Lockout

Action-Persiflage meets Sci-Fi. Guy Pearce schießt sich als verbittert ironischer Ex-Agent im Weltraum den Weg frei und rettet die Präsidententochter.

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Der Plot klingt nach einem Auftrag für John McClane. Oder für Snake Plissken in einem weiteren Teil von John Carpenters Escape from…-Reihe. Lockout, der neue Film des Regieduos mit dem eher an eine Werbeagentur erinnernden Branding Saint & Mather, will genau diese Assoziationen, verweist ganz unverhohlen auf die Urtypen des klassischen Actionfilms der 1980er Jahre. Um sie dann zu karikieren. Beinahe völlig enthoben von jedweder idealistischen Romantisierung des Bruce-Willis-Charakters oder des anarchistischen Outlaw-Rollenmodells der Klapperschlange soll das vor allem eins: Spaß machen.

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Lockout lebt von seinen Figuren und ihren Sprüchen. Im Zentrum steht dabei der Ex-CIA-Agent Snow (Guy Pearce), der wegen des vermeintlichen Mordes an seinem Kollegen zu 30 Jahren Haft im Hochsicherheitsgefängnis MS One verurteilt wird. Hochsicherheit wird dabei im Zukunfts-Szenario des Films neu definiert: die MS One ist eine Raumstation und schwebt 50 Meilen über der Erde im All umher, an Bord 500 der gefährlichsten Schwerverbrecher in einem künstlich erzeugten Tiefschlaf. Als sich die Tochter des Präsidenten (Maggie Grace) auf humanitärer Mission ein Bild der Bedingungen an Bord machen will – sie vermutet durch die Betäubung gesundheitsschädigende Nebenwirkungen bei den Gefangenen –, kommt es zum Worst-Case-Szenario: Der durchgeknallte Insasse Hydell (Joseph Gilgun) kommt an eine Waffe und überwältigt die Sicherheitsbeamten. Zusammen mit seinem Bruder Alex (Vincent Regan) und dem Rest der erweckten Schwerverbrecher reißen sie die Kontrolle über das Schiff an sich und nehmen Personal und Präsidententochter als Geiseln. Der Rest der Story ist One-Man-Action in Reinform oder, wie es das deutsche Kino-Poster ausdrückt: „Einer gegen 500 … Wo ist das Problem?“

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Pearce spielt den Mensch gebliebenen Superhelden fast schon gewohnt lässig, ist doch die lakonisch-draufgängerische Art der Figur Snow nicht allzu weit von seiner Rolle des waghalsigen Bomben-Entschärfers in Kathryn Bigelows Tödliches Kommando – The Hurt Locker (The Hurt Locker, 2008) entfernt. Dazu kommen dieses Mal nun Salven von Onelinern, Snow packt einen ironischen Macho-Spruch nach dem anderen aus. Dass diese dann manchmal und vor allem in ihren sexistischen Ausschweifungen etwas zu flach geraten, verzeiht man gerne, denn alles in allem zeugen sie immer wieder von reflexivem Witz, etwa wenn der Protagonist sich während eines Verhörs aufgrund seiner markigen Sprüche („What happened that night?“ „It was coupon night and I was trampolining your wife“) den harten Schlägen des Handlangers von Secret-Service-Chefs Langral (Peter Stormare) ausgesetzt wird und trocken feststellt, dass er nun wisse, warum es „punchline“ hieße. Snow wird so zu einer Art äußerst unterhaltsamem Meta-Helden, einem klassischen Hard Body, den die postmoderne Depression und die gleichgültige Coolness als Reaktion darauf aber längst eingeholt haben.

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Auch der restliche Cast von Lockout weiß zu überzeugen, die jeweiligen Stereotype sind konsequent ausgearbeitet und überzeugend gespielt, vor allem Joseph Gilgun (This is England, 2006) als anarchistischer Psychopath gibt eine furiose Performance ab. Neben einigen logischen Ungereimtheiten – wofür benötigt man im All einen Generator, der die Schwerkraft außer Kraft setzt? – bietet das Drehbuch die ein oder andere unvorhergesehene Wendung und erfrischende Variation eines im Grunde altbewährten Plots. Immer wieder beweisen James Mather und Stephen St. Leger mit ihrem Langfilm-Erstling bemerkenswert spitzzüngigen Einfallsreichtum sowohl auf der Handlungsebene, wenn ein neues Agenten-Super-Gimmick gleich in einer der ersten Szenen „verheizt“ wird, als auch visuell: eine in ihrer digitalen Exzessivität dermaßen überzogene und sich dabei noch Zeit für platte Gags nehmende Verfolgungsjagd-Sequenz hat man selten gesehen. Die Regisseure sind wahre Virtuosen des Greenscreen, was wohl auch Produzent Luc Besson auf die beiden aufmerksam gemacht hat.

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Wenn der auch am Drehbuch mitbeteiligte Besson in der aktuellen „epd Film“ anlässlich seines neuesten Regiewerks The Lady im Interview konstatiert, er habe etwas gegen die Konventionen des Actionfilms, wie er in Hollywood in den 1980er Jahren Furore machte, dann ist Lockout der filmische Seitenhieb zu dieser Aussage. Eine spaßige Persiflage, die immer wieder ihre Meta-Perspektive aufblitzen lässt, ohne dabei in allzu große Ploitation-Manie zu verfallen.

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