Nur für Personal

Philippe Le Guays Film zeigt auf lockere und unterhaltsame Weise, wie man aus Not eine Tugend macht.

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Nur für Personal schiebt dreierlei soziale Grenzen übereinander, und alle drei locken den braven Anlageberater Jean-Louis (Fabrice Luchini), aus seinem bürgerlichen, den Konventionen der Pariser Gesellschaft der frühen 1960er unterworfenen Dasein auszubrechen. Seit das neue Dienstmädchen María (Natalie Verbeke) die Hausarbeiten für ihn und seine klassenbewusste Alabaster-Ehefrau Suzanne (Sandrine Kiberlain) erledigt, entbrennt in ihm eine unstillbare Faszination für die Bewohnerinnen der Dienstetage, ganz oben, im 6. Stock. Dort deutet sich dem verstockten Franzosen ein kleines Märchenreich an: Arme, spanische Frauen hausen da ohne Heizung und funktionierende Toilette. Arm! Das heißt für Jean-Louis so viel wie: frei. Spanierinnen! Das heißt: exotisch, dunkel, leidenschaftlich. Echte Frauen! ... und nicht so knochige Mannequins wie seine Gattin und ihre Bridge-Kolleginnen.

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Nur für Personal begibt sich nie fernab der Konventionen romantischer Culture-Clash-Komödien, aber seine fehlenden Ambitionen kann man dem Film schlecht vorwerfen. Regisseur Phillip Le Guay versteht es, innerhalb der nie in Frage gestellten Prämissen der Feel-Good-Unterhaltung, einige präzise Beobachtungen sozialer und sexueller Zwänge und Hemmnisse mit sanftem Humor zu verknüpfen. Dabei gesteht er seinen Figuren genug Unsicherheiten zu, damit sie sich immer wieder aus der Klischeefalle befreien können.

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Die Klassenverhältnisse sind in Nur für Personal auf durchaus clevere Weise umgestülpt: Die Bediensteten werkeln nicht unsichtbar in den Kellergeschossen, um die Welt der Wohlhabenden vor dem Kollaps zu bewahren (wie in Altmans Gosdorf Park (2001)), sondern schweben über ihnen, unter dem Himmel, in der Einfachheit des Lebens allen Wirrnissen der Etikette enthoben. Ihre Armut, ihr Exil, ihre Trauer: für Regisseur LeGuay Zeichen einer wirklichen Menschlichkeit, die den versnobten Franzosen abgeht und nach der sie sich sehnen. Auch sind die Franzosen vom Leben wie vereinzelt, während die Spanierinnen immer im Kollektiv auftreten. Nicht zuletzt durch seine räumliche Konstruktion bekommt Nur für Personal etwas Luftiges, fernab der Wirklichkeit Schwebendes, was eine charmante Idee ist, aber deren letztendlicher Gehalt andererseits auch altbekannt und naiv ist. Das Fremde ist das Wahre inmitten des entfremdeten Daseins. So verlockend die Vorstellung eines Reichs der Mütter unter dem Dach also auch ist – ein bisschen fehlt einem manchmal der dunkle Keller. 

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