New Moon - Biss zur Mittagsstunde

Zum zweiten Mal bringt Robert Pattinson als Vampir Edward junge Mädchen zum Hyperventilieren und bekommt diesmal noch Verstärkung von einem adretten Werwolf.

New Moon - Biss zur Mittagsstunde

Ein Jahr, nachdem die Liebesgeschichte zwischen Bella (Kristen Stewart) und Vampir Edward (Robert Pattinson) in Twilight – Biss zum Morgengrauen (2008) Teenie-Herzen höher schlagen ließ, kommt nun, pünktlich zur Vorweihnachtszeit, die Verfilmung des zweiten Teils von Stephenie Meyers Vampir-Romanze in die Kinos. Unter der Regie von Chris Weitz (Der Goldene Kompass, The Golden Compass, 2007) dient in New Moon – Biss zur Morgenstunde (New Moon) die dunkelste Mondphase als Metapher für die emotional schwierigste Zeit im Leben der Protagonistin. Um seine Angebetete vor sich selbst zu schützen, flieht Edward mit seiner Familie nach Italien. Die zurückgelassene Bella fällt darauf in eine tiefe Depression, tröstet sich aber schon bald mit dem feschen Indianerjungen Jacob (Taylor Lautner).

New Moon - Biss zur Mittagsstunde

New Moon erzählt wie sein Vorgänger eine typische Coming-of-Age-Geschichte mit Versatzstücken aus dem Horrorgenre. Die düstere Stimmung spiegelt vor allem Bellas gebeutelte Teenager-Seele. Probleme mit der Liebe stehen auch bei Meyer im Zentrum, nur mit dem Unterschied, dass ein Teil der Figuren einer fantastischen Welt entstammt. Dabei vernachlässigt der Film immer wieder die Universalität seiner Erzählung, indem er sich gezielt an ein minderjähriges, überwiegend weibliches Publikum richtet und somit jeden, der nicht dazu gehört, ausschließt. Das zeigt sich etwa an Kleinigkeiten wie Bellas Niedergeschlagenheit, weil sie sich an ihrem 18. Geburtstag viel zu alt fühlt.

New Moon - Biss zur Mittagsstunde

Noch deutlicher offenbart sich die Exklusivität von New Moon aber im Umgang mit den beiden zentralen männlichen Figuren, insbesondere Edward. Während die Figur der Bella noch durchaus differenziert die Probleme einer Heranwachsenden veranschaulicht, erweist sich Edward als reine Projektionsfläche jungfräulicher Wunschvorstellungen: Ein selbstlos und edelmütig handelnder Gentleman, dessen Charakter einzig darauf abzielt, Bellas romantische Sehnsüchte zu erfüllen. So wie Edward als eine Mischung aus Jesus-Figur und morbidem James Dean inszeniert wird, hat er nur eine Funktion: von den Zuschauerinnen angehimmelt zu werden.

New Moon - Biss zur Mittagsstunde

Entgegen der Hoffnungen zahlreicher kreischender Mädchen, die vor allem wegen Robert Pattinson in die Kinos strömen, ist er in New Moon die meiste Zeit abwesend. Als Objekt adoleszenter Begierde wird er diesmal von seinem Konkurrenten Taylor Lautner verdrängt. Die Konkurrenzbeziehung lässt sich jedoch nicht nur darauf zurückführen, dass sie beide um die Gunst Bellas und des Publikums buhlen. Jacob, der als Inbegriff des netten Jungen von nebenan etabliert wird, entpuppt sich nämlich bald als Werwolf, und die sind in Stephenie Meyers Büchern die natürlichen Feinde des Vampirs. Um den Gegensatz zwischen Edward und Jacob stets sichtbar zu lassen, treten sie auch als Repräsentanten unterschiedlicher Jugendkulturen auf: Der blasse, abgemagerte Edward steht für eine Art Neo-Goth-Look, während der vitale Jacob und seine Werwolf-Kollegen wie eine gecastete Surfer-Gang aussehen, die sich auch ethnisch von den fast ausnahmslos weißen Vampiren abgrenzt.

New Moon - Biss zur Mittagsstunde

Die familienkompatible Interpretation von Werwolf und Vampir führt in New Moon auch zu deren symbolischer Kastration. Indem jede Tat von Jacob und Edward moralisch gerechtfertigt wird, raubt der Film den Fabelwesen jegliche Brutalität und Ambivalenz. So wie sich Edward als  „Vegetarier“ von anderen Vampiren abgrenzt, weil er sich ausschließlich von Tierblut ernährt und damit seine moralische Integrität bewahrt, wird auch der Werwolf in New Moon einem Wandel vom bedrohlichen Fabelwesen zum ehrenhaft handelnden Geschöpf, das die Menschen nicht tötet, sondern vor den Vampiren beschützt, unterzogen. Wie Meyer hier die Regeln des Horrorfilms zielgruppengerecht umschreibt, raubt ihren Figuren jegliche Spannung.

New Moon - Biss zur Mittagsstunde

Besonders augenfällig ist aber, wie den Vampiren ihr ansonsten sehr ausgeprägter Sexualtrieb abgesprochen wird. Meyer wurde schon des Öfteren vorgeworfen, das Element des Vampirismus als Metapher zu missbrauchen, um ihre Leserinnen vom vorehelichen Geschlechtsverkehr abzuhalten. Egal was man von dieser Theorie hält, es ist zumindest bemerkenswert, wie asexuell die Beziehung zwischen der immerhin 18-jährigen Bella und Edward ist. Jedoch folgt der Film dabei einer in der amerikanischen Teenie-Popkultur häufig anzutreffenden Doppelmoral. Junge Sängerinnen und Schauspielerinnen, am prominentesten momentan wohl Hannah-Montana-Darstellerin Miley Cyrus, predigen Enthaltsamkeit vor der Ehe, setzen aber gleichzeitig ganz offensiv – sei es nun durch einen kurzen Rock, einen leicht geöffneten Mund oder einen lüsternen Blick – ihre sexuellen Reize ein.

In New Moon sind es natürlich die Männer, die ihre Hüllen fallen lassen. So darf sich Edward in einer pathetischen Szene in Zeitlupe entkleiden, während es mit Jacob kaum eine Szene gibt, in der er sein T-Shirt anlässt. New Moon funktioniert damit genau nach diesem seltsamen Paradox: Einerseits wird Sex in dieser Welt völlig negiert, gleichzeitig aber die minderjährigen Zuschauerinnen ganz berechnend mit verschwitzten, muskulösen Oberkörpern aus der Fassung gebracht.

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Kommentare


Anna

Wenn Sie schon diesen Film kommentieren müssen, dann sollten sie keine falschen Informationen weitergeben. Es würde sich empfehlen, die Bücher zu lesen und nicht irgendetwas zu schreiben, von dem man eigentlich keine Ahnung hat. Als Edward Bella verlässt geht er nicht mit seiner Familie nach Italien. Seine Familie geht nach Denali, Alaska, und er zieht wahllos umher. Sein letzter Aufenthaltsort der genannt wird ist Buenos Aires! Er geht erst nach Italien, als er glaubt Bella hätte sich umgebracht.
Also zuerst denken, dann schreiben!!


Michael

Wir besprechen hier die Filme, nicht die Bücher und in der Verfilmung wird der Zwischenstop in Denali nicht erwähnt. Vielleicht ist es deshalb in der Drehbuchfassung unter den Tisch gefallen, weil es ein völlig unwesentliches Detail ist.


vIp3r

Bin eher ausversehen in den Film gegangen in der Hoffnung auf einen guten Vampir/Werwolf Film.

Leider ist der Film grottenschlecht! Ein Vampirjüngling schickt seine menschliche Flamme in die Wüste um Ihr ein Vampirdasein zu ersparen(wie realistisch!!!!). Nach dem ersten Schreck verliebt die sich dann in einen Indianer, der in seiner Freizeit mit seinen Kumpels den Wald als Werwolf unsicher macht, der Menschen aber kein Härchen krümmt.
Ansonsten ist ami-correctness angesagt (No Sex!" Es wird auch kein tropfen Blut gesaugt,
die Handlung ist völlig wirr, die Schauspieler wirken unbeholfen und künstlich,
die Computeranimationen sind superschlecht, grobschlächtig animierte Werwölfe und Grafik wie man sie aus älteren Computerspielen kennt.

Mir war Underworld da wesentlich lieber als dieser Bullshit!

Der Film ist totaler Etikettenschwindel!


Antje michel

Es ärgert mich sehr, dass hier Filme, die eine sehr enge Bindung zum zugrunde liegenden Buch/ Büchern haben, weil die Fans es auch so erwarteten, völlig zerrissen werden. Der Film entspricht genau dem Buch( welches man zum Schimpfen können gelesen haben sollte ), Romantik pur. Wer gruselige Vampire und Sex sehen möchte, sollte schon bei der Altersbeschränkung von 12 jahren einen Rückzieher machen oder vorher mal die Filmbeschreibung lesen. Die Autorin ist Mormonin, das erklärt das " Nicht-Sex" Thema und ja- es ist ein Mädchenfilm. Wenn unsere destosterongeladenen Mitmänner solch einen romantischen Film beurteilen sollen, kann nichts objektives bei rauskommen. Genau DASS wollen Frauen - nur so als Tip für Zuhause! Den Jungs empfehle ich SAW Teil 1&2, da gibts Null Romantik, viel Blut und Horror!
Allen Mädels ein Freuen auf die Verfilmung des 3.Teils ab 06-2010 und einen Edward als heimlichen Geliebten in einer Zweitwohnung!


Snickerman

Das mit der selbstgepflegten Attitüde:
"Wir Frauen/Mädchen sind die besseren Menschen-
und nicht so "testosterongeplagt" wie die Jungs"
hat sich mit dem Film und seinen Faninnen hiermit für immer erledigt.

Jammervoll, für was für einen Mist sich all diese "östrogengeschwängerten" xx-Chromosomenträgerinnen verschiedener Altersstufen begeistern können.
(ist nur eine Replik auf vorhergehende Spitzfindigkeiten/Beleidigungen a´la: Wer´s nicht mag, ist zu doof dazu)

Die Bücher sind schlecht, verklemmt und eindimensional, zeichnen eine Jugend, die es nur in der Phantasie gibt und kastrieren das ganze Horrorgenre, weil da jemand Angst vor den Konflikten hat, die sich mit der Adoleszenz normalerweise ergeben, die Filme (insofern werktreu) zeichnen das nur nach.

Und wem als schnippisch hingeschmissener Gegenentwurf zu der öden rosa Zuckerwatte-Welt nur die "Saw"-Filme einfallen, zeigt damit eindrucksvoll, wie Unwissen und Ignoranz zusammenhängen.

Um mit meinem Mit-Weseler Dieter Nuhr zu sprechen: "Wenn man schon keine Ahnung hat, sollte man ruhig mal die Fre*** halten!"






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