New York für Anfänger

Zwischen zickigen Stars und blasierten Kollegen versucht sich der chaotische Engländer Sidney in der Redaktion eines New Yorker Klatschblattes zu behaupten.

New York für Anfänger

Vor sechs Jahren konnte der britische Journalist Toby Young ausgerechnet mit einem Buch über sein berufliches Scheitern Erfolge feiern. In New York für Anfänger (How to Lose Friends & Alienate People) schildert Young, wie er als junger Journalist in die Redaktion der Vanity Fair aufgenommen wurde und sie wegen seines ungebändigten Naturells, mangelnder Kompromissbereitschaft und einem etwas zu aufdringlichen Verhalten gegenüber Frauen nach einem halben Jahr schon wieder verlassen musste.

Für die Verfilmung des Stoffes mussten Youngs lose zusammenhängende Erlebnisse von Regisseur Robert Weide (Curb Your Enthusiasm, seit 2000) und Drehbuchautor Peter Straughan zunächst für den großen Markt drehbuchtauglich gemacht werden. Abgesehen von der Hauptfigur, die hier Sidney heißt, und einigen Situationen hat der Film mit dem Buch dann auch nicht mehr allzu viel zu tun. Als roter Faden dient eine zusätzlich eingefügte Liebesgeschichte, nach der sich Sidney (Simon Pegg) zwar an jede noch so unerreichbare Frau ranmacht, aber schließlich feststellen muss, dass er in Wahrheit seine sarkastische Kollegin Alison (Kirsten Dunst) liebt. Der ursprüngliche Erlebnisbericht einer unermüdlichen Nervensäge wird somit als Romantic Comedy inszeniert.

New York für Anfänger

New York für Anfänger erinnert gleich in mehrfacher Hinsicht an Der Teufel trägt Prada (The Devil Wears Prada, 2006). In beiden Fällen wurden persönliche Erfahrungen fiktionalisiert. Um Ärger zu vermeiden, tauchen sämtliche Prominente in Weides Film als Kunstfiguren auf, der Name des auflagenstarken Celebrity-Magazins ist frei erfunden, und auch die Figur des Sidney Young macht eine nahezu identische Entwicklung durch wie Andy Sachs: Nachdem er als kritischer und konfliktsuchender Außenseiter in die Welt der Stars eintaucht und nach anfänglichen Widerständen von ihr vereinnahmt wird, steht am Schluss die Erkenntnis, dass man nur glücklich werden kann, wenn man sich selbst treu bleibt. Der Film hat jedoch mehr zu bieten als diese Binsenweisheit, denn so konstruiert die Romanze auch sein mag, als Komödie funktioniert New York für Anfänger über weite Strecken durchaus.

Am besten ist der Film, wenn er sich mit bissigem Humor über abgehobene Stars und Redakteure lustig macht. In dieses ganz auf Hochglanz und Etikette getrimmte Milieu dringt Sidney als Störenfried ein und lässt dabei kein Fettnäpfchen aus. Der Film zieht seinen Witz zum Großteil aus den anarchischen Angriffen Sidneys auf dessen Umwelt. Es ist durchaus unterhaltsam mitanzusehen, wie er einem selbstgefälligen Independent-Regisseur (Max Minghella) erzählt, dass Con Air (1997) der beste Film aller Zeiten ist, oder einer knallharten Agentin (Gillian Anderson) eiskalt ins Gesicht lacht, nachdem sie ihm versichert, dass etwas vom Glanz der Stars auf ihn abfallen wird, wenn er nur wohlmeinende Artikel schreibt. Als eindeutiger Höhepunkt unter diesen überzeichneten Figuren erweist sich die bildhübsche, aber stark unterbelichtete Schauspielerin Sophie Maes (Megan Fox), die von Sidney angehimmelt wird und ihre erste Hauptrolle als Mutter Teresa in einem pathostriefenden Biopic („Making of a Saint“) feiert.

New York für Anfänger

Neben solchen Seitenhieben auf die oberflächliche Welt des Glamours zeichnet sich der Film durch politisch unkorrekten und fäkalen Humor aus. Dazu gehört ein strippender Hermaphrodit ebenso wie ein ausgehustetes Stück Burger, das auf der weißen Weste der unnahbaren Chefin landet. In der amerikanischen Komödie ist so ein derber Humor zwar schon lange nichts Neues mehr, und Gags wie das verunglückte Schoßhündchen von Sophie Maes kennt man fast genauso aus Verrückt nach Mary (There's Something About Mary, 1998). Trotzdem gelingt es Hauptdarsteller Pegg und Regisseur Weide, solchen Kalauern durch eine treffsichere Inszenierung noch etwas abzugewinnen.

Auch wenn New York für Anfänger als zerstörerische Nummernrevue in einer Upper-Class-Welt gut funktioniert, leidet er mit fortschreitender Handlung am einengenden Handlungskorsett der Romantic Comedy. Wie in den Filmen der Farrelly-Brüder wirkt die ernsthafte Romantik in einem Film voller Anarchie und Ironie auf seltsame Weise deplatziert. Wer aber über die konstruierte Rahmenhandlung hinwegsehen kann und gut inszenierte Situationskomik zu schätzen weiß, ist mit diesem Film gut beraten.

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