Nick und Norah - Soundtrack einer Nacht

Zeitgemäße Romantik muss nicht auf Mix-Tapes verzichten.

Nick und Norah - Soundtrack einer Nacht

Es ist nicht einfach, hetero zu sein. Für Nick (Michael Cera), den einzigen Nicht-Schwulen der Queercore-Band „The Jerk-Offs“, bedeutet das vor allem eine monogamische Fixierung auf seine Ex Tris (Alexis Dziena), der er reihein reihaus liebevoll gestaltete Mix-CDs schenkt. Er ist Musikfanatiker, mit seinen „Road To Closure“-Scheiben (1-12) will er natürlich nicht über sie hinwegkommen, sondern seine Ex-Freundin zurückerobern. Doch schon der Titel verrät, das Paar um das es hier gehen soll, das sind Nick und Norah (Kat Dennings). Beide jagen eine Nacht ihrer Lieblings-Band hinterher, die die Konsequenzen der Download-Ära verinnerlicht hat und komplett aufs Event setzt. Niemand weiß, wo „Where’s Fluffy?“ am Abend spielt. Während die beiden Hardcore-Fans der evasiven Band hinterherjagen, machen sich Nicks schwule Freunde daran, die beiden zu verkuppeln, gegen den Widerstand von Nicks Ex und Norahs Ex-Freund-Noch-Freund Tall, der tatsächlich deutlich größer ist als der verschrobene Protagonist.

Nick und Norah - Soundtrack einer Nacht

Die Besetzung von Michael Cera aus letztjährigem Juno liefert den ersten Hinweis auf das Genre. Man braucht ihm bloß in der ersten Filmszene beim altklug-unsicheren Anrufbeantworter-Aufsprechen zuhören, um zu wissen: hier handelt es sich erneut um eine Romantic Comedy mit Nerd-Einschlag. Uncool sein ist die neue Coolness. Ihre Bestätigung erfahren Nerds im Kino von heute nicht nur retrospektiv, aus der Erwachsenen-Perspektive, etwa wegen ihrem späteren Erfolg als Computer-Experte oder Künstler. Nein – Woody Allen wird’s freuen – Nerds sind im Mainstream angelangt.

Nick und Norah - Soundtrack einer Nacht

Nerds gibt es in unterschiedlichen Gestalten, im Hollywood-Kino sind sie derzeit allgegenwärtig. Von Napoleon Dynamite (2004) über Beim ersten Mal (2006) bis Superbad (2007) und aktuell Zack and Miri Make a Porno (2008). Eine passende Übersetzung für die Typen-Bezeichnung gibt es nicht, Nerds können Streber sein, meist sind sie aber einfach nur introvertierte Menschen, die sich zu Spezialisten in einem eingegrenzten Gebiet ihrer Vorliebe entwickelt haben. Sie sind alles andere als beliebt und in Highschool-Komödien waren sie bis dato das hässliche Entlein vor der Wandlung zur Prom-Queen oder zum Football-Quarterback. Nicht so in den sich rapide vermehrenden Komödien, nicht selten unter Beteiligung von Judd Apatow, in denen Loser Loser bleiben dürfen, gar müssen, um als Helden zu bestehen.

Nick und Norah - Soundtrack einer Nacht

Musik fällt in den meisten Highschool-Komödien nicht in die Kategorie der nerdigen Beschäftigungen – außer es betrifft das Schulorchester. Und tatsächlich hat Nick bis auf seine leicht schrullige Art und seine Obsession für Musik, wie der Soundtrack nahelegt vorzugsweise kleiner lokaler Bands, tatsächlich recht wenig vom klassischen Nerd. Außenseiter ist er aber allemal und als Hetero in einer Schwulen-Gruppe sogar doppelt. „We’re not all gay“ protestiert Nick leise, um sich gegen Tall zu behaupten. Norah braucht er aber gar nicht zu überzeugen. Sie ist ihm von Anfang an erlegen, nicht nur aufgrund der genannten „Closure-Tapes“, die sie aus dem Mülleimer gefischt hat. Mit Weichzeichner und warmen Farben wird Michael Cera immer wieder als Objekt der romantischen Begierde in Szene gesetzt, der nicht trotz, sondern aufgrund seiner Macken liebenswert ist.

Nick und Norah - Soundtrack einer Nacht

Nick und Norah macht daraus aber keine große Plotwendung. Denn eigentlich ist Nick mit seiner ultracoolen Frisur, seinem samtweichen Haar und seiner enganliegenden Hose vom klassischen Highschool-Liebling gar nicht so weit entfernt. Nur dass er eben voll und ganz Nerd sein darf. Damit landet er erst beim aufgetakelten, später beim unscheinbaren Mädchen. Das ist von Anfang an klar. Denn es lässt einem als Zuschauer dieses Musterbeispiels einer gut geölten romantischen Komödie jede Menge Zeit, um die Situationskomik und infantil-sarkastischen Verbal-Orgien zu genießen. Dabei vermittelt Nick und Norah treffsicher die Spannung zwischen Kindsein und Sich-Erwachsen-Fühlen, zwischen dem Gefühl der Welterfahrenheit und der noch nicht abgestreiften Unsicherheit, die die Adoleszenz mit sich bringt. Der titelgebende Soundtrack, der diese Zeit für Nick und Norah prägt, tönt unablässig. Keine Minute vergeht ohne musikalische Untermalung. Die „unendliche Playlist“ des Originaltitels rückt aber entgegen der ständigen Thematisierung durch die Protagonisten überraschend in den Hintergrund. Einen erinnerungswürdigen Auftritt hat sie aber allemal, in einer fast schon fantastischen Szene gegen Ende des Films kommt es schließlich zum musikalischen Orgasmus. Der ist romantisch und verspielt zugleich, irgendwie aber auch ganz schön nerdig.

Trailer zu „Nick und Norah - Soundtrack einer Nacht“


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