My Name is Khan

„My name is Khan and I'm not a terrorist“: Rizvan Khan begibt sich auf eine abenteuerliche Odyssee durch die von 9/11 gezeichneten USA um dem Präsidenten seine Botschaft zu übermitteln.

My Name Is  Khan 11

Egal was man von Bollywood-Superstar Shahrukh Khan hält, er stellt unbestritten eine Ausnahmeerscheinung dar. Kaum ein nicht-englischsprachiger Schauspieler schafft es, außerhalb seines Heimatlandes derartige Begeisterungsstürme unter seinen Fans auszulösen. Sein Besuch zur Berlinale vor zwei Jahren stand den spektakulären Auftritten seiner Hollywood-Kollegen in nichts nach. Dabei mag der Reiz des Exotischen durchaus einen entscheidenden Anteil seiner Popularität ausmachen. Gerade in westlichen Ländern, in denen vor allem weiße Hollywood-Stars omnipräsent sind, dürfte er aber auch noch aus einem anderen Grund so beliebt sein. Schließlich eignet er sich als Inder und Moslem besonders für Jugendliche mit Migrationshintergrund als alternative Identifikationsfigur.

Mit My name is Khan hat Karan Johar (Sometimes Happy, Sometimes Sad, 2001) einen Film gedreht, in dem Khans ethnische und religiöse Abweichung von der westlichen Norm das Thema des Films ist. Die Handlung ist den Konventionen des Bollywood-Kinos entsprechend ausufernd, inszenatorische Bescheidenheit ist dem Film fremd. Einen bedeutenden Unterschied zu anderen Vertretern des Genres gibt es dennoch: My name is Khan spielt fast ausschließlich in den USA. Dorthin verschlägt es den am Asperger-Syndrom, einer abgeschwächten Form von Autismus, leidenden Rizvan Khan (Shahrukh Khan) nach dem Tod der Mutter, um bei seinem Bruder zu leben. Kurz darauf lernt er die alleinerziehende Mutter Mandira (Kajol) kennen und lieben. Als die beiden schließlich heiraten, scheint das Familienglück perfekt.

My Name Is  Khan 5

Die Terroranschläge des 11. Septembers bringen die Familienidylle plötzlich zum Einsturz. Migranten und insbesondere Moslems wie Rizvan gegenüber herrscht eine feindselige Stimmung. Jeder der anders aussieht, ist ein potenzieller Terrorist. Als Sameer, Mandiras Sohn, von Mitschülern zu Tode geprügelt wird, zerbricht schließlich die Beziehung zwischen Rizvan und Mandira, weil sie ihm und seinem Glauben die Schuld am Tod ihres Sohnes gibt. Um seine Frau zurück zu gewinnen, macht sich Rizvan auf eine Reise durch die USA, er will unbedingt dem Präsidenten beteuern, dass er kein Terrorist ist.

Wie Shahrukh Khan einen Autisten verkörpert, ist durchaus gewöhnungsbedürftig. Mit wackelnden Kopfbewegungen und ständigem Gemurmel wirkt er wie eine Mischung aus Tom Hanks' Forrest Gump und Dustin Hoffman in Rain Man (1988). Seine begriffsstutzige, trottelige Art ist Quelle zahlreicher Kalauer: Mal nimmt er Redewendungen zu wörtlich, versteht die Ironie in einer Bemerkung nicht oder muss in der Hochzeitsnacht auf das Buch „Intercourse for Dummies“ zurückgreifen. Hat man sich nach einer Weile an Khans Manierismen gewöhnt, kann man sich aber ganz der Opulenz eines gelungenen Bollywood-Films hingeben.

Zwar macht der Film einige Zugeständnisse an ein westliches Publikum – statt Szenen, in denen die Figuren selbst singen und tanzen, gibt es lediglich einige mit indischen Songs unterlegte Montagesequenzen –, biedert sich dabei aber nicht an die Dramaturgie des Hollywoodkinos an. Wild wechselt der Film von einer überdrehten Romantic Comedy zum tragischen Melodram, lässt erzählerische Stringenz ebenso hinter sich wie eine dem Realismus verpflichtete Glaubwürdigkeit. Es scheint paradox, dass gerade in diese überhöhte, künstliche Welt immer wieder reale politische Ereignisse dringen.

My Name Is  Khan 8

Während es nach dem 11. September im amerikanischen Kino zu einer regelrechten Renaissance des islamischen Terroristen als Bösewicht kam, zeigt My Name is Khan einmal die andere Seite. Als technisch aufwändige Großproduktion erzählt er jüngere amerikanische Geschichte konsequent aus der Perspektive ethnischer Minderheiten. Nach seiner Ankunft in den USA verkehrt Rizvan fast ausschließlich innerhalb einer indischen Gemeinschaft, die dominierende Sprache bleibt Hindi. Das führt der Film bis in einen kleinen Nebenerzählstrang fort, in dem zwei indischstämmige Reporter dem mysteriösen Khan auf die Spur kommen wollen.

Die von Angst und Hysterie getriebene Atmosphäre nach 9/11 muss Rizvan immer wieder am eigenen Leib erfahren. Er wird im Alltag beschimpft, am Flughafen verhört oder bei einem öffentlichen Auftritt von George W. Bush als vermeintlicher Terrorist verhaftet. Dabei repräsentiert der Protagonist auf fast übertriebene Weise einen friedlichen und toleranten Islam. Obwohl der Film seine Welt streng in Gut und Böse unterteilt, lässt er sich nicht zu einseitigen Schuldzuweisungen hinreißen. Es gibt auch Amerikaner ohne Vorurteile und die Islamophobie unter Indern wird ebenfalls thematisiert. Seine Botschaft für ein friedliches Miteinander verschiedener Völker und Religionen predigt der Film mit charmanter Naivität.

My Name Is  Khan 7

In seiner internationalen, fast um vierzig Minuten gekürzten Fassung büßt My name is Khan etwas von seiner epischen Breite und erzählerischen Opulenz ein. Der Schere zum Opfer gefallen ist unter anderem der Großteil einer abenteuerlichen Sequenz, in der Khan im Alleingang die Opfer einer an den Hurricane Kathrina angelehnten Naturkatastrophe rettet. Wer dieses politische wie emotional aufgeladene Spektakel in voller Länge erleben will, muss sich also noch bis zur DVD-Veröffentlichung der Originalversion gedulden.

Trailer zu „My Name is Khan“


Trailer ansehen (1)

Kommentare


Vanessa :D

Der Film
ist bestimmt richtig guut :D
Ich freu mich schon wenn er in Elsdorf läuft :)


Wolfgang K.

Komme gerade aus dem Kino und bin total begeistert von dem Film. Von tollen Schauspielern, Spannung, Situationskomik bis zur verdückten Träne alles dabei. Auch ich freue mich bereits auf die (ungekürzte) DVD.


susu

allahu akbar was für ein wünderschöner film mashallah






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.