Muzika

In der Tschechoslowakei des Jahres 1980 besteht das Leben vor allem aus Zwängen, politischer wie privater Natur. Dagegen hilft nur Musik und Sex.

Muzika

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Die politische Repression geht bekanntlich oft mit der privaten einher. In der Tschechoslowakei Anfang der 80er Jahre schikaniert die Polizei Langhaarige an der Bushaltestelle, als Musiker muss man engstirnigen Bürokraten sozialistische Lieder vorspielen, und zu Hause verbietet einem der Schwiegervater, bei Vollmond mit der eigenen Frau zu schlafen. Dass der junge Martin (Ĺuboš Kostelný) außerdem noch von seinen Arbeitskollegen im Wasserwerk bespitzelt wird, versteht sich von selbst. Muzika beginnt mit Bildern von Stacheldraht und Wachtürmen und sucht über 99 Minuten den Weg in die Freiheit.

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Und der führt über Musik und Sex. „Was soll man sonst machen“, fragen mehrere Figuren an unterschiedlichen Stellen des Films. Die Langeweile des Lebens hinter dem eisernen Vorhang erdrückt die Jugend, die in dem Film von Juraj Nvota eine Art verspäteten Prager Frühling erlebt. Um politische Veränderungen geht es in diesem Frühling jedoch nicht mehr, sondern nur noch um die Hoffnung auf private Libertinage. Mit dem System weiß man sich zu arrangieren, es mit seinen eigenen Mitteln zu schlagen. Martin, der mit dem Kauf eines gebrauchten Saxofons seine Liebe zum Jazz entdeckt, und der so geschickte wie opportunistische Hruškovič (Jan Budař) gründen eine Band – und träumen davon, berühmt zu werden.

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Die Musik besteht aus gefälligen und häufig auch originellen, im Westen jedenfalls völlig unbekannten Schlagern, Volksweisen und Jazz-Stücken. Sie gehört zu den Stärken des Films. Eine andere Stärke ist Dorota Nvotová, die in der Rolle der nonkonformistischen Anča viel Frische in die Geschichte bringt. Ihr Spontan-Striptease auf einem Hausdach ist ein wirklich gelungenes Kabinettstückchen. Martin verliebt sich in das lebensfrohe und promiskuitive Mädchen und vernachlässigt Frau und Kind – muss dann aber lernen, dass zu viel Ungebundenheit auch nicht gut ist. Der Film scheint vor einem großen Sprung ebenfalls zurückzuschrecken und entwickelt in seiner gemächlichen Abfolge von lustigen, melancholischen und musikalischen Szenen nur über kurze Strecken die Energie, die ein solches Thema nahelegt.

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Muzika, gedreht nach einer Novelle von Peter Pištanek, ist der erfolgreichste slowakische Film seit Gründung des Landes 1993 und funktioniert in seinem Entstehungsland ähnlich, wie Good Bye Lenin! (2003) in (Ost-)Deutschland funktioniert hat: als tragikomische Nostalgie, in der viele Zuschauer ihre eigene Vergangenheit wiedererkennen können.

Filmkritik von Thorsten Funke

Veröffentlicht am 07.03.2009

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Film-Angaben

Titel: Muzika

Deutschland, Slowakei 2008

Laufzeit: 99 Minuten

 

Regie: Juraj Nvota

Drehbuch: Ondrej Šulaj

Basierend auf der Novelle Muzika von: Peter Pištanek

Produktion: Andreas Eicher, Marian Urban

Bildgestaltung: Alexander Šurkala

Montage: Alois Fišárek

Musik: Róbert Mankovecky

Darsteller: Ĺuboš Kostelný, Táńa Pauhofová, Jan Budař, Dorota Nvotová, Marián Geišberg, Marek Geišberg, Jana Olhová, Petra Polnišová

 

Kinostart: 12.03.2009

 

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