New in Town

Jonas Elmer beweist mit der Geschichte über eine Großstädterin in der Provinz, dass eine Romantic Comedy ohne die Gegenüberstellung extremer Gegensätze nicht funktioniert.

New in Town

New in Town bedient sich einer in der romantischen Komödie bewährten Konfrontation zwischen Großstadt und Provinz: Lucy (Renée Zellweger), eine erfolgreiche Geschäftsfrau aus Miami, soll im verschneiten Minnesota eine Fabrik umstrukturieren. Mit dem neuen Umfeld und seinen eigenwilligen Bewohnern tut sie sich zunächst etwas schwer. Insbesondere mit dem attraktiven Gewerkschaftsvertreter Ted (Harry Connick Jr.) gerät sie ständig aneinander.

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Der dänische Regisseur Jonas Elmer, der bereits in seinem Heimatland Erfahrungen mit Romantic Comedies gesammelt hat, folgt einem ambitionierten Anliegen. Die für gewöhnlich überzeichneten Figuren dieses Genres versucht er zumindest teilweise differenzierter darzustellen. So handelt es sich bei der Protagonistin zwar um eine ehrgeizige Karrierefrau, ein unterkühlter und profitgeiler Unmensch muss sie deswegen aber noch lange nicht sein. Ähnlich verhält es sich mit den Bewohnern der Kleinstadt New Ulm, die der Film trotz ihrer Eigenwilligkeit nicht als unterbelichtete Landeier vorführt. Schnell zeichnet sich ab, dass solche guten Absichten in einem Genre, das ganz von der Konfrontation und Überwindung extremer Gegensätze lebt, deplatziert sind. Wenn das Konfliktpotenzial nämlich derart gering ist, gelingt es dem Film auch nicht in Schwung zu kommen.

New in Town

Dabei führt New in Town seinen Grundkonflikt – Lucy muss sich mit den Provinzlern, allen voran Ted, arrangieren – zunächst gebührend ein. Bei einem Begrüßungsdinner für den Neuankömmling kommt es zu einem vielversprechenden Streit über moralische Werte. Es wäre sicherlich spannend gewesen anzusehen, wie sich das konservative und religiöse Weltbild Teds mit Lucys liberaler Anschauung vereinen lässt. Doch um die Weiterentwicklung dieser grundsätzlichen Unstimmigkeiten drückt sich der Film. Auch andere Konflikte wie Lucys Wunsch, New Ulm zu verlassen, oder eine Auseinandersetzung mit dem aufmüpfigen Arbeiter Stu (J.K. Simmons) werden nicht vertieft, sondern lösen sich von einer Szene zur nächsten in Wohlgefallen auf.

New in Town

Angesichts der zurückhaltenden Stilisierungen von New in Town scheint es nur konsequent, dass sogar ein Stück soziale Realität Einzug in das sonst so realitätsferne Genre erfährt. Als die Fabrik für Lucys Firma plötzlich nicht mehr profitabel ist, soll sie geschlossen und sämtliche Arbeiter auf die Straße gesetzt werden. Im letzten Augenblick gelingt es Lucy und den Bewohner New Ulms mit einer völlig unplausiblen Wendung doch noch, alles zum Guten zu wenden. In der märchenhaften Welt einer Romantic Comedy lässt sich durchaus darüber hinwegsehen, dass mit einem Geheimrezept für Tapioka-Pudding gegen Stellenabbau und Wirtschaftskrise getrotzt wird. Nur zu dumm, dass die Welt von New in Town gar nicht so märchenhaft ist.

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