Mitten ins Herz – Ein Song für Dich
Erst kürzlich tourte Gérard Dépardieu als alternder Chansonier durch triste Schlagerclubs. Nun hat es Hugh Grant erwischt. In der Rolle eines in die Jahre gekommenen Popstars singt er sich in das Herz von Drew Barrymore.

Föhnfrisuren, Dallas, Modern Talking, Nicole. Die achtziger Jahre brachten so manche Skurrilität hervor, für die man heute lieber schamhaft im Boden versinken möchte. Während auf politischer Ebene von Pershing II und „Thatcherismus“ die Rede war, teilte sich die Popkultur – stark vereinfacht – in Synthie-Pop-Anhänger, Punks und strikt in schwarz gekleideten Dark Wavern auf. Und mit dem Start des Musikfernsehens kam es ausgehend von den USA zu einer Revolution in der Unterhaltungsindustrie, die mit dem Musikvideo eine zuvor kaum bekannte Form kreativen Schaffens hervorbrachte, die mittlerweile als eigenständige Kunstform etabliert und akzeptiert ist.

Ein solcher Musikclip der fiktiven Synthie-Band „PoP“ eröffnet Mitten ins Herz – Ein Song für Dich (Music and Lyrics). Regisseur und Drehbuchautor Marc Lawrence erzählt darin die Geschichte des einstigen „PoP“-Bandmitglieds Alex Fletcher (Hugh Grant), der statt im Hier und Jetzt zu leben, den eigenen Erfolgen der Vergangenheit nachtrauert. Jenen glorreichen Zeiten, als er das war, was man gemeinhin einen Popstar nennt. Jemand, der von seinen Fans umjubelt und der Musikindustrie hofiert wird. Zwanzig Jahre später hat Alex den Glauben an ein Comeback eigentlich schon aufgegeben, da erhält er mehr durch Zufall ein überaus verlockendes Angebot. Er soll für das Pop-Sternchen Cora Corman (Haley Bennett) ein Duett schreiben und aufnehmen. Dumm nur, dass er, was das Texten und Komponieren angeht, etwas aus der Übung ist. Doch das Glück meint es gut mit ihm. Denn seine neue leicht schrullige Pflanzenpflegerin Sophie (Drew Barrymore) entpuppt sich als wahres Genie im Songwriting

Den Fortgang der Handlung zu erahnen, setzt nicht unbedingt hellseherische Fähigkeiten voraus. Auch Mitten ins Herz verfügt über den Aufbau einer typischen Hollywood-Komödie mit romantischem Einschlag. Auf die zaghafte Annäherung zwischen den beiden Hauptcharakteren folgt die Phase eines schüchternen Verliebtseins, die von einem obligatorischen emotionalen Tiefschlag abgelöst wird, um letztlich in ein ganz nach Produzentenkalkül herzerweichendes Finale zu münden.
Dass der Film trotz bekannter, überraschungsfreier Dramaturgie nicht langweilt, ist vor allem dem harmonierenden Duo Grant/Barrymorre zu verdanken. Grant hat sichtlich Spaß daran, sein eigenes Image – der jung gebliebene Frauenversteher und britische Gentleman – zu karikieren. Das Alter nagt an ihm wie an seiner Filmfigur Alex, der feststellen muss, dass Rückenschmerzen und der Kampf gegen die eigenen Falten einen Mann nur bedingt sexy erscheinen lassen. Im Zusammenspiel mit Barrymore, die wie ihr Filmpartner auf romantische Komödien und da speziell auf die Rolle des unschuldigen ewig jungen „Love Interest“ abonniert scheint, gelingen dem selber bereits 46jährigen Grant einige bemerkenswert komische Momente. Das liegt nicht zuletzt an den – zumindest in der Originalfassung – trockenen Dialogen von Marc Lawrence, der zuvor lediglich mit der stärker auf Slapstick und Klamauk ausgerichteten Agentenfilm-Persiflage Miss Undercover (Miss Congeniality, 2000) auf sich aufmerksam machte. Er ist zwar kein neuer Woody Allen, dafür beherrscht er das Handwerk, mit pointierten Einzeilern und ironischen Seitenhieben aus einer oberflächlichen Dramaturgie möglichst viel herauszuholen.

Sein Film kann auch als liebevolle Hommage an die oft kritisierten Achtziger verstanden werden, in denen sich entpolitisierte Jungendbewegungen wie die modefixierten Popper, Anhänger eben jenes Synthie-Pops, bildeten. Neben dem stilsicheren Einstieg über das im Look täuschend echt nach Achtziger-Pop anmutende Musikvideo, in dem Grant rücksichtslos Vollgas geben darf, baute Lawrence eine Vielzahl anderer Querverweise zu dem Jahrzehnt zwischen Reagans erstem Wahlsieg und dem Fall des eisernen Vorhangs ein. Adidas Superstars, Wasserbetten, Lichtspiele in den prägenden aus Miami Vice (1984-1989) und dessen Art Déco-Stil entliehenen Pastellfarben Blau und Pink; das Gefühl, Alex lebe immer noch in der ruhmreichen Vergangenheit, ist in nahezu jeder Szene präsent.
Wie schon im letzten Hugh Grant-Film American Dreamz (2006) kommen das Showbusiness und dieses Mal speziell das Musikgeschäft nicht wirklich gut weg. Eine Branche, die Hits nach Schema F zu produzieren versucht, portraitiert Lawrence als Sammelbecken exzentrischer Diven und therapeutischer Härtefälle. Die in ihrem spirituellen Wahn und jugendlicher Naivität an Madonna respektive Britney Spears angelehnte Figur der Cora Corman ist die Verkörperung der gerade auch in Hollywood gepflegten Kultur der selbstverliebten Nabelschau. Dass die Realität ganz anders aussieht, zeigt sich, wenn Ex-Popstar Alex zum Gelderwerb vor einer Meute wild gewordener, ebenfalls in die Jahre gekommener zumeist weiblicher Fans in der erschreckend trostlosen Kulisse eines Freizeitparks auftreten muss. Würde Sophie ihn nicht begleiten, es wäre nicht klar, ob Mitten ins Herz in Wahrheit nicht vielleicht doch eher in die Kategorie „Horrorfilm“ fällt.
Filmkritik von Marcus Wessel
Veröffentlicht am 09.02.2007
Kommentare zu Mitten ins Herz – Ein Song für Dich
Marte Cormann - www.kinoplausch.de 15.02.2007 21:20
Zwei hervorragend aufgelegte Schauspieler mit pointierten Dialogen und viel Situationskomik sorgen für kurzweilige Unterhaltung im besten Sinne. Eine Romantische Komödie nicht nur für Frauen.
Michael Kalks 15.02.2007 22:36
Mit Skepsis habe ich die Vorpremiere betreten und wurde mehr als überrascht. Eine wunderbare Mischung aus Musik, Komödie und Romantik, die auch Männer zum Lachen und Weinen bringen sollte. Klasse Film mit Happy End
Misches 10.03.2007 16:31
Wir fanden den Film super, Hough!!!!!!! :)
Stefan 12.03.2007 19:36
Ich war mit meiner Freundin in dem Film. Wir hatten beide genug zu Lachen. Schön ist zum einen der trockene Humor mit diesen Sprüchen "aus der Hüfte" und zum anderen auch das Hervorholen der 80iger Jahre. Darüber hinaus ist das Lied von POP! voll der Ohrwurm :-)
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Film-Angaben
Titel: Mitten ins Herz – Ein Song für Dich
Originaltitel: Music and Lyrics
USA 2007
Laufzeit: 96 Minuten
Regie: Marc Lawrence
Drehbuch: Marc Lawrence
Produktion: Marc Lawrence, Melissa Wells, Scott Elias
Darsteller: Hugh Grant, Drew Barrymore, Haley Bennett, Brad Garrett, Kristen Johnston, Campbell Scott
Kinostart: 08.03.2007
DVD-Angaben
Titel: Mitten ins Herz – Ein Song für Dich
Vertrieb: Warner Home Video
Bild: 1,85:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Spieldauer: 100 Minuten
Extras: Making Of: „Note for Note“; Music Video: „POP! Goes My Heart“; Nicht verwendete Szenen; verpatzte Szenen
Verleih ab: 17.08.2007
Verkauf ab: 17.08.2007
Copyright Mitten ins Herz – Ein Song für Dich
Fotos: © Warner Bros.
BERLINALE 2012

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