Mobile Home – Kritik

Der Versuch zweier junger Männer, konformistische Lebensentwürfe hinter sich zu lassen. 

Mobile Home 02

Wenn kein mir bekannter Regisseur die Auswahl diktiert, dann sind es manchmal die Gesichter, die einem im Trailer oder auf Standfotos entgegenblicken, die einen Film verheißen, den es so vielleicht nur im eigenen Kopf gibt. Mobile Home ist so ein Fall, und ich bin mir auch zwei Tage später nicht sicher, ob der Regisseur François Pirot nicht genau mit diesen von den beiden Hauptdarstellern vermittelten Seherwartungen spielt: Guillaume Gouix war neulich in Cannes mit Beyond the Walls (Hors les murs) an einer schwulen Liebesgeschichte beteiligt, und Arthur Dupont hat nicht nur ein faszinierend facettenreiches Gesicht, sondern spielte auch vor ein paar Jahren in Jedem seine Nacht (Chacun sa nuit, 2006) einen schwulen Jungen (wie ich gerade nachlese). Je mehr ich darüber nachdenke, desto sicherer bin ich mir, dass Pirot mit diesen vergangenen Rollen bewusst umgeht, es darauf angelegt hat, mich aufs Glatteis zu führen. Und das gefällt mir ziemlich gut. IMDb verrät mir seine Mitwirkung an zwei Drehbüchern von Joachim Lafosse (Privatunterricht, Élève libre, 2008 und Nue propriété, 2006). Das verwundert mich dann doch etwas. Denn Mobile Home fehlt die Dichte, die Spannung, er nährt sich nicht von Konflikten, nein, flüchtet vor ihnen. Auf stilistischer Ebene ist es ein zu vernachlässigendes Debüt, weil es eher ungenaue Bilder und Perspektiven wählt, eine schwammige Atmosphäre etabliert von Aufbruchslust und Drifter-Dasein zweier nicht mehr ganz junger Männer. Erste Fehlentscheidungen haben sie bereits hinter sich, jetzt wollen sie konformistische Lebensentwürfe hinter sich lassen und entwerfen gemeinsam den Plan, durch die Welt zu reisen und vor sich hin zu leben.

Mobile Home 01

Dass daraus nichts werden wird, ist schnell klar. Wie sich aber die Beziehung und das Selbstverhältnis der beiden entwickeln wird, das bleibt in der Schwebe. Kleine wiederholte Berührungen, vorsichtige Blicke, gemeinsame Pläne. Für Frauen scheint sich Julien (Gouix) nicht zu interessieren. Sein verschmitztes Lächeln, seine Präsenz, seine Scheu, seine Klarheit, seine Standfestigkeit. Allein er gibt dem Film eine Komplexität, die sowohl das Drehbuch als auch die Inszenierung vermissen lassen. Dass am Schluss dann doch alles anders kommt, sich in heterosexuellem Wohlgefallen auflöst und die Straße dem abenteuersuchenden lonesome Cowboy gehört, das ist dann wiederum nicht verkehrt. Die Träume sind alle bereits vorher geplatzt.

Trailer zu „Mobile Home“


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