Terry Benedict (Andy Garcia) aus. Nun hat der Geschäftsmann aus Las Vegas die Bande ausfindig gemacht und will sein Geld zurück, samt Zinsen. Wieder zusammengetrommelt entscheidet sich die Gruppe erneut auf Beutezug zu gehen, um Benedict zu bezahlen. Da die Jungs in den Staaten zu „heiß“ sind, verschlägt es sie diesmal nach Europa.

Ein eindeutiges Erfolgsrezept für Fortsetzungsfilme gibt es nicht. “Never change a winning team” mag das Motto der Produzenten gewesen sein, um den Erfolg von Ocean’s Eleven (2001) zu wiederholen. Allein die Begründung „weil der 1. Teil Geld gemacht hat“ reicht aber nicht aus für die Legitimierung einer Fortsetzung. Jedoch scheint dies eine wichtige Triebfeder von Steven Soderberghs jüngster Regiearbeit zu sein, wobei der Film den vielleicht obligatorischsten Aspekt eines Folgefilms vernachlässigt: Ocean’s Twelve liefert dem Zuschauer keinen ausreichenden Grund sich den Figuren ein weiteres Mal für 120 Minuten zu widmen. Es macht bisweilen Spaß dem Ensemble zuzuschauen, nur setzt der Film allzu sehr auf den Charme seiner Figuren und zu wenig auf die Motivation ihrer Handlungen.

Ocean’s Twelve

Dabei gab sich der Regisseur Soderbergh sichtlich Mühe seinen Film durch visuelle Vielfältigkeit von aktuellen Hollywoodproduktionen abzusetzen. Mit Vorliebe bewegt sich Soderbergh in der formalen Gestaltung seiner Arbeiten durch die Filmgeschichte. So erinnern schnelle Zooms und Freeze Frames bei der Einführung von Rusty Ryan, der von Brad Pitt verkörperten Figur, an die Filmästhetik der 60er und 70er Jahre. In einer späteren Einbruchssequenz benutzt Soderbergh hingegen eine Digital-Video-Kamera, womit er einerseits an Dogma-Filme und jüngere Kinoproduktionen wie Ali (2001) anknüpft und dem Film andererseits den Look von Aufnahmen einer Überwachungskamera verleiht.

Soderbergh erfindet sich nicht neu. Wie schon in seinen vorangegangenen Arbeiten wird sich der Zuschauer wiederholt des Mediums Film bewusst, indem ungewöhnliche Kamerapositionen gewählt werden, Sprünge in die Erzählung eingebaut sind und teilweise schwarzweiß-Material verwendet wird. In Filmen wie Traffic (2000) oder The Limey (1999) gelang es dem Regisseur seine Bildästhetik, die als Innovation im Retrolook bezeichnet werden kann, für die Charakterisierung der Figuren zu nutzen und mit der Erzählung zu verknüpfen. Dies gelingt ihm in Ocean’s Twelve nicht. So offenbart die einfallsreiche Bildsprache das Kernproblem des Films: Schwächen in der Dramaturgie und ein fehlendes Handlungskonzept scheint Soderbergh durch eine unbändige Experimentierfreude mit filmischen Mitteln wieder wettmachen zu wollen.

Ocean’s Twelve

Neben der unausgegorenen Handlung, die über weite Strecken auf der Stelle tritt, zerfasert das Ungleichgewicht zwischen den großen Stars (Clooney, Pitt, Roberts, Damon) und den nicht minderbegabten Schauspielern der übrigen Gaunertruppe den Film zusätzlich. Schauspielern wie Don Cheadle wird praktisch kein Raum gewährt sich zu profilieren, was schon an Verschwendung grenzt. Dem gegenüber stehen die vielen Szenen mit Fokus auf die große Namen in der Besetzung, die sich hier nach Lust und Laune austoben konnten. Sorgte im ersten Teil noch die Dynamik der zusammengewürfelten Truppe für Witz und Tempo, scheint es, als wolle Soderbergh in seinem Fortsetzungsfilm nicht zu offensichtlich an Ocean’s Eleven anknüpfen. So setzt der Regisseur die Beziehungen innerhalb der Einbrechergruppe oft ohne jegliche Anteilnahme in Szene, wenn es sich nicht gerade um Clooney, Pitt oder Damon handelt. Gelegentlich mutet dies nicht nur seltsam an, sondern führt auch zu einigen leidlich komischen Gageinlagen. Es scheint als würden die übrigen Gauner von Oceans Truppe zur zweiten Riege degradiert.

Der betont leichtfüßige Charakter des Films wird immer wieder durch betont ernste schauspielerische Momente gebrochen. Geltungsbedürftig scheinen die großen Stars ihr Können unter Beweis stellen zu wollen, was zu einer unmotivierten Aneinanderreihung von teils großen Schauspielszenen führt. Nur beeindrucken die Stars nicht ausschließlich, sie scheinen mit ihrer Präsenz den Film und die übrigen Darsteller zu erdrücken.

Aufgrund des Einsatzes der verschiedensten filmischen Erzählmöglichkeiten bleibt der Film handwerklich souveränes Kino. Die einfallsreiche Bildsprache, die Soderbergh mit dem frischen Enthusiasmus eines Filmstudenten in Szene setzt und einige gelungene Überraschungen bieten leichte Kinounterhaltung mit einem Augenzwinkern. Die fehlende Stringenz in Ocean’s Twelve zeigt jedoch, dass auch der Oscarpreisträger Steven Soderbergh mit einem Erfolgsrezept für gelungene Fortsetzungen nicht aufwarten kann.

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