Moonwalkers

Ron Perlman steckt in der Scheiße. Drogengeschwängerte, posttraumatische, bluttriefende Scheiße.

Moonwalkers 06

Gerade eben noch sind ein paar Köpfe in tausend Teile geflogen und mit Zebrastreifen bepinselte Schweinchen irgendwo herumgetrippelt, da traut sich dieser Film ganz am Schluss doch tatsächlich noch, stärker am Sujet zu rütteln. „They sure did! Didn’t they?“ Antoine Bardou-Jacquets Komödie endet mit authentischen Fernsehaufzeichnungen der Apollo-11-Mission und ihrer Heimkehr und verursacht im allerletzten Moment noch so etwas wie Reflexion im Zuschauer. Besser spät als nie, aber im Falle von Moonwalkers ist das dann auch schon egal. Der Film erzählt von einer Inszenierung der ersten Mondlandung und bastelt sich aus brisanten Verschwörungstheorien einen brachialen Hau-drauf-Spaß. CIA-Agent Kidman (Ron Perlman) soll mit einem Riesenkoffer voller Geld nach Großbritannien reisen, um Stanley Kubrick ausfindig zu machen, der in einer großangelegten Geheimaktion gefälschte Aufnahmen der ersten Mondlandung inszenieren soll. Der Zufall will jedoch, dass er stattdessen auf den erfolglosen Bandmanager Johnny (Rupert Grint) trifft, der die ultimative Möglichkeit zur Beseitigung seiner Geldprobleme wittert.

Zeitgeist-Bashing

Moonwalkers 07

Es ist die Zeit der großen Umbrüche, eine Ära der Verunsicherungen, an der Schwelle zu pluralisierten Wahrnehmungen, in die Bardou-Jacquet seinen Film ansiedelt. Mit einem Male steht die Weltgesellschaft an dem Punkt ihrer Geschichte, an dem zwischen Echtem und Falschem nicht mehr so eindeutig zu unterscheiden ist. Für all diese Implikationen interessiert sich Moonwalkers nicht wirklich. Er ist so wenig satirisch wie subtil, weder einigermaßen originell noch besonders clever. Auf welchem humoristischen Niveau man sich hier befindet, wird sehr schnell klar. Als Johnny vom Leadsänger seiner Band nach einem verpatzten Auftritt ordentlich gescholten wird, macht dieser die Drohung laut, sich einen anderen Manager zu holen. Johnny reagiert völlig verständnislos mit der Frage, was die Band denn mit zwei Managern solle. Nun ja. Ich habe gelacht, verklagen Sie mich.

Moonwalkers 03

Viel nachdenken darüber, ob man das ganze Geblödel nun überaus charmant oder doch nur außerordentlich dämlich finden soll, muss man aber nicht, denn glücklicherweise bleiben die Kalauer nur eine Art Nebeneffekt in diesem Film, der sich unablässig über Zeit- und Kulturgeschichte hermacht und sich tempomäßig kaum noch ausbremsen lässt. Die Swinging Sixties sind für Bardou-Jacquet nicht einfach eine Grundierung, die es gut auszufüllen gilt, sondern so etwas wie ein riesiger Eintopf, in dem nach Belieben herumgepantscht werden kann. Rock’n’Roller gehen auf Hippies los, CIA-Männer werden von Visionen halbverwesender Vietcongs heimgesucht und machen gemeinsame Sache mit Kommunen. Und über die ganze Verschwörungsnummer wird sich sowieso köstlich lustig gemacht. Aus einer Notlage heraus muss Kidman zusammen mit Johnny unter Anleitung des selbstüberzeugten Kunstfilmregisseurs Renatus vermeintlich authentische Aufnahmen auf die Beine stellen. Ohne Kubrick. Die Regierung weiß von der Bredouille zunächst nichts. So wird gar die Inszenierung der Mondlandung selbst zur Fälschung. Moonwalkers ist weniger die Beobachtung oder Beschreibung von Zeitgeist als vielmehr bloße Aneignung. Und sowas wie kritische Distanz gibt es hier schon gleich gar nicht.

Sixties-Schwank up to date

Moonwalkers 16

Doch ist Moonwalkers ganz und gar nicht aus der Zeit gefallen. All das flauschige, verrauchte, rüschenbesetzte Retro täuscht nicht darüber hinweg, dass er alles andere als altmodisch wirken mag und brav die Logiken aktueller Genreprämissen befolgt. Nicht nur weil er famose Gewaltspitzen setzt und sich in seiner Abgedrehtheit durch absolut nichts erden lässt. Wenn zu Puccinis „La Gazza Ladra“ ein paar Nazi-Biker verdroschen werden, gerät der Film in allzu willkürliche Selbstverliebtheit, die so wirkt, als hätte sie dringlich integriert werden müssen, um sich als zeitgemäßer Genrevertreter verbürgen zu können. Aber wenn wir schon bei Kubrick sind, wieso nicht auch gleich ein wenig am orangenen Uhrwerk drehen? Im Mittelteil lässt Bardou-Jacquet von solchen Spielereien ab, und der Film konzentriert sich auf sein Setting, was ihm ein wenig von seiner Unruhe nimmt, ohne ihn aber wirklich zu entschleunigen. Erst hier findet Moonwalkers ganz zu sich selbst: einer burlesken Posse mit dem groben Charme eines Bauerntheaters, einer psychedelischen Kostüm- und Konsumparade, die zwischen Freakshow, schlechten Witzen und ein paar Drogeneskapaden alterniert.

Moonwalkers 13

Das ändert aber nichts daran, dass der Film an und für sich eine ganz runde Sache geworden ist. Er bleibt keine bloße Nummernrevue, sondern schweißt alle seine Elemente so zusammen, dass sich keine (allzu) losen Fäden bilden. Am Ende entwickelt sich daraus gar ein sauber geschnürtes Knäuel, was angesichts der Überladenheit des Plots schon als Leistung gewürdigt werden muss. Wie Bardou-Jacquet in wenigen Szenen die gesamte Mondlandungsinszenierung aus dem Ruder laufen lässt, parallel noch sämtliche Antagonisten, die sich im Verlauf des Films auftun, auf Kidman loslässt, und schließlich in einem fast vollkommen ruhigen, aber höchst absurden Moment seinen Höhepunkt findet, ist schon eine ziemliche Schau. Moonwalkers ist ein Film wie ein Acid-Trip. Ruhelos lässt er einen pulsieren und Freude an allerlei Banalitäten finden. Aber danach verspürt man doch eine gewisse Übelkeit.

Trailer zu „Moonwalkers“


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