Neil Young: Heart of Gold

Ein Abend mit Rocklegende Neil Young. Jonathan Demme konzentriert sich in seinem Konzertfilm mit einem Hauch Nashville-Romantik ausschließlich auf die beteiligten Musiker.

Neil Young: Heart of Gold

1997 begleitete Jim Jarmusch in seiner Dokumentation Year of the Horse Neil Young mit dessen Band Crazy Horse auf Tournee und lieferte einen sehr persönlichen Blick auf die rockigen Facetten des Musikers. Neun Jahre später kommt nun erneut ein Film über den populären Folk-Rocker in die Kinos, diesmal auf völlig andere Weise von dem nicht minder bekannten Jonathan Demme in Szene gesetzt. Was Youngs Musik angeht, ist Demme kein unbeschriebenes Blatt mehr, so war er bereits für die Aufzeichnung seiner The Complex Sessions (1994) verantwortlich und beauftrage Young mit dem Titelsong seines Films Philadelphia (1993). Bei Neil Young: Heart of Gold handelt es sich um eine Wiedergabe der Uraufführung von Youngs 2005er Country-Rock-Album „Prairie Wind“ in Nashville.

Noch während der Aufnahmen zum neuen Album wurde bei Young ein Hirnaneurysma diagnostiziert, das nur wenige Wochen vor dem Konzert operativ entfernt wurde. Mit diesem Vorwissen steht der Abend gewissermaßen unter dem Aspekt einer Wiedergeburt, die zusätzlich durch die Betonung einer eher ungewohnten Seite des Musikers unterstrichen wird. Statt den langhaarigen Rocker im Holzfällerhemd zu geben, passen sich Young und seine Musiker gleich in mehrerlei Hinsicht an den geschichtsträchtigen Aufführungsort des Ryman Auditoriums, einer Art Ruhmeshalle für Country-Musiker, an. So kommen fast ausschließlich traditionelle amerikanische Instrumente wie Mundharmonika und Banjo zum Einsatz, während die Musiker durchgehend in nostalgischer Country-Tracht gekleidet sind. Dass sich unter den zahlreichen Gastmusikern auch die in der Szene äußerst populäre Sängerin Emmylou Harris befindet, tut dazu ihr Übriges.

Neil Young: Heart of Gold

Im Mittelpunkt von Demmes Film stehen eindeutig die Musik und die einzelnen Instrumentalisten. Während das Konzertpublikum nur auf der akustischen Ebene präsent ist, konzentriert sich die Kamera in wenigen Einstellungen auf das Bühnengeschehen. Durch den Wechsel zwischen Totalen und Großaufnahmen der verschiedenen Musiker wird das Live-Erlebnis auf die Leinwand übertragen und die tatsächliche Präsenz der Beteiligten sowohl durch eine emotionale Miteinbeziehung der Zuschauer, als auch durch eine intime Nähe zur Darbietung ersetzt. Bei dieser Übertragung wird sogar der chronologische Aufbau des Konzerts beibehalten, und so folgen nach den Liedern des neuen Albums noch etliche Zugaben, unter denen sich auch Youngs größte Hits wie „Heart of Gold“ und „Old Man“ befinden.

Während Young dabei immer wieder einer aufdringlichen Nashville-Romantik erliegt, setzt Demme alles daran, die historische Bedeutung des Konzerts zu betonen. Schon in der kurzen Eingangssequenz, der einzigen Passage des Films, die sich nicht auf der Bühne abspielt, wird das darauf folgende Konzert zum mythischen Ereignis stilisiert. Die Aufnahmen der einzelnen Musiker während der Autofahrt zum Auditorium enthalten allerlei überschwängliche Äußerungen zu Neil Young und dem historisch bedeutenden Austragungsort. Ohne Bemerkungen über Youngs Krankheit oder die Vermutung, dass die Musiker nie wieder in dieser Zusammenstellung auf einer Bühne stehen werden, hätte man den Film sicherlich mit weniger demutsvollem Blick betrachtet.

Neil Young: Heart of Gold

Was die Inszenierung erhabener Momente angeht, ergänzen sich Young und Demme sehr gut. Vor allem zwischen den Liedern, wenn der Film wie eine aufwändig produzierte Variante der VH1-Storytellers-Reihe wirkt, in der Rock- und Popgrößen im intimen Rahmen eines Akustikkonzerts persönliche Geschichten mit eigenen Liedern verbinden. Immer wieder lässt Young in seine einleitenden Anekdoten konservative Werte des weißen Amerikas wie Familien- und Traditionsverbundenheit einfließen. Der Höhepunkt davon wird erreicht, wenn Young sich vorstellt, was Country-Pionier Hank Williams wohl zum modernisierten Nashville sagen würde und unter tosendem Applaus feststellt, das doch noch etwas vom alten Geist des traditionellen Amerikas geblieben ist. Wie leicht Young trotz seines musikalisch beeindruckenden Oeuvres zu reaktionären und patriotischen Botschaften neigt, bewies schon vor einigen Jahren sein anlässlich des 11. Septembers geschriebenes Lied „Let’s Roll“.

Auch wenn man Neil Young: Heart of Gold dennoch den meisten Neil Young-Fans empfehlen kann, ist es Demme nicht gelungen, seinen Film über ein fanspezifisches Interesse hinaus attraktiv zu machen. Das hängt sicherlich mit der teilweise etwas dürftigen Qualität der „Prairie Wind“-Songs zusammen, vor allem lässt aber der nostalgische Rahmen, der das Konzert bestimmt, Neil Youngs Talent nicht wirklich zur Geltung kommen.

 

Kommentare


Ulf Peter Davidsen

Ich finde der Film, als grosser "Shakey" Freund (aus Schweden) einfach grosssartig! Was sie schreiben finde ich doch habe ich verstanden dass er sollte operiert werden eine Woche nach dem Konzert in New York.....






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