Nach 7 Tagen – Ausgeflittert – Kritik

Ben Stiller ist auf das Komödienfach abonniert, so wie die Brüder Farrelly. Kein Wunder, dass sich die Wege der Drei bereits mehrfach kreuzten. Im besten Fall kommt dabei ein infantiler Spaß wie Verrückt nach Mary heraus. Im schlimmsten Fall so etwas wie Nach 7 Tagen – Ausgeflittert.

Nach 7 Tagen - Ausgeflittert

Dass man es in Hollywood als Schauspieler geschafft hat, wird deutlich, wenn die Marketingkampagne zum Film ganz und ausschließlich auf den eigenen Namen zugeschnitten wird. Nach 7 Tagen – Ausgeflittert (The Heartbreak Kid) ist so ein Fall. Es ist die neue „Ben Stiller-Komödie“, was als Argument für einen Kinobesuch ausreichen muss. Daneben ist es zugleich der neue Film der Brüder Bobby und Peter Farrelly, die mittlerweile seit fast einem Jahrzehnt von ihrem Erfolg Verrückt nach Mary (There’s Something About Mary, 1998) – ebenfalls mit Ben Stiller in der Hauptrolle – zehren und dabei nicht müde werden, Komödien über mehr oder weniger skurrile Typen abzudrehen.

Auf den ersten Blick will der in die Jahre gekommene Junggeselle Eddie Cantrow (Ben Stiller) nicht in das Schema der bekannten Farrelly-Charaktere passen. Eddie ist Anfang Vierzig, erfolgreicher Geschäftsmann und eigentlich viel zu normal, als dass die Farrellys sich für ihn interessieren würden. Auch dass er sich von seinem besten Freund Mac (Rob Corddry) und seinem liebestollen Vater (gespielt von Bens wirklichem Dad, dem Komiker Jerry Stiller) ständig anhören muss, er sei, was Frauen angeht, einfach zu anspruchsvoll, klingt noch wenig spektakulär. Erst als Eddie die zufällige Bekanntschaft einer attraktiven Blondine (Malin Akerman) macht, nimmt der Plot konkrete Formen an, gewinnt die Story an Fahrt.

Nach 7 Tagen - Ausgeflittert

Aus Angst, ein weiteres Mal die wichtigen Entscheidungen des Lebens hinauszuzögern, beschließt Eddie, Nägel mit Köpfen zu machen und um die Hand seiner Herzensdame anzuhalten. Allerdings lässt das böse Erwachen nicht lange auf sich warten. Kaum ist das frisch getraute Paar in seine Flitterwochen nach Mexiko aufgebrochen, zeigt die neue Misses Cantrow ihr wahres Gesicht. Das nette Blondchen entpuppt sich als eine dem Alkohol nicht abgeneigte, sexbesessene Femme fatale mit einer alles andere als braven Vergangenheit. Eddie ergreift die Flucht und landet bei der bodenständigen Miranda (Michelle Monaghan), in die er sich prompt verliebt. Doch Miranda ahnt nicht, dass Eddie gerade seinen Honeymoon verlebt, womit das Chaos vorprogrammiert ist.

Bei einem derart simplen und nach bekannten Strickmustern arrangierten Plot, der noch dazu bereits einmal verfilmt wurde (Pferdewechsel in der Hochzeitsnacht, The Heartbreak Kid, 1972, basierend auf der Kurzgeschichte „A Change of Plan“), wundert es schon, dass die Geschichte gleich fünf (!) Autoren verschliss. Getreu der alten Weisheit, wonach viele Köche den Brei verderben, könnte es immerhin erklären, wieso das Resultat sich über weite Strecken pointen- und ideenlos wie Kaugummi dahinzieht. Nach einer charmanten Einführung in Eddies Leben am Rande der Midlife-Crisis, die vor allem dank des ungezwungenen Zusammenspiels von Vater und Sohn Stiller unterhält, verflacht die Handlung zusehends.

Nach 7 Tagen - Ausgeflittert

Die chronische Humorlosigkeit ist für eine Komödie geradezu erschreckend. Selbst die Farrelly-typischen Geschmacklosigkeiten, Gags über Sexualpraktiken, diverse Körperflüssigkeiten und Menschen mit Handicaps, wollen in diesem Kontext nicht ihre gewünschte Wirkung entfalten. Immerhin lässt das Brüderpaar mit dem allerletzten Satz („Liebe, Liebe, Liebe, alles scheiße!“) durchblicken, dass ihnen die gerade zum Ende hin auferlegten Fesseln der romantischen Komödie „Made in Hollywood“ selbst zuwider sind. Und dass sie ihr Handwerk noch nicht verlernt haben, beweist die kurze Episode über Eddies Flucht zurück in die USA. Zusammen mit einer Gruppe Mexikaner versucht er mit allen Tricks, den Fängen der amerikanischen Grenzpolizei zu entkommen. In diesem Moment, der als bissiger Kommentar auf die Einwanderungspolitik der US-Regierung abzielt, kokettiert der Film mit einem subversiven Witz, den man ansonsten schmerzlich vermisst.

Neben der Brachialität mancher Pointen, die diese Bezeichnung jedoch kaum verdienen, hebt sich Nach 7 Tagen – Ausgeflittert allerdings noch in einem weiteren Punkt vom Mainstream ab. So lassen die Farrellys Jerry Stiller nicht nur freizügig über Sex plaudern, sie zeigen denselben auch recht explizit. Das brachte dem Film in den USA ein für das Genre eher ungewöhnliches R-Rating ein, was neben weitestgehend vernichtenden Kritiken den recht überschaubaren Erfolg an den Kinokassen erklären mag. Die Farrellys wird das nicht davon abhalten, auch weiterhin Komödien zu inszenieren. Bleibt nur zu hoffen, dass sie ihren kreativen Tiefpunkt bis dahin überwunden haben.

Trailer zu „Nach 7 Tagen – Ausgeflittert“


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