Ocean’s 13
In der zweiten Fortsetzung von Steven Soderberghs Ocean’s Eleven wollen Danny Ocean und seine Freunde wieder ein Casino ausnehmen – und bleiben dabei so cool und elegant, wie man das inzwischen gewohnt ist. Das Ergebnis: eine gut geölte Unterhaltungsmaschine ohne Ecken, Kanten und echte Spannung.

Wenn man sich fragt, was den Sinn oder auch nur den Charme von Remakes ausmachen möge, so ist diese Frage bei einigen Heist Movies leicht zu beantworten: Das Ausrauben einer Bank, der möglichst elegante und unblutige Trickbetrug ist immer wieder etwas, das zum Beispiel durch noch modernere Computersysteme und noch elaboriertere Sicherungsmaßnahmen neue Volten der Handlung erlaubt. Diese dürfen dann natürlich gerne mit ebenfalls durch neueste Technologie ermöglichten Spezialeffekten inszeniert werden.
Das alles bleibt aber leblos und uninteressant, wenn nicht wenigstens das Drehbuch spüren lässt, dass der Hauch einer originellen Idee in den Film eingeflossen ist. Mit solcherlei außergewöhnlichen Ideen kann man, wie 2006 etwa Spike Lees Inside Man bewies, auch leicht auf Computerbrimborium verzichten, dessen Inszenierung ja auch so ihre Tücken hat: Es gibt kaum Langweiligeres als einem einsam vor Tastatur und Bildschirm hockenden Mann zuzusehen.
Auch Ocean’s 13 (Ocean’s Thirteen), die zweite Fortsetzung von Ocean’s Eleven (2001), will sich nicht mit den Details der Technik beschäftigen, die zu überwinden ist. „Analog players in a digital world“ nennt eine Figur die Profidiebe um Danny Ocean (George Clooney), und auch wenn das nicht ganz stimmt, wie sich im Lauf der Geschichte zeigen wird, so ist es doch filmische Methode. Die digitalen Hindernisse werden en passant überwunden, während sich der Film auf Analoges konzentriert: Ein großer Bohrer tief in der Erde, kleine Eitelkeiten reicher Männer und die Spielsucht von Menschen im Casino.

Wie Ocean’s Eleven ist auch Ocean’s 13 wieder in Las Vegas angesiedelt: Willie Bank (Al Pacino) will ein neues Casino und Hotel aufmachen – nicht sein erstes, aber dieses soll großartiger und erfolgreicher werden als seine anderen, und er nennt es, ganz bescheiden, nach sich selbst „The Bank“. Bank ist ein arroganter Schnösel, eitel und voller Überheblichkeit, so wie es Andy Garcias Terry Benedict in Ocean’s Eleven war. Dass dieser Benedict, der also in den ersten beiden Filmen Danny Oceans wenig zimperlicher Gegenspieler war, nun zum Finanzier von Danny und seinen Spießgesellen wird, soll der Geschichte wohl eine ironische Wendung und zugleich neues Feuer geben.
Von beidem kann aber keine Rede sein, und das liegt daran, dass sich Regisseur Steven Soderbergh überhaupt nicht für seine Figuren interessiert, vielleicht sogar noch weniger als im Vorgängerfilm Ocean’s Twelve (2004): Manche Mitglieder aus Dannys Gruppe, die in Ocean’s Eleven noch eine einigermaßen bedeutsame Rolle spielten, etwa der Akrobat Yen (Shaobo Qin), haben in Ocean’s 13 nur noch so wenige und unwichtige Auftritte, dass man richtig Mitleid für sie empfinden könnte.
Die Handlung ist sprung- und lückenhaft erzählt; immer wieder setzt sie an neuen Punkten des großen Plans an, den Danny mit Rusty Ryan (Brad Pitt), Linus Caldwell (Matt Damon) und Konsorten ausheckt. Natürlich ist die elliptische Erzählweise Programm, erlaubt sie es doch, noch Überraschungen für den letzten Akt offen zu lassen.

Im Mittelpunkt steht einerseits statt der Figuren der Ablauf des erfolgreichen Raubzugs, die Eleganz seiner Planung und Durchführung. Dass Bank mit Reuben Tishkoff (Elliott Gould) ein Mitglied aus Dannys Bande über den Tisch zieht, ist zwar explizierte Motivation für die ganze Handlung, emotional wird es in Ocean’s 13 jedoch nie. Und kitschig, gar tränenrührig, schon mal gar nicht. (Nur gelegentlich erlaubt man sich einen Hauch Selbstironie. Aber selbst das ist cool.) Denn Ocean’s 13 ist andererseits, und da ist er dem Vorbild der Remakes, dem „Rat Pack“-Klassiker Frankie und seine Spießgesellen (Ocean’s Eleven, 1960), zumindest in einer Hinsicht völlig treu, ein Film, der sich vor allem um Haltung und Stil bemüht.
Mit Splitscreens, Handkamera und Zoom bietet der Film, knallbunt garniert, ästhetisch nichts, was nicht schon die beiden Vorgängerfilme ausgezeichnet hätte, aber das ist ja nichts Schlechtes, denn handwerklich, das darf man neidlos eingestehen, schüttelt Soderbergh diesen Film so lässig und cool aus dem Handgelenk wie seine Schauspieler die Diebestruppe.
Ocean’s 13 ist so ein flottes und unterhaltsames Stück Kino, trotz zahlreicher Wendungen ohne Momente großer Spannung oder Verzweiflung. Und obwohl einem die Figuren ziemlich egal bleiben, guckt man sich das gerne an, weil schöne Menschen coole Dinge tun und sagen, während sie gelegentlich kleine Scherze machen. Danach ist man allerdings auch nicht das kleinste bisschen erstaunt, dass der Plan der Gentlemen-Ganoven Erfolg hat – zumindest für die Zuschauer hat Danny Ocean keine Überraschungen mehr in der Hinterhand.
Filmkritik von Rochus Wolff
Veröffentlicht am 07.06.2007
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Film-Angaben
Titel: Ocean’s 13
Originaltitel: Ocean’s Thirteen
USA 2007
Laufzeit: 122 Minuten
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Brian Koppelman, David Levien
Produktion: Jerry Weintraub, Andy Garcia
Darsteller: George Clooney, Brad Pitt, Matt Damon, Don Cheadle, Ellen Barkin, Al Pacino
Kinostart: 07.06.2007
Copyright Ocean’s 13
Fotos: © Warner Bros.
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