Oblivion

Perfektes Design.

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Um eine neue Zukunft zu ermöglichen, muss die Vergangenheit ausgelöscht werden. In Oblivion wird zunächst eine traditionelle christliche Weltordnung etabliert: Unten, wo einst die Erde war und sich heute nur noch eine radioaktiv verseuchte und von Aliens bevölkerte Landschaft befindet, herrscht das Böse, oben, wo sich die überlebenden Menschen auf einen fernen Planeten gerettet haben, das Gute. Dazwischen, auf einer in den Wolken schwebenden Überwachungsstation, lebt der Techniker Jack Harper (Tom Cruise) mit seiner Kollegin und Lebensgefährtin (Andre Riseborough). Jeden Tag kehrt er aufs Neue in die frühere Heimat zurück, um Drohnen zu reparieren, mit denen „Plünderer“ ausgeschaltet werden. Und obwohl der Blick nach der offiziellen Gedächtnislöschung nach vorne gerichtet ist, bahnen sich immer wieder Erinnerungsfetzen von einer Unbekannten auf dem Empire State Building ihren Weg in sein Bewusstsein. Als Jack kurz darauf genau jene Frau aus einem abgestürzten Raumschiff birgt, beginnt die neue alte Weltordnung zu bröckeln.

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Oblivion erzählt eine Geschichte, wie sie im Science-Fiction-Kino schon oft erzählt wurde: Ein Auserwählter erfährt, dass er eine Lüge lebt, und macht sich daraufhin an die Rettung der Menschheit. Relevanz wird dieser zentralen Heldengeschichte noch durch einige aktuelle Bezüge verliehen. So wurde die Erde beispielsweise erst durch einen nuklearen Krieg unbewohnbar. Man sollte solche Verweise aber nicht überbewerten, denn auch wenn in der Welt der Science-Fiction gerne Sozialkritik in Form einer überspitzten Zukunftsvision geübt wird, zeigt sich Oblivion daran wenig interessiert. Für Joseph Kosinski, der sich bereits mit Tron: Legacy (2010) einen Namen als Liebhaber von glatten Oberflächen und geschwungenen Linien gemacht hat, bietet die Zukunft vor allem die Möglichkeit, eine alternative Welt zu entwerfen, in die der staunende Zuschauer entführt wird. Oblivion ist perfektes Design, und so wie die Ästhetik von Tron: Legacy ganz auf das Schwarz der Computerwelt abgestimmt war, dominiert diesmal das für Dystopien eher ungewöhnliche Weiß.

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Mit einem erneut hervorragenden Produktionsdesign von Darren Gilford, der aus einem Raumschiff, gewalttätigen Kühltürmen und der futuristisch-minimalistischen Zwischenstation Meisterstücke modernistischer Architektur zaubert, mit einem Soundtrack der französischen Elektropop-Band M83, der von Anthony Gonzalez’ anschwellenden Orchesterklängen ins Monumentale erhoben wird, und mit CGI-generierten Gebilden und Landschaften, die nicht nur als Entwurf gut aussehen, ist der Film in eine fast vollkommene Verpackung gehüllt. Doch was verbirgt sich dahinter?

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Bereits bei Tron: Legacy wurde Kosinski mehrfach vorgeworfen, sein Film sei seelenlos, verliebt in den eigenen Look und zu wenig interessiert am klassischen Geschichtenerzählen. Bei Oblivion wird das vermutlich nicht anders sein. Allerdings ist gerade das die große Stärke von Kosinskis Kino, dessen Wurzeln wenig überraschend bei Werbespots und Computerspielen liegen. Schließlich werden Schauwerte hier nicht dazu genutzt, vom Wesentlichen – der Handlung – abzulenken. Vielmehr ist das äußere Erscheinungsbild das Wesentliche oder zumindest nicht weniger bedeutend als die Story oder der gewohnt großspurig dreinblickende Tom Cruise.

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Dementsprechend gibt Kosinski seinen Zuschauern immer wieder Zeit, das Schöne zu genießen. Er lässt seine Figuren elegant in Swimmingpools treiben, mit dem Motorrad durch die Wüste brettern oder über erhabenen Vulkanlandschaften schweben. Auch narrativ tendiert der Film nicht dazu, alles der Funktion eines Haupterzählstrangs unterzuordnen, sondern lässt jede Facette für sich wirken. Oblivion ist sowohl dramatische Liebesgeschichte als auch rummsendes Actionspektakel und revolutionäres Abenteuer über auf der Erde zurückgelassene Menschen in Mad-Max-Montur, wenn auch nie gleichzeitig. Gerade für einen Mainstreamfilm nimmt sich Oblivion streckenweise viel Zeit. Zeit, damit sich einfache Situationen in schicken Settings entfalten können und die Sinne stimuliert werden. Wenn man aufgeblasenem Big-Budget-Kino weniger wohlwollend gegenüber steht, könnte man das auch als Überwältigungskitsch bezeichnen. Vielleicht, aber wer lässt sich nicht gern überwältigen, wenn es auf so hohem Niveau geschieht?

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So schön die Oberfläche in Oblivion ist, man darf auch ruhig ab und zu einen Blick dahinter werfen. Denn während der Film mit seinem Gerede vom Vaterland und dem Triumph der traditionellen Familie zunächst wie der Träger einer konservativen Ideologie wirkt, bieten sich bei näherem Hinsehen doch deutlich mehr Reibungspunkte. Wer sich überraschen lassen will, sollte jetzt besser aufhören zu lesen. Denn besonders durch den Umgang mit seinem so gar nicht einzigartigen Helden erweist sich der Film als ungewöhnlich. Es ist schon bezeichnend, dass Jacks Erkenntnis, nur ein Klon unter Tausenden zu sein, ihn nicht einmal in eine kleine Identitätskrise stürzt. Stattdessen wird diese vermeintliche Schreckensvision pragmatisch als Gegebenheit gesehen. So ist sogar für den möglichen Märtyrertod im Ernstfall gesorgt, weil einer der zahlreichen Stellvertreter das eigene Leben weiterführen kann. Und wenn sich das Böse plötzlich oben befindet, ist ohnehin auch der Himmel auf Erden möglich.

Trailer zu „Oblivion“


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Kommentare


Karl

Wer Endzeitfilmfan ist sollte den Film sehen. Wer Islandfan ist sollte den Film Sehen. Der Rest kann sich den Film fürs Fernsehen aufheben.


Fritz

Schreibe normalerweise keine Kommentare, aber bei dieser Kritik muss es sein. In einigen Punkten muss ich dem Autor recht geben: Die Architektur, das Set- und Propsdesign ist toll und auch der Soundtrack ist ok, obwohl er uns Emotionen verkaufen will, die der Film eigentlich nicht hergibt - Denn das Storytelling ist einfach nur mies. Kienzl versucht hier Scheiße als Gold zu verkaufen.

-"Schließlich werden Schauwerte hier nicht dazu genutzt, vom Wesentlichen – der Handlung – abzulenken." Ja, das stimmt, weil es streckenweise keine Handlung gibt.

-"Kosinski (*gibt) seinen Zuschauern immer wieder Zeit, das Schöne zu genießen." - Soll heißen der Film hat Längen.

-"Auch narrativ tendiert der Film nicht dazu, alles der Funktion eines Haupterzählstrangs unterzuordnen, sondern lässt jede Facette für sich wirken." - Das spricht für sich. Ich empfehle dem Autor David Mamet zu lesen.

-"Oblivion ist sowohl dramatische Liebesgeschichte als auch rummsendes Actionspektakel und revolutionäres Abenteuer über auf der Erde zurückgelassene Menschen in Mad-Max-Montur, wenn auch nie gleichzeitig" - Genau, der Film weiß nicht was er will. Das Genre betreffend, aber auch hinsichtlich der Story. Der Film beinhaltet so viele Zitate, dass man nicht mehr von Zitaten sprechen kann, sondern nur noch von einem schlechtem mash-up. Hier die Filme: Odyssee 2001 (Das Auge von HAL), MOON, Terminator, Matrix, Independence day (Die Bombe mit dem Ufo), Dune, etc.

"Wenn man aufgeblasenem Big-Budget-Kino weniger wohlwollend gegenüber steht, könnte man das auch als Überwältigungskitsch bezeichnen." Könnte man und würde man, falls man eine anständige Kritik schreibt.

"Denn besonders durch den Umgang mit seinem so gar nicht einzigartigen Helden erweist sich der Film als ungewöhnlich." - Ja, sehr ungewöhnlich, wenn man die letzten Jahre auf dem Mond (Moon) gelebt hat.

"Es ist schon bezeichnend, dass Jacks Erkenntnis, nur ein Klon unter Tausenden zu sein, ihn nicht einmal in eine kleine Identitätskrise stürzt." - Noch ein Beispiel für schlechtes Storytelling und ein noch besseres Beispiel für die Inkompetenz des Autors.

@ critc.de - Sorry für das Bashing. Ist sonst nicht meine Art. Aber die Kritik war wirklich mies.


ulle

Oblivion ist vor allen Dingen eines: Ein zusammengklaubter Klischeequatsch, dessen Hauptteile aus Matrix, Mad Max, der englische Patient, KI, Wüstenplanet, Predator, Star Wars uvm. bestehen. The rest of it ? Computer Games.
Ein Beweis mehr, dass diese Filme hochsubventionierte Abschreibungsprojekte von Reichen und Superreichen sind. Schneeballsystem Hollywood. Je mehr Verlust eingefahren wird , umso besser für die Finanzierer, pardon "Produzenten" (meist Kinder von Superreichen wie auch hier)


fifty

Dieser Film passt Herrn Cruise wie angegossen, denn so selbstverliebt und schablonenhaft wie sein Schauspiel ist der Film ebenfalls - das allerdings dermaßen konsequent, dass ich teilweise das Gefühl hatte, ich würde vor lauter Atmosphäre und Soundspielerei keinen Film gucken sondern träumen. Die Hütte am See etwa ist so frech in die Story gestellt, dass ich schon ein bisschen begeistert war. Nostalgiedesign versus Appledesign! Wackelkopfmaskottchen versus lebendiger Fisch! Und die Frauen immer perfekt frisiert und geschminkt! Träume leben ja schließlich auch von umgemodelten Zitaten und perfekten Atmosphären, oder? Die Terminatordrohnen hätte ich mir übrigens für einen echten Terminatorfilm gewünscht, die sind wirklich gruselig! Aber leider gab es ja nur zwei Terminator Teile: die von James Cameron.






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