Mord ist mein Geschäft, Liebling

An Stars und Locations spart Sebastian Niemanns Komödie ebensowenig wie an filmischen Reminiszenzen. Über das Stadium einer Ideensammlung kommt sie dabei aber kaum hinaus.

Mord ist mein Geschäft, Liebling

Nostalgie ist nicht grundsätzlich etwas Schlechtes. Das Vorhaben, einen Film im Stil der 60er-Jahre-Beziehungskomödien mit Doris Day und Rock Hudson zu drehen, kann man durchaus goutieren – gelingt es, verkneift man sich auch gerne die Frage, welchen zwingenden Grund es für ein solches Werk gerade jetzt eigentlich gibt. So wie Mord ist mein Geschäft, Liebling geraten ist, fragt man sich das allerdings permanent. Denn so leidenschaftlich er sich optisch und formal in diese Tradition stellt, so lustlos und fahrig wirkt er, wenn es darum geht, daraus eine eigene, für sich tragfähige Story zu entwickeln. Was bedauerlich ist, denn Potenzial hätte der Stoff durchaus gehabt.

Mord ist mein Geschäft, Liebling

Der männliche Part im romantischen Verwirrspiel ist ein liebenswerter Berufskiller (Rick Kavanian) mit Pech bei den Frauen, der weibliche eine schusselige Verlagsangestellte kurz vor der Eheschließung (Nora Tschirner). Zusammengeführt werden sie über ein Buch, das nicht erscheinen darf: die Memoiren des Ex-Mafioso Enrico Puzzo (Franco Nero). Killer Toni soll den in einem Hotel an der Riviera untergeschlüpften Autor vor Drucklegung des Werks aus dem Weg räumen, Julia muss ihn für den Verlag zurückgewinnen, um ihren Job zu retten. Just in dem Moment, in dem Toni seine Leiche aus dem Fenster befördern will – nur ein Schnürsenkel hält sie noch fest –, platzt Julia in das Hotelzimmer. Er gesteht ihr freimütig, Puzzo getötet zu haben – eine Ehrlichkeit (vgl. Filmtitel), die ihm bislang noch jedes Date ruiniert hat. Doch Julia glaubt ihm nicht und hält ihn selbst für den Schriftsteller. Und Toni nutzt die Verwechslung, um seiner neuen Angebeteten in die Berliner Kulturschickeria zu folgen. Dort gerät er ins Visier einiger ebenfalls auf Puzzo angesetzter Berufskollegen, und dazu ist ihm noch ein von Julias Zukünftigem engagierter Privatdetektiv auf den Fersen.

Mord ist mein Geschäft, Liebling

Absurde Verwicklungen und verrückte Zufälle hat der Plot genug zu bieten, und ebenso gibt es ein reiches Repertoire an überzeichneten Figuren: ein tyrannischer Vater (Hans Michael Rehberg als Verlagschef Kimbel), ein ihm hündisch ergebener Sohn namens Bobfried (Janek Rieke), stets umgeben von seinem zynischen Psychotherapeuten (Ludger Pistor) und seiner ihn anhimmelnden Sekretärin (Jasmin Schwiers); in der zweiten Reihe ein dauerbetrunkener Literaturkritiker (Wolfgang Völz), ein notgeiler Page (Axel Stein) und eine Horde mordlustiger Killer aus verschiedenen Ecken der Filmgeschichte. Nicht zu vergessen die beiden Besetzungscoups Franco Nero und Bud Spencer als Tonis blinder Mentor Pepe. Auch potenziell stimmungsvolle Schauplätze an der Riviera und im schickeren Teil Berlins gibt es genug.

Mord ist mein Geschäft, Liebling

Was jedoch nie in die Gänge kommt, ist das Räderwerk, das alle diese Elemente verzahnen und in Bewegung halten soll. Mord ist mein Geschäft, Liebling wirkt wie ein Ideen-Pool, bei dessen Umsetzung den Machern zwar nicht das Budget, aber die Zeit und die Lust ausgegangen sind. Jeder liebevoll ausgearbeiteten Szene stehen zwei fast lieblos abgespulte gegenüber. Ein Paradebeispiel ist die bunte Killer-Gang, die in der Villa des Mafiabosses so vielversprechend eingeführt wird – um dann später in einer Verfolgungsjagd durch Berlin in wenigen Minuten verheizt zu werden. Das große Finale, in dem alle Jäger und Gejagten in einer Dorfkirche aufeinandertreffen, kommt einem Offenbarungseid gleich: Spätestens hier wird deutlich, dass die verschiedenen Handlungsstränge nie ein funktionierendes Ganzes ergeben haben, und der Showdown wird ohne Gespür für Timing und Schauplatz im wahrsten Sinne des Wortes zerschossen.

Mord ist mein Geschäft, Liebling

Was bleibt, sind ein paar lustige Einzelszenen und jede Menge flacher Klamauk. Größter – auch schauspielerischer – Lichtblick ist Christian Tramitz als Tonis bayerischer Killer-Kollege Münchiger, der immer im unpassendsten Moment von seinem „Schatzerl“ angerufen wird – der einzige Running Gag, den der Film sich durchzuhalten traut und aus dem er auch bis zum Schluss komödiantische Funken schlagen kann. Aus der restlichen Besetzung stechen vor allem Günther Kaufmann als Mafiaboss und Franco Nero heraus, während die beiden Hauptdarsteller ihre Parts solide und charmant, aber letztlich doch recht reduziert geben. Gerade Nora Tschirner, die den gleichen Typus wie in Keinohrhasen spielt, wünschte man wieder mal eine Rolle, in der sie mehr machen kann als süß zu lächeln und in Fettnäpfchen zu treten.

Trotz zahlreicher Actioneinlagen fehlt dem Film auch jeder Mut zum Exzess, der sich bei dem Stoff um verliebte Auftragskiller und rachsüchtige Mafiosi doch so angeboten hätte. Gelegentliche schwarzhumorige Einlagen bleiben ebenso handzahm und familienkompatibel wie die seltenen Einblicke in Tonis mörderisches Handwerk. Immerhin, an einer Stelle wird die Quadriga vom Brandenburger Tor gestürzt. Die gewagteste Szene des Films – kein Scherz!

Trailer zu „Mord ist mein Geschäft, Liebling“


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Kommentare


jhirsch7688

Also diese Kritik finde ich nicht gerechtfertigt! Hab den Film gesehen und genau das Gegenteil empfunden! Ein Film fernab von deutschem Durchschnitt und vor allem Klamauk, Die Witze gekonnt, super Bilder, die nach großem Kino aussehen und nicht nach popeligen deutschen Filmen ...absolut empfehlenswert!!


Knochen

Trotz dieser Kritik bin ich gestern in den Film "Mord ist mein Geschäft, Liebling" gegangen und war hellauf begeistert!
Es ist seit langem einer der besten Filme die mir vors Auge gekommen ist!
Ein wirklicher Augenschmaus!!!
Versteckter Sarkasmus, Action, Romantik, Klischees werden in diesem Film perfekt vereinbart und harmonieren wirklich miteinander.
Für die Männer ein echter Schießfilm und für die Damen ein klassicher Liebesfilm mit happy end.
Einfach gut gelungen!!!
Nur zu empfehlen


Chris

Leider muss ich der Kritik recht geben. Was so vielversprechend begann, wurde am Ende so enttäuscht.
Ich fragte mich auch, ob Nora Tschirner jetzt immer die Kleine ist, die in Fettnäpfchen tritt... Die Geschichte war irgendwie ab der Vorstellung der Killerbande, die auf Puzzo angesetzt werden, einfach... langweilig, ich ertappte mich dabei, dass ich nicht mehr so viel lachen konnte.
Die Besetzung war ganz nett, die Story auch, die Umsetzung wurde meiner Meinung nach zum Ende hin immer lustloser. Der Schlussteil mit unnützer Zerstörung einer Kirche und dem Töten der "Bösen" war für mich einfach wie in einem billigen Actionfilm. :-(


bambuhle

Ich kann dem Kommentar auch nur zustimmen, allerdings was hätte man schon bei der bullybande erwarten sollen. ihre qualitäten sind nunmal im sketch-format zu suchen. der schuh des manitu war filmisch wirklich noch recht gut umgesetzt aber letzendlich auch nur eine sketchparade mit platten witzen. auf die spitze getrieben hatt das (t)raumschiff surprise der nach meiner ansicht nicht anschaubar war...

es ist erstaunlich, dass der komödiantische deutsche film heut zu tage eigentlich immer nurnoch aus platten klisches besteht. gegensätze wie ein liebe suchender killer sind auf papier vielleicht witzig in der umsetzung aber nur wenn es fein gezeichnet wird nicht wie im artikel beschrieben überzeichnet wird.

sicherlich werd ich In Bruges(Brügge sehn und sterben?) nicht gerecht ihn mit anderen "gangsterfilmen" zu vergleichen da er eindeutig in einer anderen liga spielt, jedoch ist es doch augenscheinlich, dass es momentan kein deutschen produzenten gäbe der solch einen film produzieren und damit mut beweisen würde. schade.






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