Mitfahrer

Drei Autos, drei Fahrten nach Berlin. Dffb – Absolvent Nicolai Albrecht erzählt in seinem Abschlussfilm drei Geschichten über Menschen, die nur durch die Mitfahrzentrale miteinander in Berührung kommen.

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Man kennt das ja: Man bucht eine Fahrt bei der Mitfahrzentrale und landet im Auto eines wildfremden Menschen, mit dem man nun einige Stunden auf engstem Raum verbringen muss. Manchmal hat man Glück und es entsteht ein angenehmes Gespräch, manchmal hofft man einfach nur, dass die Fahrt schnell zu Ende sein wird.

Der Abschlussfilm des Dffb-Absolventen Nicolai Albrecht handelt von diesen seltsamen Begegnungen im Auto eines Fremden: Vom unerfahrenen Teenager Fabian (Michael Wiesner), der sich in seine Fahrerin Katharina (Jana Thies) verliebt, vom Bademodenvertreter Peter (Ulrich Matthes), der auf Reisen gerne Leute in seinem Auto mitnimmt und diesmal mit der jungen Studentin Carolin (Anna Brüggemann) und dem Afrikaner Hilal (Michael Ojake) fährt, von der flatterhaften Loubelle (Ingrid Sattes) und ihrer Tochter Rosa (Marie-Terese Katt), die nach Berlin fahren, um Loubelles Verflossenem seinen Wagen zurückzugeben und auf der Raststätte Sylvester (Ivan Shvedoff) aufgabeln, den Fabian und Katharina dort ausgesetzt haben.

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Die Geschichten seiner insgesamt acht Protagonisten verwebt Albrecht geschickt zu einem Ganzen, so dass am Ende aus den Mosaiksteinen ein Bild entsteht, eines, das die meiste Zeit Autobahnimpressionen und Wageninnenräume zeigt. Denn Albrechts Film entstand zum größten Teil auf der Autobahn. Das beschränkt natürlich die Ausdrucksmöglichkeiten seiner Schauspieler weitgehend auf die Mimik. Dennoch gelingt es allen, ihren Darstellungen Intensität zu verleihen, die Entwicklung der Figuren oder eben ihre Stagnation zu verdeutlichen.

Unterstützt werden die Schauspieler durch ein abwechslungsreiches Drehbuch, an dem gleich drei Autoren arbeiteten – einer für jede Geschichte –, und die Kameraarbeit des mit dem Deutschen Kamerapreis ausgezeichneten The Chau Ngo (Tatort: Scheherazade, 2005), dem es gelingt, den begrenzten Autoinnenräumen immer neue Seiten abzugewinnen.

Mitfahrer ist eine sensible Studie über acht unterschiedliche Menschen, die lediglich gegen Ende ein wenig an Spannung verliert. Zu langsam werden die Schicksale der Personen zusammengeführt, die Albrecht im ersten Teil so geschickt aufgebaut hat. Dennoch ist dem Regisseur mit seinem Debüt ein faszinierender Film gelungen, der durch seine differenzierte Figurenzeichnung und innovative Kameraarbeit besticht.

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