Monks - The Transatlantic Feedback

Konzeptkunst trifft Beatrock. Eben noch haben die Torquays Beatles und Beach Boys gecovert, dann betreiben sie auch schon als Monks Dekonstruktion im Sinne der Ulmer Hochschule für Gestaltung.

Monks - The Transatlantic Feedback

„Liebevoll gestaltet“ ist ein Sprachklischee. Wenn man es dennoch bemüht, muss es schon ganz außerordentlich zutreffen. Bei der DVD Monks – The Transatlantic Feedback ist das der Fall. Fast wirkt sie wie ein Lebenswerk. Zumindest eine Phase ihres Lebens haben die Filmemacher Lucía Palacios und Dietmar Post ihrem Liebhaberprojekt gewidmet. Mitte der 90er Jahre begannen ihre Vorbereitungen des Dokumentarfilms, dessen Zentrum 2002 geführte Interviews mit den fünf „Monks“ bilden. Als das Werk vier Jahre später in den Kinos anlief, war ein Bandmitglied bereits verstorben. Jetzt, wo die DVD endlich in den Handel kommt, gibt es bereits einen weiteren Verlust zu beklagen. Diese eingeschriebene Historizität des Materials gibt der Veröffentlichung eine besondere Aura.

1961 kommen Eddie, Roger, Dave, Larry und Gary als G.I.s nach Westdeutschland. Drei Jahre später formieren sie sich zu den Torquays, aus denen die Monks hervorgehen. Vielleicht hätten sie die Musikwelt revolutioniert, wäre ihnen nicht zu früh der Atem ausgegangen. Womöglich waren sie auch nur „zu normal“, wie Eddie Shaw selbstkritisch konstatiert. Oder – und das ist der Stoff aus dem die Popmythen gestrickt werden – sie waren ihrer Zeit einfach zu weit voraus. Zwei Jahre vor der 68er Revolte vernimmt der Avantgardist Hans Joachim Irmler bei den Monks bereits einen Aufruf zur Befreiung. Als es dann soweit ist – hier setzt das Drama ein – hat sich die Band bereits aufgelöst. Kurz vor einem verheißungsvollen Trip nach Asien erscheint der Drummer einfach nicht. So unspektakulär endet die Existenz der Monks.

Monks - The Transatlantic Feedback

Fünf amerikanische Soldaten die anfangs eine Band unter vielen gründeten, auch nach ihrer Armeezeit bei den Krauts blieben und durch die Lande tourten, wo sie schließlich auf Produzenten trafen, die ihnen eine Corporate Identity auferlegten, ein Image zuschrieben. Die Monks spielten nicht nur im Beat-Universum und traten in denselben Hafenkneipen auf wie einige Jahre vor ihnen die Beatles – sie hatten mit der berühmtesten Band der Welt auch das Markenzeichen gemeinsam: ihre Frisuren. Halbglatzen, ganz Mönche eben.

Es ist 1966 und die fünf Amis, kaum aus den Uniformen geschlüpft, protestieren mit ihren Songs gegen den Vietnam-Krieg. In Mannheim mag man sie genauso wie in den noch südlicheren Gefilden schon wegen ihres Looks und Auftretens nicht, auf der Militärbasis kommt diese Message aber erst recht nicht an.

All das macht die Band aber nicht aus. Für ihre Renaissance, mehr als 30 Jahre nach der Auflösung, ist die musikalische Ausrichtung verantwortlich. Der Produzent spricht von „Heavy Metal der ersten Stunde“, sein Toningenieur von „geballter Urkraft.“ Der Künstler Charles Wilp sieht in den „hoch frequenten Rhtythmen, Vibrationen“ einen „Vorläufer von Techno“. Er wollte den Monks-Sound für seinen Afri-Cola-Werbespot nutzen und ihnen damit gleichzeitig zum kommerziellen Durchbruch verhelfen. Den Geldgebern schien das zu riskant. 2000 wurde die Idee dann von der Konkurrenz doch noch umgesetzt: Coca Cola unterlegte einen Werbespot mit Monk-Musik. Der Clip ist auf der DVD nicht zu sehen, nur zu hören. Man vermisst ihn genauso wie die Reunion-Konzerte, auf der DVD missverständlich angekündigt, erweisen sie sich nur als Texttafeln die Ehre. Zu diesem Zeitpunkt ist man bereits verwöhnt von der Materialfülle des Bild- und Tonträgers. Und wer sich auf den Extras-Seiten tummelt, der ist ohnehin schon von der Faszination des Stoffes und der Musik gepackt.

Monks - The Transatlantic Feedback

Der Weg zu einer solchen Begeisterung ist einigermaßen mühsam, denn beinahe schwerfällig und stereotyp beginnt Monks – The Transatlantic Feedback. Die Struktur ist bekannt: Mal wieder einen Musikgruppe, die ihrer Zeit voraus war. Zunächst Mainstream-Beat, dann die musikalische Umorientierung und Radikalisierung, spürbar schon in einer Avant-Doors-Orgel, ab 1965 – wie bei den Beatles, den Stones, den Who, Bowie. Oder eben doch ein paar Monate früher. Für einen Moment glaubt man, der Film könnte sich in solch historischer Spitzfindigkeit verlieren, in dem Gestus nun endlich die doch allerrevolutionärste und folglich übersehenste Band ausfindig gemacht zu haben. Erst langsam korrigieren die Bilder, vor allem aber die Musik jenen Eindruck.

Ebenfalls nur sehr langsam und zögerlich, das wird unisono konstatiert, fanden sich die Ensemblemitglieder wieder in ihren amerikanischen Leben zurecht. Das brutale Ende 1967 nach einer strapaziösen, nervenfressenden Tour und einem gefloppten Album hinterließ ein Gefühl des Scheiterns, zum Teil sogar der Scham.

Doch Jahr für Jahr kristallisierte sich die Sprengkraft ihrer vergessen geglaubten Songs deutlicher heraus. Warum genau, womit und wann das Revival schließlich einsetzte, darüber schweigt sich der Film aus. 1999 jedenfalls feierten die Monks ein Comeback in New York, gleichzeitig ihr erster Auftritt in den USA überhaupt. Später tourten sie parallel zum Kinostart des ihnen gewidmeten Films.

Monks - The Transatlantic Feedback

Der entfaltet seinen ganzen Reiz erst als Scheibe. Im Wechselspiel des Materials, zwischen Film, alten Gigs und zusätzlich enthaltenen Interviews, kann der Zuschauer die Geschichte und die Musik immer wieder neu für sich montieren. Beispielsweise ist der mittlerweile verstorbene Leadgittarist Dave Day über eine halbe Stunde lang zu beobachten, wie er nicht nur alle Songs des Albums auf dem Banjo anspielt und in ihrer Logik erklärt, sondern gleich noch die alternativen Versionen des Demotapes zum Besten gibt. In diesem feinen Extra steckt nicht nur die Liebe eines Musikfanatikers, sondern eine ganze Fallgeschichte von Bandpromotion und Außenwahrnehmung.

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